Der VEB Strickwarenfabriken „Aktivist“ gehörte über Jahrzehnte zu den prägenden Textilbetrieben in Zwickau und Umgebung. In den Werkhallen entstanden Strick- und Wirkwaren für die DDR, aber auch für das Ausland. Heute erinnert in Oberplanitz kaum noch etwas an den einst großen Betrieb. Das Fabrikgelände wurde vollständig abgerissen. Die Geschichte des späteren VEB begann 1910 als Firma Junghans und Rößel in Zwickau-Planitz. Aus bescheidenen Anfängen mit wenigen Beschäftigten entwickelte sich die Strickerei rasch. Bereits 1914 arbeiteten dort mehr als 200 Menschen. In den 1920er-Jahren kamen weitere Fabrikgebäude hinzu.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Eigentümer im Zuge der Enteignungen vollständig enteignet. Aus den bisherigen Unternehmen entstanden zunächst mehrere volkseigene Betriebe.

1951 entsteht der „Aktivist“
1951 wurden zwei Planitzer Strickwarenbetriebe zum VEB Aktivist Zwickau zusammengeführt. Ab 1954 firmierte das Unternehmen offiziell als VEB Strickwarenfabriken „Aktivist“. Der Betrieb wurde dem staatlichen Wirtschaftszweig der Trikotagen- und Strumpfindustrie unterstellt. In den folgenden Jahrzehnten wuchs der Betrieb weiter. Mehrere Werke und Betriebsteile in Sachsen wurden dem Unternehmen angeschlossen – unter anderem in Treuen, St. Egidien, Schneeberg und Eibenstock. 1979 erfolgte die Einordnung in das VEB Kombinat Trikotagen Karl-Marx-Stadt.





Strickwaren für Millionen
Produziert wurden vor allem Ober- und Untertrikotagen, Kinderbekleidung und Badebekleidung. Zeitgenössische Aufnahmen zeigen die Konfektionsabteilungen und Beschäftigten bei der Herstellung von Kinderoberbekleidung. Das Bundesarchiv dokumentiert den Betrieb 1971 ausdrücklich als wichtigen Produzenten für die Versorgung der DDR-Bevölkerung. Die Erzeugnisse blieben zudem nicht ausschließlich in der DDR. Ein Teil der Produktion ging in andere sozialistische Staaten und wurde auch für Unternehmen in der Bundesrepublik gefertigt.


Ein großer Arbeitgeber der Region
„Aktivist“ war mehr als eine Produktionsstätte. Der Betrieb war Bestandteil des wirtschaftlichen und sozialen Lebens in Zwickau und seinen umliegenden Gemeinden. Mit der Eingliederung weiterer Werke entstand ein weit verzweigter Textilverbund. Auch in den erhaltenen Archivalien spiegelt sich die Größe des Unternehmens wider. Das Sächsische Staatsarchiv verwahrt umfangreiche Unterlagen zur Produktion, Rationalisierung und späteren Umstrukturierung des Betriebes.

Das Ende nach der Wende
Mit der deutschen Wiedervereinigung geriet die DDR-Textilindustrie massiv unter Druck. Der bisherige Absatzmarkt brach weg, während die Unternehmen plötzlich mit westlichen und internationalen Herstellern konkurrieren mussten. Im Zuge der Privatisierung wurde der VEB 1990 in mehrere Gesellschaften aufgeteilt. Für den Zwickauer Stammbetrieb entstand die MICADO Strickwaren GmbH. Doch auch diese Nachfolge konnte den Niedergang nicht verhindern. Um 2002 folgte die Insolvenz, 2004 kam endgültig das Aus.

2017 verschwindet die Fabrik
Die verlassenen Gebäude prägten anschließend noch Jahre das Bild von Oberplanitz. Doch die Zukunft des Geländes war besiegelt. 2017 begann der Komplettabriss der ehemaligen Strickwarenfabrik. Neben den Gebäuden mussten auch belastete Bodenbereiche saniert beziehungsweise ausgetauscht werden. Das rund 3,4 Hektar große Areal wurde schließlich vollständig beräumt. Im Juli 2018 meldete die Stadt Zwickau den Abschluss der Arbeiten.

Eine verschwundene Textilgeschichte
Mit dem Abriss des „Aktivisten“ verschwand ein markantes Kapitel der Zwickauer Industriegeschichte. Wo einst Maschinen ratterten und Tausende Kleidungsstücke gefertigt wurden, erinnert heute kaum noch etwas an die jahrzehntelange Textilproduktion. Der VEB Strickwarenfabriken „Aktivist“ steht damit beispielhaft für den Aufstieg der sächsischen Textilindustrie, ihre Bedeutung in der DDR und den tiefen Strukturbruch nach 1990.
