Ehemaliges Kohlenlager Coelln-Neuessen wird saniert

Foto: RAG/Hans Blossey
Foto: RAG/Hans Blossey

Essen. Auf einer der bedeutenden ehemaligen Bergbauflächen im Essener Norden beginnt eine umfangreiche Sanierung: Die RAG Montan Immobilien nimmt das rund 36 Hektar große Areal des ehemaligen Kohlenlagers Coelln-Neuessen in Angriff. Ab August 2026 sollen belastete Bodenbereiche saniert und die darin enthaltenen Schadstoffe dauerhaft gesichert werden. Die Arbeiten sind ein wichtiger Schritt für die spätere Umwandlung der früheren Industriefläche. Das Gelände am Rhein-Herne-Kanal soll langfristig zu einem modernen Gewerbestandort entwickelt werden und ist Bestandteil des interkommunalen Stadtentwicklungsprojekts „Freiheit Emscher“.

Belastete Böden verschwinden nicht – sie werden gesichert

Kern der Sanierung ist ein mehrere Hektar großes Sicherungsbauwerk. Darin werden belastete Bodenmaterialien eingebaut und anschließend mit speziellen Kunststoffdichtungsbahnen gegen Wasser abgedichtet. Das Konzept verfolgt ein klares Ziel: Schadstoffe sollen weder in das Grundwasser gelangen noch über die Luft in die Umgebung getragen werden. Das Sicherungsbauwerk wird etwa drei Hektar Fläche umfassen und rund acht Meter hoch werden. Damit entsteht auf dem ehemaligen Kohlenlager eine Art dauerhaft gesicherte Landschaftsstruktur. Die RAG setzt dabei nicht auf einen vollständigen Abtransport sämtlicher belasteter Materialien, sondern auf eine kontrollierte und dauerhaft überwachte Sicherung vor Ort.

36 Hektar Bergbaugeschichte vor dem Wandel

Das Areal blickt auf eine lange industrielle Vergangenheit zurück. Das Kohlenlager Coelln-Neuessen war Teil der Infrastruktur des Ruhrbergbaus. Die Nutzung als Kohlelager endete Ende 2018. Seitdem wird die Fläche schrittweise für eine neue Nutzung vorbereitet. Der Wandel steht beispielhaft für die Transformation ehemaliger Bergbauareale im Ruhrgebiet. Wo früher Kohle gelagert und für den industriellen Bedarf bereitgestellt wurde, sollen künftig Gewerbe, Dienstleistungen und moderne Produktionsbetriebe Platz finden.

Arbeiten bringen mehr Verkehr auf die Straßen

Die Sanierung wird allerdings nicht ohne Auswirkungen auf das Umfeld bleiben. Für die Verfüllung der sanierten Bereiche und die Gestaltung des späteren Landschaftsbauwerks muss über einen Zeitraum von etwa 18 Monaten unbelasteter Boden angeliefert werden. Nach Angaben der RAG werden dafür voraussichtlich bis zu 50 Lastwagen pro Tag eingesetzt. Die Transporte sollen grundsätzlich montags bis freitags zwischen 6 und 18 Uhr stattfinden. Damit die Baustellenfahrzeuge keinen Schmutz auf die umliegenden Straßen tragen, wird auf dem Gelände eine Reifenwaschanlage eingerichtet. Jeder Lastwagen muss diese vor der Ausfahrt passieren.

Sanierung soll bis Anfang 2028 dauern

Die Dimension des Projekts zeigt sich auch am Zeitplan. Die gesamte Baumaßnahme soll voraussichtlich bis Anfang 2028 laufen. Nach Abschluss der eigentlichen Sanierungsarbeiten wird das Sicherungsbauwerk entsprechend eines Gestaltungs- und Rekultivierungsplans hergerichtet. Vorgesehen ist eine schwach geneigte Plateaufläche. Dabei geht es nicht ausschließlich um die technische Sicherung des ehemaligen Industriestandorts. Auch ökologische Aspekte spielen eine Rolle.

Neue Heimat für die Kreuzkröte

Auf der neugestalteten Fläche soll unter anderem Lebensraum für die streng geschützte Kreuzkröte entstehen. Damit verbindet das Projekt die Sanierung einer ehemaligen Bergbaufläche mit einer ökologischen Folgenutzung. Das Sicherungsbauwerk bleibt zunächst im Eigentum der RAG. Es soll im Rahmen eines langfristigen Nachsorgekonzepts regelmäßig kontrolliert werden. Die Sanierung endet damit nicht vollständig mit der Fertigstellung der Oberfläche: Die dauerhafte Überwachung bleibt Bestandteil des Konzepts.

Ein wichtiger Baustein für „Freiheit Emscher“

Für die Stadtentwicklung im Essener Norden besitzt die Fläche eine besondere strategische Bedeutung. Der Standort liegt unmittelbar am Rhein-Herne-Kanal und gehört zu den zentralen Entwicklungsflächen von „Freiheit Emscher“. Auf dem ehemaligen Kohlenlager soll perspektivisch ein Gewerbestandort mit Büros, Dienstleistungen und modernen Produktionsbetrieben entstehen. Die Lage am Wasser könnte dabei ein entscheidender Standortvorteil sein. Bevor diese neue Nutzung möglich wird, muss jedoch die Hinterlassenschaft der industriellen Vergangenheit bewältigt werden. Die nun beginnende Bodensanierung bildet deshalb eine wesentliche Voraussetzung für die spätere Entwicklung des Areals.

Ende der Bergaufsicht als nächster Meilenstein

Die Sanierung erfolgt im Rahmen eines bergrechtlichen Abschlussbetriebsplanverfahrens. Dieses Verfahren wird von der zuständigen Bezirksregierung zugelassen und überwacht. Erst nach Abschluss der notwendigen Maßnahmen kann die Fläche schrittweise aus der bergbaulichen Nachsorge in ihre neue Nutzung überführt werden. Aus einem ehemaligen Kohlenlager soll damit langfristig ein neuer Wirtschaftsstandort im Essener Norden entstehen.

Vom Kohlelager zum Gewerbestandort

Das Projekt Coelln-Neuessen steht damit für einen grundlegenden Wandel im Ruhrgebiet: Die Hinterlassenschaften des Steinkohlebergbaus werden gesichert, alte Industrieflächen saniert und für neue wirtschaftliche Nutzungen vorbereitet. Noch werden auf dem Areal in den kommenden Monaten zahlreiche Lastwagen unterwegs sein und große Mengen Boden bewegt. Das endgültige Ziel liegt jedoch weiter in der Zukunft: Aus einer 36 Hektar großen ehemaligen Kohlelagerfläche soll ein moderner Gewerbestandort am Rhein-Herne-Kanal werden.

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