VEB Rewatex Berlin-Spindlersfeld

Über Jahrzehnte gehörte der VEB Rewatex zu den prägenden Industriebetrieben Ost-Berlins. In der riesigen Wäscherei wurden täglich gewaltige Mengen an Haushalts-, Hotel- und Berufswäsche gereinigt. Der Ursprung des Unternehmens reicht jedoch bis ins Jahr 1832 zurück – zu Wilhelm Spindler und seiner zunächst kleinen Wäscherei und Färberei in Berlin. Wilhelm Spindler gründete sein Unternehmen 1832 in Berlin. 1854 führte er als einer der ersten Anbieter in Deutschland die chemische Reinigung ein. 1873 verlagerte das Unternehmen seinen Hauptsitz an die Oberspree nach Köpenick. Aus der Fabrik entwickelte sich schließlich eine der größten Wäschereien Deutschlands.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen enteignet und in Volkseigentum überführt. Über verschiedene Zwischenstufen entstand zunächst der VEB Blütenweiß, ehe sich ab 1961 der Name VEB Vereinigte Wäschereien Berlin Rewatex durchsetzte.

Eine Wäscherei wird zum Kombinat

Rewatex wuchs in der DDR zu einem riesigen Dienstleistungsbetrieb heran. Zum 1. Juli 1981 entstand das VEB Kombinat Rewatex Berlin. Der Stammbetrieb in Spindlersfeld bildete das Zentrum des neuen Kombinats. Rund 4.500 Beschäftigte arbeiteten dort Ende der 1980er-Jahre. Die Dimensionen waren enorm: In den 1980er-Jahren wurden jährlich mehr als 45.000 Tonnen Schmutzwäsche gewaschen und weitere rund 17.000 Tonnen Textilien chemisch gereinigt. Moderne Wäschereitechnik und zunehmend computergestützte Abläufe sollten die riesigen Mengen bewältigen.

Auch ein dunkles Kapitel der DDR-Geschichte

Zur Geschichte von Rewatex gehört allerdings auch der Einsatz von Strafgefangenen. Im 1973 errichteten Frauengefängnis in der Grünauer Straße wurden Insassinnen für die Arbeit bei Rewatex eingesetzt. Sie mussten unter anderem Hotel- und Privatwäsche in einem Dreischichtsystem bearbeiten. Auch vietnamesische Vertragsarbeiter waren in den 1980er-Jahren im Rewatex-Kombinat beschäftigt.

Das Ende nach der Wende

Mit der deutschen Wiedervereinigung brach die wirtschaftliche Grundlage des Kombinats weg. Aus Rewatex wurde zunächst die Rewatex AG. 1992 übernahm die Kölner Larosé Hygiene-Service GmbH das Unternehmen. Doch der Standort Spindlersfeld konnte nicht dauerhaft erhalten werden. 1995 wurde der Betrieb in Spindlersfeld endgültig eingestellt. Danach begann der schrittweise Rückbau des gewaltigen Fabrikareals. Zahlreiche Gebäude wurden Anfang der 2000er-Jahre abgerissen. Einige historische Bauten blieben jedoch erhalten.

Spindlersfeld ohne Wäscherei

Heute erinnert vor allem die erhaltene historische Bausubstanz an die einstige Größe des Betriebes. Das große Hauptgebäude, Verwaltungsbauten, ein Schornstein sowie Teile der ehemaligen Arbeitersiedlung sind noch vorhanden und teilweise denkmalgeschützt. Der VEB Rewatex war weit mehr als eine Wäscherei. Er war ein industrielles Schwergewicht Ost-Berlins, ein Großarbeitgeber und zugleich ein Spiegelbild der DDR-Gesellschaft – einschließlich ihrer Schattenseiten. Mit dem Ende des Betriebes verschwand eine fast 170-jährige Berliner Unternehmensgeschichte.

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