Freiherr-von-Fritsch-Kaserne

Die Freiherr-von-Fritsch-Kaserne im hannoverschen Stadtteil Bothfeld zählt zu den geschichtsträchtigsten ehemaligen Bundeswehrstandorten Niedersachsens. Ihre Vergangenheit reicht bis in die Zeit der nationalsozialistischen Aufrüstung zurück. Im Laufe von mehr als sechs Jahrzehnten diente das Areal unterschiedlichen militärischen Einheiten, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt und entwickelte sich später zu einem wichtigen Standort der Bundeswehr. Seit der Aufgabe im Jahr 2001 verfällt das weitläufige Gelände, während zahlreiche Pläne für eine Nachnutzung scheiterten. Nun soll das ehemalige Kasernenareal endgültig in ein modernes Wohnquartier umgewandelt werden.

Errichtet als Artilleriekaserne in der Zeit der Aufrüstung

Zwischen 1937 und 1939 entstand die Freiherr-von-Fritsch-Kaserne im Zuge des massiven Ausbaus der Wehrmacht als moderne Artilleriekaserne. Unmittelbar gegenüber wurde ein großer Standortübungsplatz angelegt, der bis heute militärisch genutzt wird. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs war auf dem Gelände die Flakstammbatterie des 7. Flakregiments stationiert. Die Kaserne spielte damit eine wichtige Rolle bei der Ausbildung und Unterbringung von Flakverbänden, die zur Luftverteidigung des Deutschen Reiches eingesetzt wurden.

Schwere Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg

Im Jahr 1943 traf ein alliierter Luftangriff auch die Kasernenanlage. Große Teile der Gebäude wurden zerstört oder schwer beschädigt. Nach Kriegsende erfolgte zunächst ein provisorischer Wiederaufbau, bevor zahlreiche Gebäude in den folgenden Jahren durch Neubauten ersetzt wurden. Die Nachkriegszeit brachte jedoch zunächst eine völlig andere Nutzung mit sich: Bis Ende der 1960er-Jahre dienten die Gebäude als Unterkunft für Vertriebene, Flüchtlinge und Aussiedler, die infolge des Krieges ihre Heimat verloren hatten.

Bundeswehr nutzt den Standort über mehrere Jahrzehnte

Mit dem Aufbau der Bundeswehr erhielt die Kaserne erneut eine militärische Aufgabe. Im Jahr 1960 zog das Artillerieregiment 1 mit seinem Stab sowie dem Feldartilleriebataillon 11 auf das Gelände ein. In den folgenden Jahrzehnten wechselten mehrfach die stationierten Verbände. Zwischen 1972 und 1977 war das Versorgungs- und Nachschubbataillon 1 in der damaligen „Flak-Kaserne“ untergebracht. Später nutzte unter anderem das Heeresmusikkorps 1 den Standort, das 1992 nach Bothfeld verlegt wurde.

Damit blieb die Freiherr-von-Fritsch-Kaserne bis zum Beginn des neuen Jahrtausends ein fester Bestandteil der militärischen Infrastruktur Hannovers.

Aufgabe des Standorts und neue Nutzung als Übungsgelände

Im Jahr 2001 endete die militärische Nutzung endgültig. Kurz zuvor hatte das Gelände während der Weltausstellung EXPO 2000 noch eine besondere Aufgabe übernommen: Polizei und Bundesgrenzschutz nutzten die Gebäude als Unterkunft für ihre Einsatzkräfte. Nach der Schließung entwickelte sich das verlassene Kasernenareal zu einem realitätsnahen Trainingsgelände. Spezialeinsatzkommandos (SEK), Polizei, Bundesgrenzschutz beziehungsweise Bundespolizei sowie das Technische Hilfswerk (THW) führten hier regelmäßig Übungen in den leerstehenden Gebäuden durch.

Mehrere Großprojekte scheiterten

Die Zukunft der rund 26,5 Hektar großen Fläche blieb über viele Jahre ungewiss. Mehrfach versuchten Investoren, das Gelände zu entwickeln. Ein erster Verkauf an eine deutsch-israelische Investorengruppe scheiterte nach deren Insolvenz. Anschließend übernahm die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben das Grundstück erneut und suchte nach neuen Käufern.

Auch ehrgeizige Pläne der Berliner Ingenieurgesellschaft IGP, auf dem rund 260.000 Quadratmeter großen Gelände eine neue Wohnsiedlung mit Reihen- und Einfamilienhäusern zu errichten, konnten letztlich nicht umgesetzt werden. Das unter dem Namen „Gartenstadt Hannover-Nord“ vorgestellte Projekt stieß zwar zunächst auf großes Interesse, verschwand jedoch schließlich in der Schublade.

Brandstiftung auf dem verlassenen Kasernengelände

Wie viele aufgegebene Militärstandorte blieb auch die Freiherr-von-Fritsch-Kaserne nicht von Vandalismus verschont. Im Juni 2018 brach in einem leerstehenden Unterkunftsgebäude ein Feuer aus. Die Ermittlungen ergaben, dass der Brand vorsätzlich gelegt worden war. Die Feuerwehr konnte die Flammen jedoch schnell unter Kontrolle bringen und verhindern, dass das Feuer auf weitere Gebäude übergriff. Personen kamen dabei nicht zu Schaden.

Neues Wohnquartier soll das Militärgelände ersetzen

Mit dem Erwerb des Geländes durch die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG) erhielt die Entwicklung schließlich neuen Schwung. Das Unternehmen plant Investitionen in Höhe von rund 40 Millionen Euro, um auf dem ehemaligen Kasernengelände ein vollständig neues Wohngebiet entstehen zu lassen. Geplant sind insgesamt 575 Wohnungen, zwei Kindertagesstätten sowie Flächen für Einzelhandel und Nahversorgung. Bevor die Bauarbeiten beginnen können, muss das Gelände allerdings umfassend auf mögliche Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg untersucht und geräumt werden.

Mit der geplanten Umwandlung endet die über 80-jährige Geschichte der Freiherr-von-Fritsch-Kaserne als Militärstandort. An ihre Stelle soll künftig ein modernes Wohnviertel treten, das den lange brachliegenden Bereich im Norden Hannovers nachhaltig neu belebt.

Hinweis

Aufgrund der Anzahl der Gebäude und deren positive und/oder negative Veränderungen der Bausubstanz im Laufe der Zeit, stellen einzelne Abbildungen (häufig) nicht den derzeitigen Zustand dar. Die Reihenfolge der Bilder ist keine Zeitreihenfolge.

Sie haben aktuelle Informationen zum Objekt? Dann schreiben Sie diese gerne (mit Quellenangabe) in die Kommentare. Oder kontaktieren Sie uns unter kontakt@rottenplaces.de.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert