Wo einst das Heeresunterstützungskommando der Bundeswehr logistische Großverbände koordinierte, bestimmen heute leerstehende Gebäude, Vandalismus und Verfall das Bild. Die ehemalige Niederrheinkaserne in Mönchengladbach zählt zu den markanten Konversionsflächen Nordrhein-Westfalens. Seit der Auflösung des militärischen Standorts Anfang der 2000er Jahre scheiterten zahlreiche Nachnutzungskonzepte – das rund zehn Hektar große Gelände wartet bis heute auf eine endgültige Zukunft.
Schlüsselstandort der Bundeswehr nach dem Kalten Krieg
Mit der Neustrukturierung der Bundeswehr nach dem Ende des Kalten Krieges wurde das Heeresunterstützungskommando (HUKdo) zum 1. Januar 1995 in der Niederrheinkaserne in Mönchengladbach aufgestellt. Die Dienststelle entstand im Rahmen der Heeresstruktur 5 (N) und übernahm zentrale Aufgaben bei der materiellen und logistischen Unterstützung des Heeres. Dem Kommando unterstanden unter anderem das Materialamt des Heeres, die Zentrale Militärkraftfahrtstelle sowie die Logistikbrigaden 1, 2 und 4. Ergänzt wurde die Führungsstruktur zunächst durch die Sanitätsbrigade 1. Damit entwickelte sich die Kaserne zu einem wichtigen Baustein der militärischen Logistik der Bundeswehr.

Umzug nach Koblenz leitete das Ende des Standorts ein
Bereits zum Jahresbeginn 2000 verlegte das Heeresunterstützungskommando seinen Sitz in die Rhein-Kaserne nach Koblenz. Mit diesem Schritt verlor der Standort Mönchengladbach zunehmend an Bedeutung. Ein Jahr später wechselte die Sanitätsbrigade 1 zum Sanitätsführungskommando. Die verbliebenen Dienststellen wurden schrittweise neu organisiert, ehe das Heeresunterstützungskommando am 30. September 2002 offiziell außer Dienst gestellt wurde.
Aus Teilen des Kommandos und des Materialamtes entstand anschließend das Logistikzentrum des Heeres in Bad Neuenahr. Die bisherigen Logistikbrigaden wurden verschiedenen Kommandobehörden der Bundeswehr zugeordnet. Gleichzeitig übernahm das Heeresamt verbliebene Aufgaben im Bereich Rüstung und Materialmanagement.


Leerstand, Metalldiebstahl und Vandalismus prägen das Gelände
Mit dem Ende der militärischen Nutzung begann der langsame Niedergang der ehemaligen Kaserne. Die Gebäude blieben ungenutzt und verfielen zusehends. Über Jahre hinweg verschafften sich Metalldiebe Zugang zu den Gebäuden und entfernten große Teile der technischen Infrastruktur. 2013 legten Unbekannte sogar eine Mobilfunkanlage auf dem Gelände lahm. Der Betreiber reagierte mit einer Strafanzeige und engagierte einen privaten Sicherheitsdienst, um weitere Schäden zu verhindern.
Trotz des fortschreitenden Verfalls blieb das Areal nicht vollständig ungenutzt. Polizei, Spezialeinsatzkommandos und andere Einsatzkräfte nutzten die leerstehenden Gebäude regelmäßig für realitätsnahe Einsatz- und Zugriffstrainings.

Zahlreiche Investoren – doch keine Lösung
Mehrfach gab es Pläne, die ehemalige Kaserne einer neuen Nutzung zuzuführen. Bereits 2004 wollte ein Investor die verkehrsgünstige Lage an der Autobahn A52 nutzen und einen Autohof mit ergänzendem Einzelhandel, Spielcasino und weiteren Gewerbeflächen errichten. Das Projekt scheiterte jedoch bereits in einer frühen Planungsphase, da sich Stadt und Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) nicht auf ein gemeinsames Konzept verständigen konnten. Auch die Idee, auf dem Gelände ein neues Polizeipräsidium zu errichten, wurde letztlich verworfen.



Gewerbestandort statt Wohngebiet
Ende 2013 zeigten schließlich ein Heizungs- und Sanitärgroßhandel sowie ein Abschleppunternehmen Interesse an der Liegenschaft. Beide Unternehmen planten, ihre bislang auf mehrere Standorte verteilten Betriebsflächen an einem zentralen Standort zusammenzuführen. Nach den bisherigen Planungen soll künftig rund zwei Drittel der Fläche gewerblich genutzt werden. Einzelhandel, Vergnügungsstätten oder Wohnbebauung bleiben hingegen ausgeschlossen. Das verbleibende Drittel des Geländes soll dauerhaft als Ausgleichs- und Naturschutzfläche erhalten bleiben und an das bestehende Landschaftsschutzgebiet anschließen.

Zwischen Vergangenheit und Zukunft
Die ehemalige Niederrheinkaserne steht exemplarisch für zahlreiche Bundeswehrstandorte, die nach der Wiedervereinigung aufgegeben wurden. Während ihre militärische Bedeutung längst Geschichte ist, wartet das Gelände noch immer auf eine nachhaltige Nachnutzung. Bis dahin bleibt die einstige Kommandozentrale ein stilles Relikt der Bundeswehrreformen und ein eindrucksvolles Zeugnis des Strukturwandels ehemaliger Militärliegenschaften.
Hinweis
Aufgrund der Anzahl der Gebäude und deren positive und/oder negative Veränderungen der Bausubstanz im Laufe der Zeit, stellen einzelne Abbildungen (häufig) nicht den derzeitigen Zustand dar. Die Reihenfolge der Bilder ist keine Zeitreihenfolge.
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