Der traditionsreiche Flugplatz Großenhain steht vor einer tiefgreifenden Transformation. Einst eine Wiege der deutschen Militärfliegerei, später sowjetischer Militärstützpunkt und zuletzt ziviler Verkehrslandeplatz, soll das Areal nun einem 145 Hektar großen Industriegebiet weichen. Eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichneten der Freistaat Sachsen, der Landkreis Meißen und die Stadt Großenhain im Dezember 2022.
Der Flugplatz Großenhain, ICAO-Code EDAK, zählt zu den ältesten noch aktiven Flugplätzen Deutschlands. Nur einen Kilometer nördlich der Innenstadt gelegen, blickt das Gelände auf mehr als ein Jahrhundert Luftfahrtgeschichte zurück – von der Kaiserzeit über den Zweiten Weltkrieg bis zur Nach-Wende-Zeit.

Von der Militärschule zum sowjetischen Stützpunkt
1913 wurde Großenhain als Standort für eine eigene königlich-sächsische Fliegerstation ausgewählt. Unter Hauptmann Horst von Minckwitz entstand ein moderner Flugplatz, der im Februar 1914 mit einer DFW Stahl-Taube offiziell in Betrieb ging. In den folgenden Kriegsjahren wurden hier rund 60.000 Soldaten ausgebildet – darunter auch Manfred von Richthofen, besser bekannt als „Der Rote Baron“.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Platz 1920 infolge des Versailler Vertrages aufgelöst, aber ab 1934 durch die Nationalsozialisten zum Fliegerhorst der Luftwaffe ausgebaut. Im Zweiten Weltkrieg war Großenhain ein wichtiger Ausbildungs- und Einsatzstandort der deutschen Luftwaffe.



Nach 1945 übernahm die sowjetische Armee das Areal. Die 105. Fliegerdivision der sowjetischen Luftstreitkräfte war hier stationiert, ebenso das 497. Jagdbombenfliegerregiment. Großenhain wurde zu einem strategischen Militärstandort ausgebaut – mit erweitertem Rollfeld und sogar einem Sonderwaffenlager für Kernwaffen. Der Platz blieb bis 1993 unter russischer Kontrolle.
Ziviler Flugbetrieb seit 1993 – doch wie lange noch?
Mit dem Abzug der sowjetischen Truppen begann 1993 die zivile Nutzung. Betreiber wechselten mehrfach, zuletzt übernahm die Flugplatz Großenhain UG nach Tornado- und Hitzeschäden den Betrieb. 2011 wurde der Flugbetrieb auf der Haupt- und Grasbahn wieder aufgenommen, das Gelände bietet seither unter anderem eine Tankstelle für Kleinflugzeuge und ein Segelfluggelände.

Ein Highlight ist das „Fliegende Museum – Historische Flugzeuge Josef Koch“, das flugfähige Oldtimer ausstellt und regelmäßig bei Events im Einsatz zeigt. Teile der historischen Hangars dienen heute Industrie- und Gewerbebetrieben, darunter einem Zulieferer der Airbus-Gruppe.
Ein Ende mit Ansage
Trotz dieser Nutzung scheint das Ende des Flugplatzes besiegelt. Die im Dezember 2022 geschlossene Vereinbarung zwischen Stadt, Kreis und Land Sachsen sieht die mittelfristige Einstellung des Flugbetriebs vor, um das Gelände wirtschaftlich neu zu erschließen. Das Ziel: ein leistungsstarkes Industriegebiet, das neue Arbeitsplätze in die Region bringen soll.



Ein genauer Zeitplan für die Umwandlung wurde noch nicht veröffentlicht. Doch der Druck auf den Fortbestand des traditionsreichen Flugplatzes wächst – nicht nur aus wirtschaftlicher, sondern zunehmend auch aus politischer Perspektive. Die Debatte über den Spagat zwischen Denkmalpflege, Luftfahrtkultur und industrieller Zukunft ist eröffnet.
