Museumsschiff U-Boot U-434

Foto: Thomas Dahlstrøm Nielsen/CC BY-SA 4.0
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Mitten in Hamburg liegt ein Relikt aus einer Zeit, in der sich Ost und West auf den Weltmeeren belauerten: das U-Boot U-434. Das ehemalige sowjetische U-Boot B-515 gehört zur Tango-Klasse und liegt heute als Museumsschiff am St. Pauli Fischmarkt. Was heute als ungewöhnliches Ausflugsziel besichtigt werden kann, war einst ein hochmodernes Jagd-, Patrouillen- und Aufklärungsboot der sowjetischen Marine. Das 1976 auf der Werft Krasnoje Sormowo im damaligen Gorki, dem heutigen Nischni Nowgorod, gebaute Boot entstand innerhalb von nur rund acht Monaten. Am 29. April 1976 lief es vom Stapel, Ende Dezember desselben Jahres wurde es in Dienst gestellt. Die NATO führte die U-Boote des Projekts 641B unter der Bezeichnung „Tango-Klasse“. Sie gehörten zu den größten konventionell angetriebenen U-Booten ihrer Zeit.

Foto: Carsten Wiehe/CC BY-SA 3.0
Foto: Carsten Wiehe/CC BY-SA 3.0

90 Meter Stahl für den Unterwasserkrieg

U-434 bringt gewaltige Dimensionen mit. Das Boot ist rund 90 Meter lang und mehr als acht Meter breit. Die Verdrängung lag je nach Betriebszustand bei rund 2.800 Tonnen über Wasser und mehr als 3.600 Tonnen unter Wasser. Als Antrieb dienten drei Dieselmotoren sowie mehrere Elektromotoren. Unter Wasser konnte das Boot Geschwindigkeiten von etwa 15 Knoten erreichen.

Die Konstruktion war konsequent auf einen möglichst langen Einsatz unter Wasser ausgelegt. Eine mehrere Zentimeter starke Gummibeschichtung sollte die Ortung durch gegnerisches Sonar erschweren. Gleichzeitig herrschten an Bord alles andere als komfortable Bedingungen. Nach Angaben der vorliegenden Quellen konnten während Tauchfahrten Temperaturen von mehr als 40 Grad Celsius erreicht werden, im Maschinenbereich sogar deutlich über 60 Grad.

Foto: Tony Webster from Portland/CC BY 2.0
Foto: Tony Webster from Portland/CC BY 2.0

Sechs Torpedorohre und ein klarer Auftrag

Die Bewaffnung machte das Boot zu einer ernstzunehmenden Waffe. Im Bug befanden sich sechs Torpedorohre mit einem Kaliber von 533 Millimetern. Je nach Einsatz konnten Torpedos, Raketentorpedos oder Minen mitgeführt werden. Insgesamt war eine Bewaffnung mit bis zu 24 Torpedos vorgesehen. Hinzu kamen leistungsfähige Sonar-, Radar- und elektronische Aufklärungssysteme. Die Tango-Klasse war damit nicht lediglich für klassische U-Boot-Jagd ausgelegt. Patrouillen, Aufklärung und die Überwachung gegnerischer Seeverbindungen gehörten ebenfalls zum Aufgabenspektrum. Für die sowjetische Marine waren solche Boote ein wichtiger Bestandteil der maritimen Strategie im Kalten Krieg.

Foto: Tony Webster from Portland/CC BY 2.0
Foto: Tony Webster from Portland/CC BY 2.0

B-515 auf Patrouille im Mittelmeer

Nach seiner Indienststellung wurde B-515 der sowjetischen Nordflotte zugeteilt. Zwischen 1980 und 1984 absolvierte das U-Boot mehrere Patrouillen im Mittelmeer. Im Oktober 1985 führte eine Reise das Boot zudem nach Havanna. Die Einsätze zeigen, dass das U-Boot weit über die unmittelbaren sowjetischen Küstengewässer hinaus eingesetzt wurde. Die Tango-Klasse war in der Endphase des Kalten Krieges ein bedeutender Bestandteil der sowjetischen Unterwasserstreitkräfte. Ende der 1980er-Jahre verfügte die Nordmeerflotte über zahlreiche Boote dieses Typs. Mit dem politischen und militärischen Wandel nach dem Ende der Sowjetunion begann jedoch auch der Rückzug dieser U-Boot-Klasse.

