Am Rand des Lützener Ortsteils Röcken befindet sich mit der ehemaligen Kieswäsche ein heute weitgehend verfallener Zeuge der regionalen Industriegeschichte. Die Anlage entstand im Zusammenhang mit dem Braunkohlebergbau und diente dazu, das beim Tagebau gewonnene Kies- und Sandmaterial maschinell aufzubereiten. Heute wird der Standort als Ruine geführt. In den 1920er-Jahren wurde zwischen Gostau und Röcken Braunkohle abgebaut. Bei der Erschließung des Tagebaus stieß man zugleich auf eine ergiebige Kiesader. Die Werschen-Weißenfelser-Braunkohlen AG errichtete daraufhin nahe dem Bahnhof Röcken eine Kieswasch- und Verladeanlage.
Dort wurden unterschiedliche Sorten von Sand, Kies und Schotter aufbereitet. Die Bedeutung der Anlage reichte über die Region hinaus: Nach Angaben der Stadt Lützen wurden unter anderem Güterzüge mit aufbereitetem Material für das Leuna-Werk beladen.

Der Wasserturm versorgte die Kieswäsche
Zum technischen Ensemble gehörte auch ein 1927 errichteter Wasserturm. Er versorgte ausschließlich die Kieswäsche mit Wasser, das für die Reinigung des Materials benötigt wurde. Der Braunkohletagebau wurde bereits 1929 wieder eingestellt. Mit dem Ende des Abbaus verlor auch die Kieswäsche ihre Funktion. Die Anlagen verfielen nach und nach. Der ehemalige Wasserturm blieb jedoch erhalten.

Aus dem Wasserturm wurde ein Vogelhotel
Während die eigentliche Kieswäsche heute als Ruine erhalten ist, erhielt der historische Wasserturm eine ungewöhnliche neue Aufgabe. Zwischen September und Oktober 2010 wurde er für rund 60.000 Euro zu einem Artenschutzturm umgebaut. Als „Naturschutzturm Nr. 15“ bietet er heute unter anderem Turmfalken, Wanderfalken, Schleiereulen, Fledermäusen und Singvögeln Unterschlupf. Die Betreuung übernahm der NABU-Regionalverband Saale-Elster.

Lost Place mit Industriegeschichte
Die verbliebenen Gebäude der Kieswäsche erinnern heute an eine Zeit, in der Braunkohle, Sand und Kies die industrielle Entwicklung der Region mitprägten. Zwischen den Ruinen und dem inzwischen wieder stärker bewaldeten Umfeld lässt sich die ursprüngliche Funktion der Anlage nur noch erahnen. Die Kieswäsche Röcken steht damit beispielhaft für die zahlreichen vergessenen Industrieanlagen im mitteldeutschen Revier. Während der Bergbau längst Geschichte ist, bleiben einzelne Relikte als stille Zeugnisse dieser Epoche erhalten.
