Immer mehr historische Gebäude verschwinden aus dem Stadtbild – und mit ihnen Geschichte, Charakter und wertvolle Ressourcen. Gegen diesen Trend formiert sich eine neue Bewegung: Die Anti-Abriss-Allianz (AAA), gegründet Ende 2024, vereint erstmals Akteure aus Architektur, Denkmalpflege, Umweltschutz und Zivilgesellschaft mit einem klaren Ziel – Schluss mit dem zerstörerischen Kreislauf aus Abriss und Neubau.
Klimakiller Abriss: Bauwende gefordert
„Jedes Jahr werden zehntausende Gebäude dem Erdboden gleichgemacht – oft ohne Not, oft gegen jede ökologische Vernunft“, warnt Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe. Der Neubau sei nicht nur energieintensiv, sondern produziere jährlich Millionen Tonnen Bauabfall und CO₂-Emissionen. Oft verschwinde dabei auch bezahlbarer Wohnraum.
Die Allianz fordert einen grundlegenden Wandel in der Baupolitik: Umbau und Weiternutzung sollen zum Standard werden, Abriss zur Ausnahme. Dafür entwickelt das Bündnis einen Kriterienkatalog, der ökologische, kulturelle und soziale Aspekte beim Gebäudebestand gewichtet – ein Werkzeug für Behörden, Fördergeber und Gesetzgeber gleichermaßen.
Manifest für Substanz statt Schutt
Ein Höhepunkt der Bewegung ist die Vorstellung des „Manifests Substanzgesellschaft“, das am 9. Juli 2025 in einer öffentlichen Online-Veranstaltung präsentiert wird. Entstanden aus dem zivilgesellschaftlichen Widerstand gegen den Abriss des legendären Haus Marlene Poelzig in Berlin, erhebt das Manifest grundlegende Forderungen:
gesetzliche Schutzmechanismen auch für nicht-denkmalgeschützte Altbauten
Umbaukultur als zentrales Leitmotiv der Stadtentwicklung
Abrissmoratorium 2.0 mit Fokus auf Erhalt statt Ersatz
Begleitend erschien das Buch „Haus Marlene Poelzig, Berlin. Abriss und Aufbruch“, das nicht nur die Geschichte des Hauses, sondern auch die strukturellen Missstände im Umgang mit Bestand offenlegt.
Über 40 Organisationen formieren sich zur Gegenbewegung
Getragen wird die Anti-Abriss-Allianz von über 40 Organisationen – von Architects for Future über das Denkmalnetz Bayern bis zur moderneREGIONAL. Ihre Botschaft ist klar: Wer Klima schützen will, muss Substanz schützen.
„Das Denkmalwesen muss Leuchtturm für die gesamte Baubranche werden“, fordert Ben Buschfeld vom KulturerbeNetz.Berlin. Und Karin Berkemann von moderneREGIONAL ergänzt: „Seit einem Jahrzehnt dokumentieren wir Abrisse. Jetzt ist es Zeit, sie zu verhindern.“
Auf dem Weg zum Paradigmenwechsel
Was mit lokalem Protest begann, entwickelt sich zur gesamtgesellschaftlichen Bewegung für eine Bauwende. Denn der Schutz von Bestandsbauten ist kein Nischenthema mehr – sondern eine Frage von Klimagerechtigkeit, kulturellem Gedächtnis und sozialer Verantwortung.
Mehr Informationen unter kulturerbenetz.berlin/anti-abriss-allianz/
