180 Meter-Schornstein in Voerde gefallen

Fotos: RWE
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Voerde. Mit einer spektakulären Sprengung ist am Mittag in Voerde ein weiteres Kapitel der Kohle-Ära zu Ende gegangen. Punkt 12 Uhr ließ der Energiekonzern RWE den rund 180 Meter hohen Kamin des stillgelegten Kohlekraftwerks kontrolliert zu Boden gehen. Die Sprengung markiert einen wichtigen Schritt beim Rückbau der Anlage und leitete gleichzeitig eine neue Phase der Umgestaltung des Standorts ein.

Das Kraftwerksgelände liegt weitgehend abseits dichter Wohnbebauung, dennoch nahm die Stadt Voerde umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen vor. Rund um den Sprengort wurde eine Evakuierungs- und Sicherheitszone eingerichtet, die ab 10 Uhr vollständig geräumt sein musste. Ordnungsamt und Einsatzkräfte sperrten Straßen und kontrollierten die betroffenen Bereiche. Bereits gegen 10.30 Uhr meldete die Stadt, dass alle Wohnungen innerhalb der Zone ordnungsgemäß verlassen worden waren. Kurz vor der Zündung überprüften Einsatzkräfte den Bereich zusätzlich mit einer Wärmebildkamera, um sicherzustellen, dass sich niemand mehr dort aufhielt.

Auch der Verkehr auf dem Rhein war betroffen: Die Schifffahrt wurde für die Dauer der Sprengung aus Sicherheitsgründen eingestellt. Mehrere akustische Warnsignale kündigten den entscheidenden Moment an, bevor der Schornstein wie geplant in ein zuvor angelegtes Fallbett aus Schotter kippte. Erst am Nachmittag, gegen 15.20 Uhr, konnten alle Sperrungen wieder aufgehoben werden.

Fotos: RWE

Für einige Anlieger war der Tag dennoch mit Anspannung verbunden. Gastronom Ismail Polat, Betreiber des „Strandhauses Ahr“ am Rheinufer, lag mit seinem Gebäude knapp innerhalb der Evakuierungszone. „RWE hat mein Haus vorab begutachtet, falls es zu Schäden kommen sollte“, sagte er. Sein Café war zur Zeit der Sprengung geschlossen, finanzielle Einbußen habe es daher nicht gegeben.

Die Vorbereitungen auf die Aktion liefen seit Wochen. Bagger und schwere Lastwagen hatten auf dem Gelände ein stabiles Fallbett errichtet. Der gesprengte Kamin gehörte zur Rauchgasreinigung, die vor rund 20 Jahren nachträglich an das Kraftwerk angebaut worden war. Im unteren Bereich war der Schornstein bereits durch gezielte Einschnitte im Beton statisch geschwächt worden, um einen kontrollierten Einsturz zu gewährleisten.

Doch die Arbeiten sind noch lange nicht abgeschlossen. Für das kommende Jahr plant RWE weitere Sprengungen: Zwei zusätzliche Schornsteine sowie die beiden Kesselhäuser sollen folgen. Bereits vor zwei Jahren war ein 160 Meter hoher Kühlturm gefallen – für viele Menschen in der Region ein emotionaler Moment, da damit ein prägendes Wahrzeichen verschwand.

Gleichzeitig richtet sich der Blick nach vorn. Das Kohlekraftwerk ist seit 2017 außer Betrieb. RWE plant, auf dem Gelände ein wasserstofffähiges Gaskraftwerk zu errichten, das möglicherweise Ende 2030 ans Netz gehen könnte. Darüber hinaus gibt es Überlegungen, Anlagen zur Wasserstoffproduktion aus überschüssigem Windstrom von der Nordsee zu bauen. Bürgermeister Dirk Haarmann (SPD) sieht in dem Areal großes Potenzial: Auch Unternehmen aus der Wasserstoffbranche sollen sich dort ansiedeln.

Die Sprengung des Kamins ist damit mehr als nur ein Abriss – sie steht sinnbildlich für den Strukturwandel und den Übergang von der Kohle zu neuen Energieformen in Voerde.

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