Foto: Tony Webster from Portland/CC BY 2.0
Foto: Tony Webster from Portland/CC BY 2.0

2002 endet der militärische Einsatz

1998 wurde B-515 in die Reserve versetzt. Im April 2002 endete schließlich der aktive Dienst. Damit war die militärische Laufbahn des U-Bootes nach rund einem Vierteljahrhundert beendet. Doch das Boot wurde nicht verschrottet. Investoren erwarben B-515 und bereiteten seine Überführung nach Deutschland vor. Der Transport nach Hamburg erfolgte nicht aus eigener Kraft, sondern im Schlepp. Während der Überführung beziehungsweise im Zusammenhang mit der Übergabe wurden zahlreiche militärische und geheimhaltungsrelevante Systeme ausgebaut.

Vom sowjetischen Kampfboot zum Museumsschiff

In Hamburg begann ein zweites Leben. Bei Blohm & Voss wurde das U-Boot für seine neue Aufgabe umgebaut. Unter anderem entstanden größere Öffnungen im Rumpf, damit Besucher das Schiff betreten und wieder verlassen können. Durch die Umbauten ist U-434 heute nicht mehr tauch- oder selbstständig fahrfähig. Zunächst lag das U-Boot in der Hamburger HafenCity. Seit April 2010 befindet es sich am St. Pauli Fischmarkt, unweit der Landungsbrücken. Dort kann die Öffentlichkeit einen ungewöhnlich unmittelbaren Eindruck vom Alltag an Bord eines konventionellen U-Bootes gewinnen.

Foto: Tony Webster from Portland/CC BY 2.0
Foto: Tony Webster from Portland/CC BY 2.0

Enge Gänge statt Hollywood-Kulisse

Der eigentliche Reiz des Museums liegt weniger in spektakulären Inszenierungen als in der Enge des Originals. Torpedoraum, Maschinenbereiche, Mannschaftseinrichtungen und Kommandozentrale vermitteln, unter welchen räumlichen Bedingungen die Besatzung ihren Dienst verrichten musste. Die Stadt Hamburg bezeichnet das Boot als eines der größten nichtnuklearen U-Boote, die heute als Museum zugänglich sind. Auch die offizielle Museumsseite stellt die Entwicklung der Tango-Klasse und den militärischen Hintergrund des Schiffes ausführlich dar.

Foto: Carsten Wiehe/CC BY-SA 3.0
Foto: Carsten Wiehe/CC BY-SA 3.0

U-434 bleibt ein Relikt des Kalten Krieges

Heute ist U-434 längst keine Waffe mehr. Gerade deshalb besitzt das Schiff einen besonderen historischen Wert. Der Stahlkörper am Hamburger Fischmarkt steht für eine Epoche, in der der Kalte Krieg nicht nur an Land und in der Luft, sondern auch unter Wasser ausgetragen wurde. Wer durch die engen Räume des ehemaligen B-515 geht, sieht nicht nur ein technisches Denkmal. Das U-Boot macht die Dimensionen des damaligen Wettrüstens greifbar: Jahrzehnte militärischer Konfrontation, aufwendige Unterwassertechnik und Einsätze weit entfernt von den eigenen Stützpunkten sind in diesem 90 Meter langen Stahlkörper bis heute sichtbar.

Foto: Werner Wilmes/CC BY 2.0
Foto: Werner Wilmes/CC BY 2.0

Aus einem sowjetischen Spionage- und Jagd-U-Boot wurde damit ein ungewöhnliches Hamburger Museumsschiff – und ein erhaltenes Zeugnis jener Zeit, in der die Tiefsee zu einem der unsichtbaren Schauplätze des Kalten Krieges wurde.

Infos für Besucher

U-Boot 434 – U-Bootmuseum Hamburg
St. Pauli Fischmarkt 10, 20359 Altona
https://www.u-434.de/de/u-boot_museum.html

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