VEB Strömungsmaschinen Pirna

Der Name VEB Strömungsmaschinen Pirna steht für ein ungewöhnliches Kapitel der DDR-Industriegeschichte. Ursprünglich als Teil des ostdeutschen Flugzeugbaus gegründet, entwickelte sich der Betrieb später zu einem bedeutenden Hersteller von Strömungsmaschinen, Gasturbinen und Kraftübertragungstechnik. Bis 1990 gehörte das Werk mit rund 2.000 Beschäftigten zu den größten Industriebetrieben Pirnas. Die Geschichte des Standortes begann Mitte der 1950er-Jahre. Ab 1954 entstand auf dem Sonnenstein das Werk 802, der spätere VEB Entwicklungsbau Pirna. Ziel war der Aufbau einer eigenen DDR-Luftfahrtindustrie.

Bereits 1956 lief das erste Strahltriebwerk „Pirna 014“ auf einem Prüfstand. Es war unter anderem für das geplante DDR-Verkehrsflugzeug „152“ vorgesehen. Die gewaltigen Motorenprüfstände prägten den Standort, sind heute allerdings nicht mehr erhalten.

Das Ende der DDR-Luftfahrt

Der ambitionierte Flugzeugbau der DDR fand jedoch bereits wenige Jahre später ein abruptes Ende. 1961 beschloss die DDR-Führung, die eigene Luftfahrtindustrie aufzulösen. Technische Schwierigkeiten, hohe Kosten und Probleme bei der Entwicklung des Flugzeugs „152“ hatten das Projekt zunehmend belastet. Für den Standort Pirna bedeutete dies nicht das Ende, sondern einen grundlegenden Wandel.

Neue Aufgabe für das Werk

Die vorhandenen Anlagen wurden nun für andere Produkte genutzt. Aus dem Entwicklungsbau entstand zunächst der VEB Gasturbinenbau und Energiemaschinenentwicklung Pirna. Produziert wurden unter anderem Gasturbinen, Strömungskupplungen und hydrodynamische Kraftübertrager. Diese Technik kam beispielsweise bei Lokomotiven, Förderanlagen und schweren Maschinen zum Einsatz. Damit wurde das ehemalige Flugzeugtriebwerkswerk zu einem wichtigen Zulieferer für verschiedene Bereiche der DDR-Industrie.

1970 entsteht der VEB Strömungsmaschinen Pirna

1970 erhielt der Betrieb seinen endgültigen Namen VEB Strömungsmaschinen Pirna. Er wurde Bestandteil des VEB Kombinat Kraftwerksanlagenbau. Das Produktionsprogramm war breit gefächert und technisch anspruchsvoll. Neben Strömungsgetrieben und -kupplungen gehörten auch Gasturbinen und weitere Anlagen zur Energie- und Kraftübertragung dazu. Ein Teil der Erzeugnisse wurde in zahlreiche Länder exportiert.

Ein bedeutender Arbeitgeber

Das Werk war längst mehr als eine Fabrik. Mit rund 2.000 Beschäftigten war es bis 1990 der zweitgrößte Industriebetrieb der Stadt. Für Pirna bedeutete der Betrieb Arbeitsplätze, Ausbildung und eine eigene industrielle Infrastruktur. Zum Werkskomplex gehörten neben Produktions- und Verwaltungsgebäuden auch technische Anlagen und Einrichtungen für die Beschäftigten. Teile des heutigen Stadtbildes rund um den Sonnenstein sind noch immer mit dieser Industriegeschichte verbunden.

Das Ende nach der Wiedervereinigung

Mit dem Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft verlor auch der Pirnaer Betrieb seine bisherigen Absatzstrukturen. 1990 wurde aus dem VEB die Strömungsmaschinen Pirna GmbH. Der Neustart unter marktwirtschaftlichen Bedingungen konnte den traditionsreichen Standort jedoch nicht dauerhaft retten. 1995 folgte die Insolvenz. Anschließend wurden große Teile des ehemaligen Werksgeländes abgebrochen. Auf Teilen des Areals entstand später das neue Klinikum Pirna, das 2007 eröffnet wurde.

Was vom Werk geblieben ist

Heute erinnert nur noch wenig an die gewaltige Industrieanlage. Einige Gebäude blieben erhalten, darunter das ehemalige Konstruktionsgebäude und das Speisehaus. Die markanten Prüfstände und große Teile der Produktionsanlagen sind dagegen verschwunden. Die Geschichte des VEB Strömungsmaschinen Pirna ist damit auch eine Geschichte des industriellen Wandels: Vom ehrgeizigen DDR-Flugzeugbau über hochspezialisierte Maschinen- und Energietechnik bis zum Zusammenbruch nach 1990.

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