Militärflugplatz Eschborn

Mitten zwischen Eschborn und Schwalbach am Taunus, unweit der heutigen Waldparklandschaft Arboretum, liegt ein weitgehend vergessenes Kapitel deutscher Luftfahrtgeschichte. Der ehemalige Militärflugplatz Frankfurt-Sossenheim, der während seiner militärischen Nutzung den Tarnnamen „Schafweide“ trug und heute häufig als Militärflugplatz Eschborn bezeichnet wird, entstand in den 1930er Jahren im Zuge der Aufrüstung des Deutschen Reiches. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten ihn die US-Streitkräfte, bevor das Gelände schließlich unter Denkmalschutz gestellt wurde. Heute wartet das Areal noch immer auf eine neue Zukunft.

Geheimer Luftwaffenstandort entstand vor dem Zweiten Weltkrieg

Der Flugplatz wurde im Rahmen der geheimen Wiederaufrüstung des Deutschen Reiches errichtet und war vergleichsweise schlicht ausgestattet. Statt einer befestigten Start- und Landebahn verfügte der Standort lediglich über eine Graspiste, die regelmäßig von Schafen kurz gehalten wurde – ein Detail, das dem Flugplatz seinen Tarnnamen „Schafweide“ einbrachte. Auf dem Gelände entstanden fünf massive Flugzeughangars aus Stein sowie mehrere Baracken für die Kommandantur und das Personal. Das Flugbenzin wurde in unterirdischen Tanks gelagert. Zusätzlich verfügte der Flugplatz über einen Schießstand, auf dem Bordkanonen von Militärflugzeugen eingeschossen und justiert werden konnten.

Ausbildung für Lastensegler stand im Mittelpunkt

Während des Zweiten Weltkriegs diente der Flugplatz vor allem der Ausbildung von Piloten für Lastensegler. Diese lautlosen Flugzeuge spielten bei militärischen Spezialoperationen eine wichtige Rolle, da sie Soldaten, Waffen und Material hinter feindlichen Linien absetzen konnten. Ab 1941 wurden die ersten Segelflugverbände nach Eschborn verlegt. Ein geplanter weiterer Ausbau des Flugplatzes wurde jedoch noch im selben Jahr gestoppt. Die Luftwaffe konzentrierte ihre Investitionen stattdessen auf den Ausbau des Rhein-Main-Flughafens, der für die Kriegsführung als wichtiger eingestuft wurde.

Bombenangriff beendete die militärische Nutzung

Am 15. August 1944 wurde der Flugplatz bei einem alliierten Luftangriff schwer beschädigt. Die Zerstörungen waren so erheblich, dass eine weitere Nutzung durch die Luftwaffe praktisch ausgeschlossen war. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahmen die amerikanischen Streitkräfte das Gelände und richteten den Flugplatz für eigene Zwecke wieder her.

Amerikaner machten den Flugplatz zum Ausweichstandort

Da der Frankfurter Rhein-Main-Flughafen nach Kriegsende stark beschädigt war, nutzten die US-Streitkräfte den Flugplatz Eschborn vorübergehend als Ausweichflugplatz. Tausende deutsche Kriegsgefangene wurden eingesetzt, um das Gelände instand zu setzen und eine rund 1.600 Meter lange Start- und Landebahn anzulegen. Neben der militärischen Nutzung entstand auf Teilen des Geländes zwischen 1948 und 1970 eine Überseefunkstelle der Deutschen Bundespost, die internationale Funkverbindungen sicherstellte.

Eisenhower und prominente Gefangene nutzten den Flugplatz

Der Flugplatz spielte auch in den ersten Nachkriegsjahren eine besondere Rolle. General Dwight D. Eisenhower, Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte, nutzte den Flugplatz regelmäßig für Starts und Landungen während seiner Aufenthalte im nahegelegenen Kronberg. Darüber hinaus wurden über den Flugplatz hochrangige Vertreter des ehemaligen NS-Regimes zu Verhören in amerikanische Geheimdienstzentren nach Oberursel und Kronberg transportiert.

Nach dem Abzug der US-Armee begann der Verfall

Mit dem Abzug der letzten amerikanischen Einheit im Jahr 1991 ging das Gelände an den Bund über. Große Bereiche wurden anschließend unter Naturschutz gestellt, während auf einem Teil Gewerbeflächen entstanden. Nur einer der ursprünglich fünf Flugzeughangars blieb erhalten. Aufgrund seiner freitragenden Dachkonstruktion gilt das Gebäude heute als bedeutendes technisches Denkmal der Industrie- und Luftfahrtgeschichte. Das weitläufige Gelände diente in den folgenden Jahren unter anderem der GSG 9 und dem Technischen Hilfswerk als Übungsareal.

Denkmalgeschütztes Areal wartet auf neue Nutzung

Seit 2010 steht der ehemalige Militärflugplatz offiziell unter Denkmalschutz. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) verwaltet das Gelände und bemüht sich seit Jahren um einen Verkauf. Nach Einschätzung der Denkmalbehörden ist eine gewerbliche Nutzung grundsätzlich möglich, sofern die historische Bausubstanz erhalten bleibt. Dennoch ist bislang keine umfassende Nachnutzung umgesetzt worden. Große Teile des ehemaligen Flugplatzes liegen weiterhin brach und sind zunehmend vom Verfall geprägt. Bereits 2010 setzte sich die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald gemeinsam mit Denkmalschützern dafür ein, den historischen Standort als nationales Kulturdenkmal stärker in den Fokus zu rücken.

Militärflugplatz bleibt bedeutendes Zeugnis

Der ehemalige Militärflugplatz Eschborn vereint zahlreiche Kapitel deutscher Geschichte auf engem Raum. Von der geheimen Wiederaufrüstung der Luftwaffe über die Ausbildung von Lastenseglerpiloten und die Nutzung durch die US-Streitkräfte bis hin zum heutigen denkmalgeschützten Areal erzählt das Gelände von den politischen und militärischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts. Obwohl viele Gebäude verschwunden sind, erinnert insbesondere der erhaltene Hangar bis heute an die einstige Bedeutung des Standorts und macht den ehemaligen Flugplatz zu einem wichtigen Denkmal der deutschen Luftfahrt- und Militärgeschichte.

Hinweis

Aufgrund der Anzahl der Gebäude und deren positive und/oder negative Veränderungen der Bausubstanz im Laufe der Zeit, stellen einzelne Abbildungen (häufig) nicht den derzeitigen Zustand dar. Die Reihenfolge der Bilder ist keine Zeitreihenfolge.

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