Kühlschränke, Kompressoren und industrielle Kälteanlagen: Der VEB Kühlautomat Berlin gehörte zu den bedeutenden Spezialbetrieben der DDR. Was 1950 als vergleichsweise kleiner Betrieb für Reparatur und Wartung begann, entwickelte sich zu einem technologisch anspruchsvollen Unternehmen mit zeitweise rund 2.500 Beschäftigten. Am 5. April 1950 wurde der VEB Kühlautomat auf dem Gelände am Segelfliegerdamm in Berlin-Johannisthal gegründet. Die vorhandenen Gebäude wurden zunächst für Reparaturarbeiten und die Entwicklung von Gewerbekühlmöbeln genutzt. Schon bald begann der Betrieb jedoch mit der Entwicklung eigener Kompressoren für Kühlschränke.

Aus den bescheidenen Anfängen entwickelte sich innerhalb weniger Jahre ein großer Industriebetrieb. Ende 1957 beschäftigte der VEB bereits rund 1.000 Menschen. In seinen besten Zeiten arbeiteten dort bis zu 2.500 Beschäftigte.
Kühlschränke waren nur ein Teil des Programms
Der Name Kühlautomat täuscht etwas über die tatsächliche Bedeutung des Betriebes hinweg. Neben Haushaltskühlschränken entstanden Verdichter, Wärmeübertrager, Materialprüfkammern sowie komplette Kühlanlagen für Industrie, Handel, Fahrzeuge und Schiffe. Eine besondere Bedeutung gewann später die Entwicklung von Schraubenverdichtern. Diese Technik wurde unter anderem für Fischereischiffe, Kühlhäuser und industrielle Kälteanlagen eingesetzt. Bis 1978 hatten bereits mehr als 2.000 dieser Verdichter das Werk verlassen.

Kältetechnik für den Schiffbau
Der Betrieb war eng mit der DDR-Schiffbauindustrie verbunden. In den 1960er-Jahren wurde der VEB Kühlautomat der VVB Schiffbau zugeordnet und später Teil des Kombinats Schiffbau. Seine Anlagen kamen unter anderem auf Schiffen zum Einsatz. Damit entwickelte sich der Berliner Betrieb zu einem wichtigen Spezialisten für industrielle Kältetechnik und bediente auch Märkte innerhalb des sozialistischen Wirtschaftsraums.






Auch Dieselmotoren aus Johannisthal
Eine ungewöhnliche Erweiterung erfuhr das Produktionsprogramm durch die Zusammenlegung mit dem VEB Motorenwerk Johannisthal. Dadurch wurden in dem Betrieb zeitweise auch Zwölfzylinder-Dieselmotoren gefertigt. Diese Motoren kamen unter anderem bei Diesellokomotiven der Deutschen Reichsbahn und in Schiffen zum Einsatz.
Das Ende nach der Wende
Mit dem Ende der DDR geriet auch der Kühlautomat unter erheblichen Veränderungsdruck. 1990 wurde der VEB in die Kühlautomat Berlin GmbH umgewandelt. 1994 übernahm das niederländische Unternehmen Grasso, später Teil des GEA-Konzerns, den Betrieb. Die Produktion am traditionellen Standort in Johannisthal lief jedoch aus. 1996 verließen die letzten Beschäftigten das rund 18 Hektar große Werksgelände. Teile der Belegschaft wechselten nach Berlin-Reinickendorf, wo die Kältetechnik weitergeführt wurde.

Vom Industriewerk zum Lost Place
Nach der Stilllegung verfielen große Teile des Areals. Die ehemaligen Produktionshallen wurden zunehmend von Leerstand und Vandalismus geprägt. 2012 zerstörte ein Großbrand Teile des historischen Gebäudebestandes, darunter eine denkmalgeschützte Halle aus dem Jahr 1916. Damit verschwand ein bedeutender Teil der industriellen Vergangenheit Johannisthals. Gleichzeitig blieb die Geschichte des Unternehmens nicht vollständig ausgelöscht: Die technologische Entwicklung des VEB Kühlautomat wirkt über die Nachfolgeunternehmen bis heute in der industriellen Kältetechnik fort.

Ein vergessenes Kapitel Berliner Industriegeschichte
Der VEB Kühlautomat Berlin war weit mehr als ein Hersteller von Kühlschränken. Das Unternehmen entwickelte anspruchsvolle Verdichter- und Kältetechnik, belieferte den Schiffbau und war an technologischen Entwicklungen beteiligt, die über die DDR hinaus Bedeutung erlangten. Heute erzählen die verbliebenen Gebäude am Segelfliegerdamm von diesem Kapitel Berliner Industriegeschichte. Wo einst Maschinen liefen und Kältetechnik für Schiffe, Industrie und Haushalte entstand, herrschte später jahrelang Verfall.
