Einst tobte hier das Jet-Zeitalter der DDR und der Sowjetarmee, heute prägen Solarmodule und Biogasanlagen das Bild: Der ehemalige Flugplatz Brandis-Waldpolenz blickt auf eine bewegte Geschichte zurück – von seiner Entstehung als Ausbildungsort für Blindflug bis hin zur Transformation zum grünen Energiezentrum.
Errichtet wurde der Flugplatz 1934/35 mit einer großzügigen Start- und Landebahn, zunächst für die Blindflugschule 1. Später diente er unter anderem der Junkers AG zur Erprobung neuer Flugzeuge – darunter das seltene Experimentalmodell Sack AS-6. Im Zweiten Weltkrieg war Brandis mehrfach Ziel alliierter Bombenangriffe und erlitt schwere Schäden, die bis Kriegsende nicht vollständig beseitigt wurden.

Nach der US-Besetzung im April 1945 übernahm im Juli die Rote Armee das Gelände. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Brandis zu einem bedeutenden sowjetischen Luftwaffenstützpunkt. Stationiert waren unter anderem Strahljäger vom Typ MiG-15, später Kampfhubschrauber wie Mi-8 und Mi-24. Mit dem Ausbau der Infrastruktur in den 1960er-Jahren entstanden neue Rollwege, Bunker und Wartungseinrichtungen.





Der militärische Flugbetrieb endete 1992, als die letzten Maschinen – darunter Su-25 des 357. Schlachtfliegerregiments – Richtung Osten abhoben. Im Anschluss übernahm Deutschland das Gelände. Ein ziviler Neuanfang folgte: Der Flugplatz wurde verpachtet, eine Flugschule und der Leipziger Luftdienstleister LipsAir siedelten sich an – bis zur endgültigen Schließung 2005.





Heute ist das Gelände ein Musterbeispiel für Konversion. In den Jahren 2007–2008 und erneut 2011 wurde der Solarpark Waldpolenz errichtet – zeitweise einer der größten Europas. 2013 folgte der Start einer Biogasanlage. Die Relikte der Vergangenheit sind jedoch noch präsent: Verfallene Hangars, Bunker verschiedener Bauarten, ein verlassener Tower und Zugangspunkte zur ehemaligen Kanalisation erzählen von der militärischen Vergangenheit.

Brandis-Waldpolenz ist somit ein Ort, der den Wandel von Krieg zu Klimaschutz auf bemerkenswerte Weise verkörpert.
