Flugplatz Rangsdorf

Der denkmalgeschützte Flugplatz Rangsdorf bei Berlin soll in den kommenden Jahren zu einem neuen, lebendigen Stadtquartier mit Wohnungen, Schule, Sporteinrichtungen und öffentlichem Park umgestaltet werden. Das ambitionierte Konversionsprojekt wird von der Gemeinde Rangsdorf in Zusammenarbeit mit der Nürnberger terraplan-Gruppe vorangetrieben – und ist eng mit der bewegten deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts verknüpft.

Historisches Erbe aus NS-Zeit und Kaltem Krieg

Errichtet 1935 als Reichssportflughafen im Vorfeld der Olympischen Spiele 1936, war Rangsdorf zunächst Zentrum für zivilen Luftsport und Heimat der Bücker-Werke, eines führenden Herstellers von Sportflugzeugen. Namhafte Piloten wie Elly Beinhorn und Beate Uhse flogen hier – letzterer lernte in Rangsdorf sogar das Fliegen.

Im Zweiten Weltkrieg diente das Gelände als Fliegerhorst der Luftwaffe. Von hier aus startete Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944 zu seinem folgenschweren Attentatsversuch auf Hitler in der Wolfsschanze – ein Gedenkstein erinnert heute daran.

Nach dem Krieg übernahm die Sowjetarmee das Areal, nutzte es bis 1994 für Reparatur- und Wartungsarbeiten ihrer Luftstreitkräfte. Zahlreiche Gebäude und Hallen stammen noch aus dieser Zeit.

Denkmalgeschütztes Areal verfiel jahrzehntelang

Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen begann der schleichende Verfall. Obwohl viele der Gebäude, darunter Hallen, Werkssiedlungen und das Flugfeld, unter Denkmalschutz stehen, fehlten lange Zeit Nutzungskonzepte und Investoren. Nur einzelne Gebäude – etwa das Vereinsheim des Aero-Clubs, heute Sitz einer Seeschule – konnten reaktiviert werden. Der Großteil blieb ungenutzt und verfiel.

Neues Leben für ein geschichtsträchtiges Gelände

Seit 2018 liegt die Zukunft des Geländes in den Händen der terraplan-Gruppe, die auf die Sanierung denkmalgeschützter Immobilien spezialisiert ist. Gemeinsam mit der Gemeinde Rangsdorf soll das Areal in ein gemischt genutztes Quartier mit historischem Charakter verwandelt werden. Geplant sind neue Wohnungen, eine Schule mit Sporthalle, Gastronomie, Kulturflächen sowie ein neues Zuhause für das derzeit geschlossene Bücker-Luftfahrt- und Eissegel-Museum. Das Flugfeld selbst bleibt als öffentlicher Park erhalten.

Bürgerbeteiligung und Städtebau-Förderung

Das Projekt soll unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger realisiert werden. Aufgrund seiner nationalen Bedeutung bewirbt sich Rangsdorf um Fördermittel aus dem Bundesprogramm für herausragende Städtebauprojekte. Die Architektur- und Stadtplanung übernehmen renommierte Büros aus Potsdam und Berlin, die historisches Erbe und moderne Nutzung miteinander verbinden wollen.

Vom Ort der Geschichte zum Raum der Zukunft

Der Flugplatz Rangsdorf steht exemplarisch für die Transformation deutscher Militärstandorte: einst Schauplatz von Sportfliegerei, NS-Rüstung und sowjetischer Militärpräsenz – künftig ein Wohn- und Lebensraum für neue Generationen. Das Projekt ist ein Balanceakt zwischen Geschichtsaufarbeitung und Zukunftsplanung – mit Strahlkraft weit über Brandenburg hinaus.

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