Flugplatz Köthen

Der Flugplatz südlich der Stadt Köthen blickt auf eine eindrucksvolle und wechselvolle Geschichte zurück: Was einst als militärischer Stützpunkt für Kampfjets der Sowjetarmee diente, ist heute ein Ort stiller Erinnerung – und nachhaltiger Energiegewinnung.

Bereits 1923 begann die Köthener Luftfahrtgeschichte mit der Gründung der Arbeitsgruppe FLUWIAC. 1928 beschloss der Stadtrat den Bau eines Flugplatzes. In der NS-Zeit wurde das Gelände militärisch aufgewertet: Ab 1937 diente es dem „Luftnachrichten-, Lehr- und Versuchsregiment“, Köthen wurde Garnisonsstadt.

Während des Zweiten Weltkriegs war u.a. die Kampfgruppe 100 mit Heinkel-Bombern stationiert. Diese flog von Köthen aus Aufklärungsflüge über die Nordsee bis nach Norwegen – ein frühes Testfeld für das damalige Funknavigationssystem X-Verfahren. Im April 1945 übernahmen amerikanische Einheiten nach einem Luftangriff das Gelände.

Mit dem Beginn der sowjetischen Besatzung im Juli 1945 wurde Köthen erneut ein bedeutender Militärflugplatz. Das 73. Garde-Jagdfliegerregiment stationierte über Jahrzehnte hinweg Maschinen wie die MiG-15, MiG-21, später MiG-23 und zuletzt MiG-29. Auch Kampf- und Transporthubschrauber vom Typ Mi-8 und Mi-24 waren in den 1980er-Jahren hier aktiv.

Für Schlagzeilen sorgte 1952 ein Zwischenfall, bei dem sowjetische MiGs ein Verkehrsflugzeug der Air France beschossen. Die Maschine überlebte – doch der Vorfall belastete die ohnehin angespannte Lage im Kalten Krieg weiter.

Der Flugbetrieb endete im Mai 1991. Der Rückzug der sowjetischen Truppen wurde bis August desselben Jahres abgeschlossen – unterstützt durch massive Transportflugzeuge wie die An-124. Seitdem liegt der militärische Teil des Platzes brach. Ein kleiner Bereich wird durch einen Flugsportverein genutzt. Die ursprüngliche Hauptlandebahn wurde aufgrund ihres schlechten Zustands abgetragen.

Statt Triebwerkslärm: Sonnenstrom

Wo einst Kampfjets starteten, drehen sich heute keine Rotoren mehr – sondern Einspeisezähler. Auf rund 55 Hektar der ehemaligen Rollbahn installierte die Firma juwi eines der größten Photovoltaik-Kraftwerke Deutschlands. Seit 2008 erzeugen 145.000 Solarmodule mit 15 Megawatt Leistung jährlich über 13 Millionen Kilowattstunden Strom – genug für rund 4.000 Haushalte.

Die alten Kasernen wurden teilweise zu Verwaltungsgebäuden umfunktioniert, einige stehen leer oder werden privat genutzt. Ein Stück der Luftfahrtgeschichte bleibt dennoch lebendig: Lufthansa-Flugzeuge trugen und tragen den Namen „Köthen/Anhalt“ – aktuell ein Airbus A320 mit der Kennung D-AIUA.

Köthen zeigt eindrücklich, wie sich Orte des Krieges in Stätten des Friedens und Fortschritts verwandeln können – mit Sonnenenergie statt Abfangjägern.

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