Freibad Soest

Mit der Verfüllung der ehemaligen Schwimmbecken ist eines der emotionalsten Kapitel der Soester Stadtgeschichte endgültig abgeschlossen. Jahrzehntelang kämpften Bürgerinnen und Bürger um den Erhalt des traditionsreichen Freibades, sammelten Unterschriften und engagierten sich gegen die Schließung. Doch alle Bemühungen konnten den Niedergang der Anlage nicht aufhalten. Heute entsteht auf dem ehemaligen Freibadgelände neuer Wohnraum. Dennoch wird die Geschichte des Areals nicht vollständig ausgelöscht: Das denkmalgeschützte 50-Meter-Schwimmbecken soll auch künftig als sichtbare Erinnerung an das einstige Freibad erhalten bleiben.

Bürgerinitiative kämpfte jahrelang um den Erhalt

Bereits Anfang der 1990er-Jahre formierte sich Widerstand gegen die geplante Aufgabe des Freibades. Die Bürgerinitiative „Pro Freibad“ setzte sich mit großem Engagement für den Fortbestand der Anlage ein und sammelte zahlreiche Unterschriften. Trotz der breiten Unterstützung in der Bevölkerung ließ sich die Schließung letztlich nicht verhindern. Mit den Jahren entwickelte sich das einst belebte Freibad zu einer brachliegenden Anlage, deren Zukunft lange ungeklärt blieb. Während das Gelände zunehmend verfiel, blieb insbesondere das markante 50-Meter-Schwimmbecken als bedeutendes Zeugnis der Badekultur erhalten und wurde schließlich unter Denkmalschutz gestellt.

Renaturierung des Soestbachs verändert das Gelände nachhaltig

Bereits 2011 erhielt das ehemalige Freibadgelände ein völlig neues Gesicht. Im Mittelpunkt stand die umfassende Renaturierung des Soestbachs, der das Areal durchquert. Der Bach wurde aus seinem künstlichen Betonbett befreit und erhielt wieder einen naturnahen Verlauf. Befestigungen wurden entfernt, sodass sich das Gewässer wieder eigenständig entwickeln und natürliche Mäander bilden konnte. Mit dieser ökologischen Aufwertung entstand ein deutlich naturnäheres Landschaftsbild. Gleichzeitig wurde ein Teil des ehemaligen Freibadgeländes bereits als Baugebiet erschlossen und nahezu vollständig bebaut.

Leerstand wurde zunehmend zum Sicherheitsproblem

Mit jedem Jahr verschlechterte sich der Zustand der brachliegenden Anlage. Obwohl die ehemaligen Schwimmbecken eingezäunt waren, gelangten immer wieder Kinder und Jugendliche auf das Gelände. Besonders problematisch war, dass sich in den leeren Becken regelmäßig Regenwasser sammelte und dadurch erhebliche Unfallgefahren entstanden. Für die Stadt bestand deshalb zunehmender Handlungsdruck. Neben dem verwahrlosten Zustand rückte insbesondere die Verkehrssicherungspflicht immer stärker in den Mittelpunkt der Diskussion.

Erdaushub ersetzt aufwendige Verfüllung

Im Jahr 2017 fiel schließlich die Entscheidung für eine pragmatische Lösung. Ein Investor aus Lippstadt, der auf dem Gelände der ehemaligen Kolping-Bildungsstätte neue Stadthäuser mit Eigentumswohnungen errichtet, nutzte den dort anfallenden Erdaushub zur Verfüllung der ehemaligen Schwimmbecken. Für die Stadt brachte dieses Vorgehen einen entscheidenden Vorteil: Die aufwendige Verfüllung verursachte keine zusätzlichen kommunalen Kosten. Gleichzeitig konnten die bestehenden Gefahrenquellen auf dem verlassenen Gelände zügig beseitigt werden. Mit diesem Schritt verschwand das Freibad endgültig aus seiner ursprünglichen Form.

Denkmalschutz verhindert vollständiges Verschwinden

Trotz des Rückbaus wird die Geschichte des Freibades nicht vollständig ausgelöscht. Da das 50-Meter-Becken unter Denkmalschutz steht, sollen wesentliche Elemente der historischen Anlage auch künftig im neuen Quartier erkennbar bleiben. Nach Angaben des Investors werden unterschiedliche architektonische und technische Lösungen geprüft, um die historische Struktur des ehemaligen Beckens in die Neubebauung einzubinden. Ziel ist es, den Charakter des Ortes zumindest teilweise sichtbar zu erhalten und die Erinnerung an das Freibad in das neue Wohngebiet zu integrieren.

Wohnungsbau ersetzt die ehemalige Freizeitanlage

Langfristig soll auf dem Gelände ein neues Wohnquartier entstehen. Geplant sind drei Mehrfamilienhäuser, die das ehemalige Freibadgelände städtebaulich neu ordnen und dringend benötigten Wohnraum schaffen sollen. Während die bauliche Entwicklung vergleichsweise behutsam voranschreitet, wurde die Gefahrenbeseitigung bewusst vorgezogen. Damit reagierte die Stadt auf die zunehmenden Sicherheitsprobleme, die durch den jahrelangen Leerstand entstanden waren.

Ein Ort zwischen Erinnerung und Neuanfang

Das Soester Freibad war über Jahrzehnte weit mehr als eine Sport- und Freizeitanlage. Für Generationen von Einwohnern war es Treffpunkt, Sommeridylle und ein Ort unzähliger persönlicher Erinnerungen. Mit der Verfüllung der Becken endet zwar endgültig die Geschichte des Freibades, doch der Denkmalschutz sorgt dafür, dass ein Teil dieser Vergangenheit erhalten bleibt. Die geplante Wohnbebauung steht damit beispielhaft für den schwierigen Spagat zwischen Stadtentwicklung, Denkmalschutz und dem Erhalt lokaler Identität. Wo einst geschwommen wurde, entsteht künftig neuer Wohnraum – die Geschichte des Soester Freibades wird jedoch auch in Zukunft Teil des Stadtbildes bleiben.

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