Hinter dem Namen VEB Technotex verbarg sich kein klassisches Textilwerk, sondern ein Spezialbetrieb des DDR-Maschinenbaus. Das Unternehmen entwickelte und fertigte Maschinen, Anlagen und Rationalisierungsmittel für die Produktion technischer Textilien. Damit war Technotex ein wichtiges Zahnrad innerhalb der staatlich organisierten Textilmaschinenindustrie. Die Geschichte des Betriebes geht auf die Maschinenfabrik C. Oswald Liebscher in Karl-Marx-Stadt zurück. Nach der Ablösung der privaten Gesellschafter wurde das Unternehmen zum 1. Januar 1964 als VEB Maschinenfabrik Technotex, vormals Liebscher, in Volkseigentum überführt. Der Betrieb hatte seinen Sitz zunächst in der Wilhelm-Rabe-Straße 23.
Technotex unterstand zunächst der VVB Bastfaser, später der VVB Technische Textilien. Damit war das Unternehmen unmittelbar in die Entwicklung der DDR-Textilindustrie eingebunden.

Spezialist für technische Textilien
1969 erfolgte eine erneute Umstrukturierung. Aus dem Betrieb wurde der VEB Ingenieurbüro und Rationalisierungsmittelbau Technische Textilien Karl-Marx-Stadt. Die neue Ausrichtung verdeutlichte bereits, worum es ging: Technische Lösungen sollten die Produktion von Textilien effizienter und leistungsfähiger machen. 1979 wurde der Betrieb schließlich Kombinatsbetrieb des VEB Kombinat Technische Textilien Karl-Marx-Stadt. Das Kombinat entwickelte und produzierte unter anderem technische Textilien, Zelte, textile Verbandmittel, Schlafdecken und Reinigungstücher.

Technologischer Fortschritt aus Karl-Marx-Stadt
Eine besondere Rolle spielte Technotex bei der Entwicklung neuer Vliesstofftechnologien. In den 1980er-Jahren entstand gemeinsam mit Forschungseinrichtungen eine neuartige Anlage zur Herstellung von Vliesstoffen mittels Wasserstrahltechnik. In Wiesenbad wurde 1983 der Aufbau einer entsprechenden Produktionsanlage begonnen. 1984 ging dort die erste Wasserstrahllinie Europas in Betrieb. Das Verfahren wurde später unter dem Namen Norafin bekannt und entwickelte sich zu einem wichtigen Beispiel für die technologische Leistungsfähigkeit der DDR-Forschung und -Industrie. Auch die DDR-Presse berichtete 1987 ausführlich über die Zusammenarbeit von Technotex und dem Forschungsinstitut für Textiltechnologie bei der Entwicklung dieser Vliesstofftechnik.

Stammbetrieb des Kombinats
Eine besondere Bedeutung erhielt Technotex ab 1986. Der Betrieb wurde zum Stammbetrieb des VEB Kombinat Technische Textilien Karl-Marx-Stadt. Damit übernahm er nicht mehr nur eine Produktionsfunktion, sondern auch zentrale Aufgaben innerhalb des gesamten Kombinats. Der eigentliche Firmensitz befand sich seit 1970 in gemieteten Räumen in der Schulstraße 38 in Karl-Marx-Stadt.

Das Ende mit der DDR
Mit der deutschen Wiedervereinigung brach die bisherige Wirtschaftsstruktur zusammen. Das Kombinat Technische Textilien verlor zum 30. Juni 1990 seine Rechtsfähigkeit und wurde im Auftrag der Treuhand abgewickelt. Auch Technotex wurde neu organisiert. Mitte 1990 entstand aus dem VEB die Chemnitzer Spezialtextilmaschinenbau GmbH. Damit endete die Geschichte des volkseigenen Betriebes.

Ein unterschätztes Kapitel der DDR-Industrie
Der VEB Technotex steht für einen weniger bekannten Teil der DDR-Industriegeschichte. Während große Fabriken vor allem durch ihre Produkte bekannt waren, arbeiteten Betriebe wie Technotex im Hintergrund – sie entwickelten die Maschinen und Verfahren, mit denen andere Unternehmen produzieren konnten. Von der Maschinenfabrik Liebscher über den VEB Maschinenbau Technotex bis zum Stammbetrieb eines DDR-Kombinats erzählt der Betrieb die Geschichte eines hoch spezialisierten Maschinenbauers, dessen technische Entwicklungen teilweise weit über das Ende der DDR hinauswirkten.
