Im Waldgebiet Heers bei Blankenburg liegen zahlreiche Spuren einer wechselvollen Vergangenheit. Zwischen Sandsteinhöhlen, alten Grenzsteinen und militärischen Hinterlassenschaften befanden sich auch Einrichtungen der Freizeit- und Feriennutzung. Das einstige Ferienlager Heers steht dabei sinnbildlich für eine Zeit, in der Kinder- und Ferienlager fester Bestandteil des DDR-Alltags waren.
Ferienlager gehörten in der DDR zum gesellschaftlichen Leben. Betriebe, staatliche Einrichtungen und Organisationen unterhielten Unterkünfte, in denen Kinder und Jugendliche während der Sommerferien betreut wurden. Der Harz war aufgrund seiner Wälder und Wanderwege ein beliebtes Ziel. Auch das Waldgebiet Heers bot dafür ideale Voraussetzungen. Heute ist der Heers vor allem als Wandergebiet bekannt und liegt unmittelbar vor den Toren Blankenburgs.

Ein Wald voller Geschichte
Die Umgebung des ehemaligen Ferienlagers ist historisch besonders vielschichtig. Im Heers finden sich noch zahlreiche historische Grenzsteine, die an die frühere Grenze zwischen Braunschweig und Preußen erinnern. Auch die markanten Sandhöhlen sind Zeugnisse des früheren Sandsteinabbaus. Doch der Wald trägt auch die Spuren der dunkelsten deutschen Geschichte. Während des Zweiten Weltkriegs befand sich hier das KZ-Außenlager Blankenburg-Regenstein. Rund 400 überwiegend jüdische Häftlinge mussten unter unmenschlichen Bedingungen am unterirdischen Rüstungsprojekt „Turmalin“ arbeiten.









Später militärisch genutzt
Nach dem Krieg änderte sich die Nutzung des Areals erneut. Ende der 1970er-Jahre wurden die unterirdischen Anlagen erweitert. 1980 nahm dort das Komplexlager 02 der Nationalen Volksarmee den Betrieb auf. Das weitläufige Stollensystem wurde später von der Bundeswehr übernommen und wird seit 2008 als Versorgungs- und Instandsetzungszentrum für Sanitätsmaterial genutzt. Diese ungewöhnliche Abfolge – Rüstungsstandort, militärische Nutzung und zivile Freizeitlandschaft – macht den Heers zu einem außergewöhnlichen historischen Ort.

Was vom Ferienlager geblieben ist
Die konkrete Geschichte des Ferienlagers Heers ist heute nur noch lückenhaft dokumentiert. Anders als bei den großen Ferienheimen der DDR finden sich kaum öffentlich zugängliche Informationen über Baujahr, Träger oder genaue Nutzungsdauer. Sicher ist jedoch, dass die Ferienlagerlandschaft der DDR nach 1990 weitgehend zusammenbrach. Viele dieser Einrichtungen verloren ihre bisherigen Träger und wurden geschlossen, verkauft oder aufgegeben. Gebäude, die einst während der Sommermonate voller Leben waren, standen anschließend leer.

Zwischen Erinnerung und Verfall
Heute ist der Heers wieder vor allem Natur- und Wanderraum. Heers, Waldgebiet Die Spuren der verschiedenen Nutzungsphasen liegen dicht beieinander und erzählen von sehr unterschiedlichen Kapiteln der deutschen Geschichte. Das ehemalige Ferienlager steht dabei für die unspektakuläre, aber wichtige Alltagsgeschichte der DDR: für Ferien, Gemeinschaft und Freizeit – aber auch für die Vergänglichkeit jener Einrichtungen, die nach 1990 ihre Funktion verloren.
