Kaserne Krampnitz

Die ehemalige Kaserne Krampnitz am nordwestlichen Stadtrand von Potsdam gehört zu den größten Konversionsprojekten Deutschlands. Ursprünglich als Ausbildungsstätte der Wehrmacht errichtet, später fast fünf Jahrzehnte von der Sowjetarmee genutzt und anschließend jahrzehntelang dem Verfall überlassen, entsteht auf dem historischen Militärgelände heute ein komplett neuer Stadtteil. Die Entwicklung verlief jedoch keineswegs geradlinig: Politische Affären, millionenschwere Rechtsstreitigkeiten und Korruptionsvorwürfe verzögerten das Projekt über Jahre. Nun soll aus dem einstigen Sperrgebiet ein modernes Wohnquartier für rund 10.400 Menschen werden.

Von der Kavallerieschule zur modernen Panzerausbildung

Die Geschichte Krampnitz‘ begann im Jahr 1937, als die Kavallerieschule der Reichswehr von Hannover nach Potsdam-Krampnitz verlegt wurde. Parallel dazu entstand nach den Plänen des Berliner Architekten Robert Kisch eine moderne Kasernenanlage, die bereits zwei Jahre später fertiggestellt war. In der neuen Garnison wurden zunächst Reitlehrer für Kavallerie und Artillerie ausgebildet. Die Schule galt als eine der wichtigsten Ausbildungsstätten der Wehrmacht für berittene Truppen. Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs änderte sich jedoch ihre militärische Ausrichtung grundlegend.

Mit dem Wandel der Kriegsführung verlor die klassische Kavallerie zunehmend an Bedeutung. 1941 erhielt die Einrichtung den Namen „Schule für Schnelle Truppen“, ehe sie 1943 schließlich als „Panzertruppenschule II Krampnitz“ zu einer zentralen Ausbildungsstätte für Panzerverbände wurde. Dem Standort war Generaloberst Heinz Guderian unterstellt, der als einer der bedeutendsten Strategen der deutschen Panzerwaffe gilt.

Letzte Ausbildungsstätte vor der Schlacht um Berlin

Als sich die militärische Lage des Deutschen Reiches gegen Ende des Krieges dramatisch verschlechterte, wurden große Teile der Panzertruppenschule 1944 nach Norwegen verlegt. In Krampnitz verblieben lediglich die berittenen Ausbildungseinheiten. Gleichzeitig diente das Gelände zunehmend der Aufstellung und Ausbildung motorisierter Kampfverbände, die in den letzten Kriegsmonaten bei den Kämpfen um Berlin eingesetzt wurden. Mit dem Einmarsch der Roten Armee im Frühjahr 1945 endete die Nutzung durch die Wehrmacht.

Fast fünf Jahrzehnte sowjetische Garnison

Nach Kriegsende übernahm die Sowjetarmee den gesamten Standort und machte ihn zu einer ihrer wichtigsten Garnisonen in Brandenburg. Bis 1992 waren hier unter anderem die 93. Mechanisierte Brigade sowie die 10. Garde-Panzerdivision „Uralsko-Lwowskaja“ stationiert. Während dieser Zeit wurde die historische Kasernenanlage erheblich erweitert. Zahlreiche Unterkunftsgebäude, Wohnblöcke und Versorgungseinrichtungen entstanden, um den dauerhaft stationierten Soldaten und deren Familien ausreichend Platz zu bieten.

Über Jahrzehnte blieb Krampnitz ein streng abgeschottetes Militärgelände und war für die Öffentlichkeit unzugänglich.

Die „Krampnitz-Affäre“ erschüttert Brandenburg

Nach dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte begann die Suche nach einer zivilen Nachnutzung. Im Jahr 2008 verkaufte das Land Brandenburg das rund 75 Hektar große Gelände an die TG Potsdam Entwicklungsgesellschaft. Geplant war die Sanierung der denkmalgeschützten Kasernen sowie der Bau von insgesamt 1.651 Wohnungen. Doch aus dem ambitionierten Projekt entwickelte sich einer der größten politischen Immobilien-Skandale Brandenburgs.

