Rangierbahnhof Wustermark

Wo heute Güterzüge zusammengestellt und Eisenbahnfahrzeuge abgestellt werden, erstreckte sich einst einer der größten Rangierbahnhöfe Deutschlands. Der Rangierbahnhof Wustermark wurde 1909 eröffnet und entwickelte sich zu einem gewaltigen Eisenbahnkomplex westlich von Berlin. Zwischen 1906 und 1909 entstand der sogenannte Wustermark Verschiebebahnhof. Zur Eröffnung am 1. Mai 1909 verfügte die Anlage über rund 4,5 Kilometer Länge, 24 Kilometer Hauptgleise und 86 Kilometer Nebengleise. Ziel war es, den stetig wachsenden Güterverkehr rund um Berlin zu entlasten. Der Rangierbahnhof war als Flachbahnhof angelegt und verfügte über zahlreiche Stellwerke und Weichenbezirke. Die Dimensionen machten Wustermark schon früh zu einem bedeutenden Knotenpunkt des deutschen Eisenbahnnetzes.

Dampfloks prägten das Gelände

1920 kam das Bahnbetriebswerk hinzu. Zwei Ringlokschuppen, zwei Drehscheiben, vier Bekohlungsanlagen und ein 56 Meter hoher Wasserturm gehörten zur Anlage. Hinzu kamen ein eigenes Kraftwerk und eine biologische Kläranlage. Rund um den Bahnhof entstand gleichzeitig die Eisenbahnersiedlung Elstal. Der Rangierbahnhof prägte damit nicht nur die Eisenbahn, sondern auch die Entwicklung des gesamten Ortes. Am 20. April 1945 wurde der Rangierbahnhof durch alliierte Flugzeuge schwer bombardiert. Besonders der südliche Teil der Anlage wurde zerstört und später nicht wieder aufgebaut. Bereits 1945/46 gingen die verbliebenen Bereiche jedoch wieder in Betrieb. Damit begann ein neuer Abschnitt der Geschichte. Der Rangierbahnhof blieb trotz seiner Verluste ein wichtiger Güterverkehrsstandort.

Bis zu 1.200 Beschäftigte

Während der DDR-Zeit hatte Wustermark weiterhin eine erhebliche Bedeutung für die Deutsche Reichsbahn. In seiner wirtschaftlichen Hochphase arbeiteten auf dem Gelände einschließlich der technischen Dienststellen bis zu 1.200 Menschen. 1963 erhielt der Bahnhof offiziell den Namen Wustermark Rangierbahnhof. Die Lage am Berliner Außenring machte ihn auch während der deutschen Teilung zu einem wichtigen Bestandteil des Eisenbahnnetzes. Mit der politischen Wende änderte sich die Situation. Der Rückgang des Güterverkehrs auf der Schiene führte dazu, dass immer größere Teile der weitläufigen Anlagen nicht mehr benötigt wurden.

2001 wurden große Bereiche stillgelegt. 2004 beantragte die Deutsche Bahn schließlich die vollständige Stilllegung und den Rückbau. Für den traditionsreichen Rangierbahnhof schien damit das endgültige Aus gekommen zu sein.

Rettung in letzter Minute

Doch Wustermark verschwand nicht von der Eisenbahnkarte. Am 1. Juli 2008 übernahm die Rail & Logistik Center Wustermark GmbH & Co. KG (RLCW) den Rangierbahnhof und reaktivierte große Teile der Infrastruktur. Heute verfügt der Rangierbahnhof über rund 22 Hektar Fläche und etwa 32 Kilometer Gleise. Die Anlage wird für Güterverkehr, Zugbildung, Abstellung und weitere logistische Dienstleistungen genutzt.

Industriegeschichte trifft Zukunft

Von den Dimensionen des historischen Rangierbahnhofs ist vieles verschwunden. Einige Gebäude und technische Anlagen aus der Entstehungszeit sind jedoch erhalten und stehen unter Denkmalschutz – darunter Stellwerke, die Bekohlungsanlage, eine Umladehalle und Teile des ehemaligen Bahnbetriebswerks. Der Wasserturm mit seinen 56 Metern Höhe ist bis heute eines der markantesten Relikte des historischen Eisenbahnstandorts.

Der Rangierbahnhof Wustermark steht damit beispielhaft für den Wandel der Eisenbahn: Aus einem gigantischen Verschiebebahnhof des frühen 20. Jahrhunderts wurde nach Krieg, Teilung, Niedergang und Stilllegungsplänen erneut ein wichtiger Standort für den modernen Güterverkehr. Was einst wie ein Relikt aus einer vergangenen Eisenbahnepoche wirkte, ist heute wieder Teil der Zukunft des Schienengüterverkehrs.

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