Löwen-Adler-Kaserne

Die ehemalige Löwen- und Adler-Kaserne in Döberitz zählt zu den geschichtsträchtigsten Militärstandorten Deutschlands. Gegenüber dem Olympischen Dorf gelegen, war das Areal über Jahrzehnte Schauplatz bedeutender militärischer Entwicklungen – vom Kaiserreich über die Zeit des Nationalsozialismus bis hin zur Nutzung durch die Sowjetarmee. Heute erinnern nur noch wenige Gebäude an die einst riesige Garnison, während große Teile des Geländes renaturiert wurden und als Naturschutzgebiet dienen.

Entstehung der monumentalen Kasernenanlage

Die Löwen- und Adler-Kaserne entstand zwischen 1935 und 1936 im Zuge der massiven Aufrüstung des Deutschen Reiches. Einzelne Gebäudeteile wurden bis 1940 fertiggestellt. Ihren Namen verdankten beide Kasernen den markanten Tierplastiken an den Haupteingängen – einem Löwen und einem Adler. Während die Löwen-Kaserne vor allem das Infanterie-Lehrregiment beherbergte, dienten die Gebäude der Adler-Kaserne den bespannten Truppenteilen. Gemeinsam bildeten sie einen der wichtigsten Ausbildungs- und Stationierungsorte der Wehrmacht im Raum Berlin.

Döberitz – Wiege der deutschen Militärluftfahrt

Bereits ab 1910 erhielt der Standort eine zusätzliche militärische Bedeutung. Mit dem Bau des Flugplatzes Döberitz und einer angeschlossenen Fliegerschule entstand hier einer der ersten militärischen Flugplätze Deutschlands. Die Fliegertruppe unterstand zunächst dem Heer und entwickelte sich später zu den deutschen Luftstreitkräften. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb der Flugplatz militärisch bedeutsam. Die sowjetischen Streitkräfte nutzten ihn bis 1960 weiter, bevor technische Mängel zur Stilllegung führten und der Flugbetrieb nach Oranienburg verlegt wurde.

Truppenübungsplatz für moderne Kriegsführung

Der weitläufige Truppenübungsplatz Döberitz galt aufgrund seines sandigen Heidebodens als ideales Gelände für die Ausbildung moderner Panzerverbände. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden hier zahlreiche Eliteeinheiten aufgestellt und ausgebildet.

Unter anderem entstand auf dem Gelände das Panzerkorps „Großdeutschland“. Ebenso wurden Piloten und Fallschirmjäger auf dem benachbarten Flugplatz geschult. Im Jahr 1936 wurde außerdem das Regiment „General Göring“ in Döberitz aufgestellt. Zu den letzten militärischen Verbänden, die hier formiert wurden, gehörte im März 1945 die Infanterie-Division „Potsdam“, die noch kurz vor Kriegsende in den Kampf um Berlin geschickt wurde.

Kriegsgefangenenlager und militärischer Ausbau

Bereits während des Ersten Weltkriegs spielte Döberitz eine wichtige Rolle. Am westlichen Rand des Truppenübungsplatzes entstand ein großes Kriegsgefangenenlager, das ab 1915 erheblich erweitert wurde. Bis zum Kriegsende waren dort mehr als 30.000 Gefangene aus sieben Nationen interniert.

Auch nach 1918 blieb das Gelände militärisch genutzt. Neben der Reichswehr trainierten hier Verbände der sogenannten Schwarzen Reichswehr sowie verschiedene nationalistische Organisationen. Während der NS-Zeit wurde der gesamte Standort kontinuierlich erweitert und modernisiert.

Rolle während des Attentats vom 20. Juli 1944

Bundesweite Bekanntheit erlangte die Kaserne im Zusammenhang mit dem Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944. Einheiten eines dem militärischen Widerstand nahestehenden Regiments besetzten zeitweise die beiden Funkhäuser auf dem Gelände. Ihr Ziel war es, die regimetreue Rundfunkübertragung zu unterbrechen und den Staatsstreich zu unterstützen. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch. Die nationalsozialistische Führung konnte den Sendebetrieb aufrechterhalten und das Scheitern des Umsturzversuchs unmittelbar im gesamten Reich verbreiten.

Jahrzehnte sowjetischer Militärstandort

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Gelände zunächst als Flüchtlingslager genutzt. Bereits 1947 übernahm jedoch die Rote Armee die gesamte Liegenschaft. Während der folgenden Jahrzehnte entwickelte sich Döberitz zu einem der größten sowjetischen Militärstandorte in Brandenburg.

Zeitweise waren bis zu 20.000 Soldaten auf dem Areal stationiert. Erst mit dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte im Jahr 1992 endete die fast ein Jahrhundert andauernde militärische Nutzung des Standortes.

Abriss, Renaturierung und Naturschutz

Nach dem Abzug der Truppen befanden sich viele Kasernengebäude überraschend in einem guten baulichen Zustand. Zeitweise wurde sogar eine Nachnutzung durch die Bundeswehr geprüft. Diese Pläne scheiterten jedoch an den enormen Kosten für die Beseitigung von Altlasten und der starken Belastung des Bodens. Ab 1994 begann die schrittweise Entkernung und der Rückbau der Gebäude. Erhaltenswerte Bauwerke wurden gesichert, der überwiegende Teil der Kaserne jedoch abgerissen. Auf den frei gewordenen Flächen entstanden neue Wohngebiete, deren Straßenverläufe sich teilweise noch am historischen Grundriss der ehemaligen Garnison orientieren.

Auch der frühere Flugplatz verschwand vollständig. Im Zuge umfangreicher Renaturierungsmaßnahmen wurden bis zum Jahr 2000 sämtliche verbliebenen Flugplatzanlagen entfernt.

Döberitzer Heide als Naturparadies

Aus dem einstigen militärischen Sperrgebiet entwickelte sich in den vergangenen Jahrzehnten eines der bedeutendsten Naturschutzprojekte Brandenburgs. Bereits 1997 wurde die Döberitzer Heide unter Schutz gestellt. Das ehemalige Übungsgelände ist heute von Wanderwegen durchzogen und bietet zahlreichen seltenen Tier- und Pflanzenarten einen geschützten Lebensraum.

Seit 2004 bewirtschaftet die Heinz-Sielmann-Stiftung weite Teile des ehemaligen Flugplatzes als Wildnisgebiet. Wisente, Przewalski-Pferde und Rotwild prägen inzwischen das Landschaftsbild und machen die Döberitzer Heide zu einem einzigartigen Beispiel erfolgreicher Renaturierung ehemaliger Militärflächen.

Die Löwen- und Adler-Kaserne in Döberitz steht exemplarisch für den tiefgreifenden Wandel ehemaliger Militärstandorte in Deutschland. Einst Ausbildungsstätte der Wehrmacht, später einer der größten sowjetischen Militärstützpunkte und heute Teil eines bedeutenden Naturschutzgebietes, vereint das Gelände deutsche Militärgeschichte mit erfolgreicher Landschaftsentwicklung. Obwohl von der einst monumentalen Garnison nur noch wenige bauliche Zeugnisse erhalten sind, bleibt Döberitz ein bedeutender Erinnerungsort an die wechselvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Hinweis

Aufgrund der Anzahl der Gebäude und deren positive und/oder negative Veränderungen der Bausubstanz im Laufe der Zeit, stellen einzelne Abbildungen (häufig) nicht den derzeitigen Zustand dar. Die Reihenfolge der Bilder ist keine Zeitreihenfolge.

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