Bahnbetriebswerk (Bw) Bestwig

Über Jahrzehnte war das Bahnbetriebswerk Bestwig ein wichtiger Knotenpunkt der Eisenbahn im Sauerland. Heute erinnert nur noch wenig an die Zeit, als hier Dampflokomotiven gewartet, bekohlt und für ihre nächsten Einsätze vorbereitet wurden. Die Geschichte des Bahnbetriebswerks begann 1873. Die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft richtete in Bestwig eine Lokomotivstation an der neu entstandenen Oberen Ruhrtalbahn ein. Der Grund dafür war die anspruchsvolle Strecke in Richtung Brilon-Wald: Auf der rund elf Kilometer langen Rampe mussten Züge teilweise von zusätzlichen Lokomotiven unterstützt werden. Zum ersten Betriebswerk gehörten ein zehnständiger Ringlokschuppen und eine Drehscheibe. 1915 waren in Bestwig bereits rund 25 Lokomotiven stationiert.

Ein neues Bahnbetriebswerk entsteht

Mit dem wachsenden Eisenbahnverkehr wurde die Anlage zu klein. Ab 1918 entstand deshalb rund 400 Meter westlich des alten Standorts ein neues Betriebswerk. Herzstück war erneut ein Ringlokschuppen, diesmal mit einer größeren 20-Meter-Drehscheibe. Die neue Anlage konnte 1924 vollständig in Betrieb gehen. Hier waren unter anderem Dampflokomotiven der Baureihen P 8, G 8, G 10, G 12 und T 14 beheimatet.

Krieg, Wiederaufbau und neue Lokomotiven

Auch während des Zweiten Weltkriegs blieb das Bahnbetriebswerk ein wichtiger Eisenbahnstandort. Neben der Baureihe 39 kamen später schwere Güterzuglokomotiven der Baureihen 44 und 50 nach Bestwig. Im Juli 1945 waren noch 48 Lokomotiven vorhanden, einige davon allerdings erheblich beschädigt. Nach dem Krieg veränderten sich die Verkehrsströme und damit auch die Aufgaben des Betriebswerks.

Das Ende der Dampflokomotiven

Der technische Wandel machte schließlich auch vor Bestwig nicht halt. Neben Dampflokomotiven kamen Schienenbusse und später Dieselfahrzeuge zum Einsatz. Ab 1971 waren in Bestwig keine Dampflokomotiven mehr beheimatet. Bereits 1968 war das Betriebswerk dem Bahnbetriebswerk Hagen als Außenstelle zugeordnet worden. Am 1. Mai 1982 verlor Bestwig schließlich seine Eigenständigkeit.

Ringlokschuppen und Drehscheibe verschwunden

Mit der Stilllegung begann der Abbau der historischen Anlagen. Die Drehscheibe wurde entfernt, ebenso das Dach des Ringlokschuppens. Bis in die 1990er-Jahre wurden Teile der ehemaligen Gleisanlagen noch zum Abstellen und Betanken von Diesellokomotiven genutzt. Damit verschwand Schritt für Schritt ein bedeutendes Zeugnis der Sauerländer Eisenbahngeschichte.

Was heute geblieben ist

Vom einstigen Bahnbetriebswerk ist heute nur noch wenig erhalten. Der große Ringlokschuppen mit seiner Drehscheibe gehört der Vergangenheit an. Einige Relikte des ehemaligen Eisenbahnstandorts sind jedoch erhalten geblieben und erinnern an die Zeit, als Bestwig ein wichtiger Stützpunkt für den Dampflokbetrieb auf der Oberen Ruhrtalbahn war.

Das ehemalige Bahnbetriebswerk steht damit beispielhaft für den Wandel der Eisenbahn: Was einst für schwere Dampflokomotiven unverzichtbar war, wurde mit der Umstellung auf Diesel- und moderne Triebfahrzeuge zunehmend überflüssig. Heute ist die Geschichte des Bahnbetriebswerks Bestwig vor allem ein Stück regionaler Industrie- und Eisenbahngeschichte – und eine Erinnerung an die Zeit, als zusätzliche Dampfloks die Züge über die Steigungen des Sauerlands schoben.

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