Nach mehr als einem Jahrzehnt der Ungewissheit steht das Schicksal des Freibades im mittelsächsischen Lichtenberg endgültig fest. Der Gemeinderat hat den Abriss der Anlage beschlossen und damit das Kapitel eines Freibades beendet, das bereits seit Jahren stillsteht. Einst galt die Einrichtung als beliebter Treffpunkt für Einheimische und Besucher, heute verhindern massive Hochwasserschäden, erheblicher Sanierungsbedarf und rechtliche Hürden jede Aussicht auf eine Wiedereröffnung. Mit der Vergabe der ersten Ingenieurleistungen beginnt nun die konkrete Vorbereitung des Rückbaus. Die Hoffnungen auf eine Rettung des Freibades sind damit endgültig gescheitert.

Ein Freibad mit langer Geschichte
Das Freibad in Lichtenberg war über viele Jahre fester Bestandteil des öffentlichen Lebens der Gemeinde. Die Anlage entwickelte sich zu einem beliebten Sommerziel für Familien, Kinder und Schwimmbegeisterte aus der Region und gehörte über Jahrzehnte zum Freizeitangebot im Erzgebirgsvorland. Wie viele kommunale Freibäder geriet jedoch auch diese Einrichtung zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Der bauliche Zustand verschlechterte sich kontinuierlich, notwendige Investitionen wurden immer umfangreicher und schließlich überstieg der Sanierungsbedarf die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde. Bereits vor der Naturkatastrophe des Jahres 2013 galt das Freibad als dringend sanierungsbedürftig.

Hochwasser von 2013 verschärfte die Situation dramatisch
Den entscheidenden Einschnitt brachte das schwere Hochwasser im Jahr 2013. Die Flut richtete erhebliche Schäden auf dem gesamten Gelände an und machte deutlich, dass eine einfache Instandsetzung nicht mehr ausreichen würde. In den folgenden Jahren wurde intensiv über verschiedene Zukunftsszenarien diskutiert. Ein Wiederaufbau galt zunächst als möglich, zumal Fördermittel in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro in Aussicht gestellt wurden. Doch bei genauerer Prüfung zeigte sich, dass die Zuschüsse die tatsächlichen Kosten nicht vollständig decken würden.



Finanzierungslücke und Grundstücksprobleme machen Wiederaufbau unmöglich
Neben den bereits zugesagten Fördermitteln hätte die Gemeinde zusätzlich rund 550.000 Euro aus eigenen Mitteln aufbringen müssen – eine Summe, die den kommunalen Haushalt erheblich belastet hätte. Hinzu kam ein weiteres gravierendes Problem: Die Zufahrt zum Freibad führte über privates Grundstück. Nach bestehenden vertraglichen Vereinbarungen hätte diese bei einem Wiederaufbau oder einer umfassenden Sanierung nicht dauerhaft genutzt werden dürfen. Stattdessen wäre der ursprüngliche Zustand des Grundstücks wiederherzustellen gewesen. Die damit verbundenen zusätzlichen Kosten und rechtlichen Unsicherheiten machten das Projekt wirtschaftlich praktisch nicht mehr realisierbar.

Gemeinderat entscheidet sich für den Abriss
Nach intensiven Beratungen fiel schließlich die politische Entscheidung. Mit großer Mehrheit stimmte der Gemeinderat für den vollständigen Rückbau des Freibades. Lediglich zwei Ratsmitglieder votierten gegen den Abriss. Die Verantwortlichen sehen darin die wirtschaftlich sinnvollste Lösung. Gleichzeitig sollen die bereits bewilligten Fördermittel nicht verfallen, sondern für den Rückbau der Anlage eingesetzt werden. Damit endet endgültig jede Hoffnung auf eine Wiederbelebung des Freibades.

Erste Aufträge vergeben – Rückbau nimmt Gestalt an
Inzwischen ist das Verfahren in die praktische Umsetzungsphase eingetreten. Während der jüngsten Gemeinderatssitzung wurden Ingenieur- und Bauleistungen für verschiedene Hochwasserschutzmaßnahmen vergeben. Gleichzeitig erhielt ein Ingenieurbüro den Auftrag, den Abriss des Freibades planerisch vorzubereiten. Die Auftragssumme für diese Leistungen beläuft sich auf rund 29.000 Euro. Mit der Beauftragung sind die Weichen für den baldigen Rückbau gestellt. Nach Abschluss der Planungen sollen die eigentlichen Abrissarbeiten zügig beginnen.

Ein weiterer Verlust kommunaler Freizeitgeschichte
Mit dem Abriss verschwindet erneut ein kommunales Freibad, das über Jahrzehnte zum Alltag vieler Menschen gehörte. Generationen von Kindern lernten hier schwimmen, Familien verbrachten ihre Sommerferien am Beckenrand und Vereine nutzten die Anlage für Freizeit und Erholung. Der Fall Lichtenberg zeigt exemplarisch, vor welchen Herausforderungen zahlreiche kleinere Kommunen stehen. Steigende Sanierungskosten, alternde Infrastruktur, Naturereignisse und begrenzte Haushaltsmittel führen zunehmend dazu, dass selbst traditionsreiche Freizeiteinrichtungen nicht mehr erhalten werden können. Für die Einwohner von Lichtenberg bleibt damit vor allem die Erinnerung an einen Ort, der über viele Jahrzehnte das gesellschaftliche Leben der Gemeinde geprägt hat.
