Der VEB Modedruck Gera gehörte zu den wichtigen Textilbetrieben der DDR. In den Werkhallen wurden Stoffe veredelt, bedruckt und für die Bekleidungsindustrie vorbereitet. Zeitweise arbeiteten hier rund 2.200 Menschen. Heute erinnert nur noch wenig an den einst bedeutenden Betrieb, dessen Geschichte eng mit der jahrhundertealten Textiltradition Geras verbunden ist. Die industrielle Textilgeschichte Geras reicht weit ins 19. Jahrhundert zurück. Zahlreiche Webereien und Textilunternehmen prägten die Stadt und beschäftigten große Teile der Bevölkerung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich die Struktur grundlegend. Viele mittelständische Betriebe wurden verstaatlicht und später zu größeren volkseigenen Einheiten zusammengeführt. Auch der VEB Modedruck Gera entstand aus dieser Entwicklung.

Stoffe für die DDR-Mode
Der Betrieb konzentrierte sich auf die Verarbeitung und Veredelung von Textilien. Dazu gehörten unter anderem Oberbekleidungs- und Dekorationsstoffe sowie Gewirke und Gestricke. Wie umfangreich die Produktion war, zeigt ein Bericht aus dem Jahr 1984: An einer Maschine wurden pro Schicht rund 1.800 Meter Stoff behandelt. Auch Dederon-Gewebe gehörten zum Produktionsprogramm. Damit war Modedruck ein wichtiger Zulieferer für die DDR-Bekleidungsindustrie. Die Stoffe mussten nicht nur funktional sein – auch Farben, Muster und modische Gestaltung spielten eine Rolle.

Musterbücher erzählen die Geschichte
Heute sind vor allem die historischen Stoffmuster interessant. Das Museum für Angewandte Kunst Gera bewahrt Musterlaschen des VEB Modedruck aus den 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahren auf. Sie zeigen, wie sich Farben und Designs im Laufe der Jahrzehnte veränderten – und geben einen ungewöhnlich direkten Einblick in die textile Alltagskultur der DDR.

Anerkennung für die Qualität
Trotz der bekannten Probleme der DDR-Wirtschaft erreichte der Betrieb eine beachtliche Produktionsleistung. 1982 erhielt der VEB Modedruck Gera den Titel „Betrieb der ausgezeichneten Qualitätsarbeit“. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Unternehmen rund 2.200 Werktätige. Der Betrieb gehörte damit zu den größeren Arbeitgebern der Stadt und war zugleich ein wichtiger Bestandteil der Geraer Textilindustrie.

Das Ende nach der Wende
Mit dem Ende der DDR brach das bisherige Wirtschaftssystem zusammen. Der VEB wurde privatisiert und als Modedruck Gera GmbH weitergeführt. Doch der Neustart unter marktwirtschaftlichen Bedingungen scheiterte. Nach Angaben aus der Geraer Stadtgeschichte beantragte das Unternehmen 1997 die Gesamtvollstreckung. Das Inventar wurde schließlich im Januar 1999 versteigert. Ein Teil der ehemaligen Beschäftigten versuchte anschließend, die Produktion in kleinerer Form fortzuführen. Aus dem Umfeld des alten Betriebes entstand die MD Gera GmbH.

Vom Industriebetrieb zur verschwundenen Fabrik
Die ehemaligen Produktionsgebäude in Gera verschwanden in den folgenden Jahren weitgehend. Teile des Areals wurden abgerissen und neu entwickelt. Damit ging auch ein sichtbares Stück der Geraer Textilgeschichte verloren. Der VEB Modedruck Gera steht heute beispielhaft für den Aufstieg und Niedergang der ostdeutschen Textilindustrie: Aus einer traditionsreichen Branche wurde innerhalb weniger Jahre ein Relikt der Vergangenheit.
