Panzerkaserne Forst Zinna

Nur wenige Kilometer nördlich von Kloster Zinna bei Jüterbog liegt eines der geschichtsträchtigsten Militärgelände Brandenburgs. Das ehemalige Lager Forst Zinna vereint die Geschichte der Wehrmacht, der sowjetischen Besatzungsmacht und der DDR auf einem Areal. Heute erinnern nur noch wenige erhaltene Gebäude an einen Standort, der über Jahrzehnte militärisch genutzt wurde und durch ein tragisches Zugunglück im Jahr 1988 bundesweit Schlagzeilen machte.

Lager III entstand im Zuge der deutschen Wiederaufrüstung

Im Rahmen der nationalsozialistischen Aufrüstung wurde 1934 am Rand des Truppenübungsplatzes Jüterbog ein neues Kasernenareal errichtet. Es ergänzte das bereits bestehende „Alte Lager“ und „Neue Lager“ und erhielt die Bezeichnung „Lager III“. Neben den Unterkunftsgebäuden entstanden ein eigenes Proviantlager sowie ein Bahnanschluss, um Material und Truppen schnell verlegen zu können.

Nach verschiedenen historischen Quellen gehörte die Schutzstaffel (SS) zu den ersten Nutzern des Geländes. Bereits ab 1935 nutzte die Artillerieschule Jüterbog das Lager zur Ausbildung und Aufstellung von Beobachtungsabteilungen für die Artillerie. Später kamen weitere militärische Ausbildungseinrichtungen hinzu, darunter der Lehrstab T für Fahrer von Kettenfahrzeugen sowie Einheiten zur Entwicklung und Ausbildung der neu eingeführten Sturmgeschütz-Waffe. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs waren zudem Teile der RAD-Infanterie-Division „Friedrich Ludwig Jahn“ auf dem Gelände stationiert.

Vom Internierungslager zur Kaderschmiede der DDR

Nach Kriegsende übernahm zunächst die sowjetische Besatzungsmacht das Gelände. Die ehemaligen Wehrmachtsanlagen dienten zunächst als Lager für sogenannte Displaced Persons (DP), in denen Menschen verschiedener Nationalitäten vor ihrer Rückführung in ihre Herkunftsländer untergebracht wurden. Ab 1947 erhielt ein Teil des Areals eine völlig neue Funktion. Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands richtete hier die Deutsche Verwaltungsakademie „Walter Ulbricht“ ein. Ziel war die Ausbildung der künftigen politischen und administrativen Führungskräfte der sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR.

Für die neue Akademie wurden ehemalige Kasernengebäude zu modernen Lehr- und Kulturstätten umgebaut. Kino, Theater, Sportanlagen und Restaurationsräume sollten optimale Studienbedingungen schaffen. Zu den bekanntesten Gestaltern gehörte der Bauhaus-Architekt Selman Selmanagić, der unter anderem die Inneneinrichtung und Möblierung der Akademie entwarf.

Rückkehr der Sowjetarmee und Aufbau einer autarken Garnison

Nach dem Umzug der Verwaltungsakademie nach Potsdam-Babelsberg übernahm die Sowjetarmee das Gelände erneut. In den folgenden Jahren entstand eine weitgehend eigenständige Garnison für ein Baubataillon. Das Militärgelände entwickelte sich zu einer kleinen abgeschlossenen Stadt mit Verwaltungsgebäuden, Werkstätten, Wirtschaftsgebäuden, einem Kino sowie sogar einem kleinen Zoo für die Angehörigen der Garnison. Jahrzehntelang blieb das Areal für die Öffentlichkeit unzugänglich.

Das schwere Zugunglück von Forst Zinna erschütterte die DDR

Internationale Bekanntheit erlangte Forst Zinna durch ein schweres Eisenbahnunglück am 19. Januar 1988. Während einer Ausbildungsfahrt verlor ein junger sowjetischer Panzerfahrschüler die Kontrolle über einen rund 36 Tonnen schweren Kampfpanzer vom Typ T-64A. Anstatt wie befohlen auf eine Brücke zum Übungsgelände abzubiegen, fuhr das Fahrzeug versehentlich geradeaus und blieb schließlich auf den Gleisen der Bahnstrecke Berlin–Halle stehen. Wenige Augenblicke später näherte sich der Schnellzug D 716 mit rund 450 Reisenden an Bord.

Der Zug prallte nahezu ungebremst auf den Panzer. Die Wucht des Aufpralls war enorm: Die Lokomotive entgleiste, überschlug sich und schob den Panzer noch mehr als 130 Meter vor sich her. Bei der Katastrophe kamen beide Lokführer sowie vier Reisende ums Leben. Weitere 33 Menschen wurden verletzt. Die Lokomotive sowie mehrere Reise- und Speisewagen waren derart zerstört, dass sie noch an der Unfallstelle verschrottet werden mussten.

Bemerkenswert war, dass die DDR-Medien ungewöhnlich offen über das Unglück berichteten – ein seltener Vorgang bei Zwischenfällen mit Beteiligung sowjetischer Streitkräfte. Selbst westdeutsche Fernsehsender griffen den Vorfall auf. Eine Schadensersatzforderung der Deutschen Reichsbahn in Millionenhöhe gegenüber der Sowjetarmee blieb jedoch ohne Erfolg. Das weitere Schicksal der beiden beteiligten Panzerbesatzungsmitglieder ist bis heute nicht bekannt.

Rückbau und Renaturierung prägen die Gegenwart

Mit dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte verlor Forst Zinna endgültig seine militärische Bedeutung. Seit 2007 werden große Teile der ehemaligen Garnison systematisch zurückgebaut. Zahlreiche Gebäude verschwanden im Zuge der Konversionsmaßnahmen, um die Flächen langfristig zu entsiegeln und zu renaturieren. Nur wenige Bauwerke erinnern heute noch an die militärische Vergangenheit. Besonders das ehemalige Proviantlager aus der Wehrmachtzeit mit seinen Speichergebäuden, der Lagerhalle sowie dem Pförtner- und Wohnhaus blieb erhalten und steht mittlerweile unter Denkmalschutz.

Ein bedeutendes Kapitel deutscher Militärgeschichte

Forst Zinna steht heute exemplarisch für die wechselvolle Geschichte vieler deutscher Militärstandorte. Vom Wehrmachtslager über eine politische Kaderschmiede der frühen DDR bis hin zur sowjetischen Garnison spiegelt das Gelände nahezu sämtliche politischen und militärischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts wider. Mit der fortschreitenden Renaturierung verschwindet zwar ein Großteil der baulichen Zeugnisse, die historische Bedeutung des Areals bleibt jedoch bis heute erhalten.

Hinweis

Aufgrund der Anzahl der Gebäude und deren positive und/oder negative Veränderungen der Bausubstanz im Laufe der Zeit, stellen einzelne Abbildungen (häufig) nicht den derzeitigen Zustand dar. Die Reihenfolge der Bilder ist keine Zeitreihenfolge.

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