VEB Mühlenwerke Nordhausen

Die ehemalige Ellermühle in Krimderode steht beispielhaft für die lange Mühlentradition Nordhausens. Nach der Enteignung der Familie Jericho entstand 1953 aus dem traditionsreichen Familienbetrieb der VEB Mühlenwerke Nordhausen. Jahrzehntelang wurden hier Roggen und Weizen verarbeitet, bevor die Produktion nach der Wiedervereinigung endgültig zum Erliegen kam. Die Ellermühle gehörte über Generationen zur Familie Jericho. Der Standort entwickelte sich zu einer leistungsfähigen Getreidemühle, die weit über Nordhausen hinaus Bedeutung erlangte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden hier vor allem Roggen und Weizen sowie Kleie für Futtermittel verarbeitet. Auch der Nordhäuser Spirituosenhersteller Nordbrand wurde mit Roggenschrot beliefert – ein direkter Zusammenhang zwischen Mühlenbetrieb und der berühmten Nordhäuser Kornproduktion.

1953 wird die Mühle zum VEB

Der entscheidende Einschnitt kam 1953. Die Familie Jericho wurde enteignet, der Betrieb ging in Volkseigentum über und firmierte fortan als VEB Mühlenwerke Nordhausen. Die Kapazität wurde später auf rund 60 Tonnen Getreide pro Tag gesteigert. Damit war die Mühle Teil jener staatlich gelenkten Ernährungs- und Getreidewirtschaft, die die Versorgung der DDR-Bevölkerung sicherstellen sollte.

Vom Mahlbetrieb zum reinen Mühlenwerk

Bis in die 1960er-Jahre gehörte auch eine Bäckerei zum Betrieb. 1967 wurde der Backbetrieb eingestellt, nachdem in Nordhausen-Salza eine Konsum-Großbäckerei errichtet worden war. Die frei werdenden Kapazitäten konnten anschließend für die eigentliche Getreideverarbeitung genutzt werden. Die Mühle blieb damit ein wichtiger Bestandteil der regionalen Lebensmittelwirtschaft.

Eingebunden in die DDR-Wirtschaft

Archivunterlagen aus Nordhausen belegen, dass der VEB Mühlenwerke bereits in den 1950er- und 1960er-Jahren zu den kommunal beziehungsweise staatlich geführten Betrieben der Stadt gehörte. Übergeordnete Strukturen der Getreidewirtschaft bestimmten zunehmend die Organisation und Produktion. Der Betrieb war damit längst nicht mehr der unabhängige Familienbetrieb früherer Jahrzehnte.

Das Ende nach der Wende

Mit dem Ende der DDR kam auch für die Mühlenwerke der wirtschaftliche Umbruch. Der Betrieb wurde der Treuhandanstalt unterstellt. Unter den neuen Wettbewerbsbedingungen konnte der Standort nicht dauerhaft bestehen. Ende 1991 wurde die Produktion eingestellt. Damit endete die industrielle Nutzung der Ellermühle nach mehr als einem Jahrhundert. Nach der Stilllegung blieb das historische Gebäudeensemble erhalten. 2014 wurde eine Baugenehmigung für den Umbau der ehemaligen Mühle erteilt. Vorgesehen waren 42 Wohnungen im historischen Mühlengebäude und einem angrenzenden Neubau. Damit könnte aus dem ehemaligen Produktionsstandort langfristig ein neues Wohnquartier werden.

Ein Stück Nordhäuser Industriegeschichte

Der VEB Mühlenwerke Nordhausen steht für einen Wandel, der sich in vielen ostdeutschen Betrieben beobachten lässt: Aus einem über Generationen geführten Familienunternehmen wurde ein volkseigener Betrieb, bevor die staatliche Industrie nach 1990 ihre Grundlage verlor. Die alte Ellermühle erzählt damit nicht nur die Geschichte des Mahlens. Sie erzählt vom Ende eines Familienbetriebes, von der DDR-Planwirtschaft und vom schwierigen Übergang in eine neue Zeit.

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