Die Zeche Zollverein in Essen zählt heute zu den bedeutendsten Industriedenkmälern Europas – ihre Ursprünge reichen bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück. Der Industrielle Franz Haniel, einer der führenden Unternehmer seiner Zeit, suchte damals nach hochwertigen Kokskohlevorkommen, um damit die Stahlerzeugung in seinen Hüttenbetrieben zu unterstützen. Im Jahr 1834 gelang es ihm erstmals in Essen-Schönebeck, die Mergelschicht zu durchbrechen – ein entscheidender Schritt für den Zugang zu den tieferliegenden Kohleflözen.


Bei weiteren Probebohrungen in Katernberg stieß man auf ein besonders ergiebiges Kohlevorkommen. Dieses erhielt den Namen „Zollverein“ – eine Anlehnung an den 1833 gegründeten Deutschen Zollverein. Im Jahr 1847 gründete Haniel schließlich die bergrechtliche Gewerkschaft Zeche Zollverein und verteilte die Eigentumsanteile, sogenannte Kuxe, innerhalb seiner Familie. Ursprünglich wollte Haniel die neue Zeche direkt an die Sterkrader Werke anbinden und sie damit zur ersten Hüttenzeche des Ruhrgebiets machen. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch am Widerstand seiner Mitgesellschafter der Hüttengewerkschaft Jacobi, Haniel & Huyssen, dem späteren Konzern Gutehoffnungshütte.

Eine wichtige Rolle bei der Standortwahl spielte auch die Köln-Mindener Eisenbahn, deren Strecke ebenfalls 1847 eröffnet wurde und nördlich des Zechengeländes verläuft. Dadurch war der Anschluss an das moderne Transportmittel Eisenbahn von Beginn an gegeben. Das Gelände für die erste Schachtanlage stellte der an der Gewerkschaft beteiligte Grundbesitzer Schwartmann, genannt Bullmann, zur Verfügung – daher stammt auch der Name „Bullmannaue“, der heute noch die Zufahrt zur Anlage Schacht 1/2/8 kennzeichnet.

Nach über einem Jahrhundert Kohleförderung wurde der Betrieb am 23. Dezember 1986 eingestellt. Die Kokerei blieb noch bis 1993 in Betrieb. Während einige Schächte – insbesondere Schacht 2 und 12 – weiterhin zur Wasserhaltung genutzt werden, begann mit der Stilllegung eine neue Phase für das Gelände. Das Land Nordrhein-Westfalen übernahm das unter Denkmalschutz stehende Areal von der Ruhrkohle AG und ließ es umfassend sanieren. Die Bauhütte Zeche Zollverein Schacht XII GmbH führte diese Maßnahmen bis 1999 durch. In den Folgejahren übernahmen verschiedene Institutionen die Verantwortung für die Weiterentwicklung des Geländes. Seit 2008 liegt diese Aufgabe gebündelt bei der Stiftung Zollverein.


Ein bedeutender Meilenstein war die Aufnahme der Schachtanlagen 12 und 1/2/8 sowie der Kokerei Zollverein in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes am 14. Dezember 2001. Diese Auszeichnung markierte den Beginn einer umfassenden Umgestaltung des ehemaligen Industrieareals. Der niederländische Architekt Rem Koolhaas entwarf 2001/2002 mit seinem Büro OMA einen Masterplan zur Umnutzung des Geländes als Standort für Kultur, Bildung und Wirtschaft.

Heute ist die Zeche Zollverein nicht nur ein bedeutendes Industriedenkmal, sondern auch ein lebendiges Zentrum für Kunst, Kultur und Design. Die ehemalige Kohlenwäsche von Schacht 12 beherbergt das Besucherzentrum Ruhr sowie das Ruhr Museum. Das frühere Kesselhaus wurde durch den Architekten Norman Foster in das Red Dot Design Museum umgewandelt. Weitere Gebäude auf dem Gelände haben ebenfalls neue Nutzungen gefunden: In der ehemaligen Waschkaue von Schacht 1/2/8 ist heute das Tanz- und Choreographiezentrum PACT Zollverein untergebracht, das Maschinenhaus dient als Ausstellungsraum „Kunstschacht Zollverein“, und im alten Baulager ist seit 1987 die Keramische Werkstatt Margaretenhöhe ansässig. Auf dem Gelände von Schacht 3/7/10 lädt das Phänomania Erfahrungsfeld zum interaktiven Erleben naturwissenschaftlicher Phänomene ein.
So hat sich die Zeche Zollverein vom Symbol der Montanindustrie zu einem weltweit anerkannten Ort des kulturellen Wandels und der Erinnerungskultur entwickelt.
Infos für Besucher
Kokerei und Zeche Zollverein
UNESCO-Welterbe Zollverein, Areal, C, 45141 Essen
Koordinaten: 51°29’25.0″N 7°02’21.1″E
www.zollverein.de