Nachdem Medien 2010 über den Verkauf berichtet hatten, entstand der Verdacht, das Land habe die wertvolle Militärfläche weit unter ihrem tatsächlichen Marktwert veräußert. Zudem sollen andere Investoren beteiligt gewesen sein als ursprünglich gegenüber der Landesregierung dargestellt. Die sogenannte „Krampnitz-Affäre“ führte zu jahrelangen Ermittlungen, einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss sowie umfangreichen Gerichtsverfahren.

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

2016 erhob die Staatsanwaltschaft Potsdam Anklage gegen sechs Beschuldigte wegen des Verdachts der Untreue. Nach Auffassung der Ermittler sollen ehemalige Verantwortliche frühere Militärflächen deutlich unter ihrem tatsächlichen Wert verkauft und dem Land dadurch Millionenschäden zugefügt haben. Zu den Angeklagten gehörte unter anderem ein ehemaliger NVA-Offizier und früherer Geschäftsführer einer landeseigenen Entwicklungsgesellschaft. Die juristische Aufarbeitung zog sich über mehrere Jahre hin und verzögerte die Entwicklung des Geländes erheblich.

Neustart für eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Brandenburgs

Erst 2017 kam Bewegung in das Projekt. Nach einer Einigung zwischen dem Land Brandenburg, der Landeshauptstadt Potsdam und den bisherigen Eigentümern wurden sämtliche Kaufverträge rückabgewickelt. Anschließend übernahm die Deutsche Wohnen AG die Projektentwicklung und schuf damit die Grundlage für einen vollständigen Neustart. Im Mittelpunkt standen zunächst die denkmalgerechte Sanierung der historischen Kasernengebäude sowie die Erarbeitung eines neuen städtebaulichen Masterplans.

Ein neuer Stadtteil für mehr als 10.000 Menschen

Heute zählt Krampnitz zu den bedeutendsten Wohnungsbauprojekten Deutschlands. Auf dem ehemaligen Militärgelände entsteht schrittweise ein vollständig neuer Stadtteil mit Wohnraum für rund 10.400 Menschen. Neben modernen Wohnungen sollen Schulen, Kindertagesstätten, Einzelhandel, Freizeitangebote und großzügige Grünflächen entstehen. Das Konzept sieht einen weitgehend eigenständigen, lebendigen Stadtteil vor, der sämtliche Einrichtungen des täglichen Bedarfs miteinander verbindet und so kurze Wege ermöglicht.

Ein zentraler Bestandteil der Planungen ist zudem die Anbindung an das Potsdamer Straßenbahnnetz, wodurch das neue Quartier künftig direkt mit der Innenstadt verbunden werden soll.

Historische Militärarchitektur erhält eine neue Zukunft

Die Entwicklung des ehemaligen Kasernengeländes wird sich noch bis weit in die 2030er-Jahre erstrecken. Besonders in der ersten Hälfte des Jahrzehnts werden die höchsten Fertigstellungszahlen neuer Wohnungen erwartet. Parallel dazu werden zahlreiche denkmalgeschützte Gebäude saniert und in moderne Wohn- und Gewerbenutzungen integriert. Damit bleibt ein bedeutender Teil der historischen Militärarchitektur erhalten, während gleichzeitig neuer Wohnraum für eine wachsende Region geschaffen wird.

Krampnitz steht damit beispielhaft für den Wandel ehemaliger Militärstandorte: Aus einer traditionsreichen Wehrmachtskaserne und späteren sowjetischen Garnison entsteht Schritt für Schritt ein moderner Stadtteil, der Geschichte bewahrt und zugleich Raum für die Zukunft schafft.

Hinweis

Aufgrund der Anzahl der Gebäude und deren positive und/oder negative Veränderungen der Bausubstanz im Laufe der Zeit, stellen einzelne Abbildungen (häufig) nicht den derzeitigen Zustand dar. Die Reihenfolge der Bilder ist keine Zeitreihenfolge.

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