Görlitz. Die verfallene „Alte Wäscherei“ in Görlitz entwickelt sich zunehmend zu einem gefährlichen Brennpunkt. Nach mehreren Bränden innerhalb weniger Wochen wächst der Druck auf Behörden und Eigentümer, endlich zu handeln.
Zuletzt musste die Feuerwehr Mitte Februar erneut zu dem leerstehenden Industriekomplex an der Brückenstraße ausrücken. Offenbar wurde erneut Unrat entzündet. Bereits im Januar hatte ein Großbrand erhebliche Schäden verursacht. Ein 35-jähriger Tatverdächtiger soll damals ein Feuer entfacht haben, das außer Kontrolle geriet – mutmaßlich beim Versuch zu kochen. Zwar wurde er zunächst in Untersuchungshaft genommen, inzwischen ist der Haftbefehl aufgehoben, die Ermittlungen laufen weiter.
Die Brandserie ist jedoch kein neues Phänomen: Seit Jahren kommt es auf dem Gelände immer wieder zu Bränden, Einstürzen und gefährlichen Situationen. Teile der Gebäude gelten als akut einsturzgefährdet. Bereits 2022 kam es zu einem Deckeneinsturz und einem weiteren Großbrand. In der Vergangenheit wurden zudem zwei Tote auf dem Gelände gefunden – mutmaßlich im Zusammenhang mit Bränden.
Das Areal dient immer wieder obdachlosen Menschen als Unterschlupf – mit teils fatalen Folgen. Polizei und Sozialträger bestätigen, dass sich regelmäßig Personen ohne festen Wohnsitz dort aufhalten. Dennoch gibt es keine gezielten Kontrollen. Die Verantwortung für die Sicherung liegt beim Eigentümer.
Hilfsorganisationen wie die Arbeiterwohlfahrt und die örtliche Stadtmission bieten Unterstützung für Betroffene an. Doch nicht alle nehmen diese Hilfe an – oft aus Angst, Misstrauen oder dem Wunsch nach Anonymität. Experten sehen hier ein strukturelles Problem: Trotz vorhandener Angebote erreichen Hilfssysteme nicht alle Bedürftigen.
Eine nachhaltige Lösung für das Gelände ist weiterhin nicht in Sicht. Frühere Pläne zur Entwicklung des Areals wurden nie umgesetzt, der bauliche Zustand verschlechtert sich zunehmend. Die Stadt steht zwar in Kontakt mit dem Eigentümer, konkrete Perspektiven fehlen jedoch.
Die „Alte Wäscherei“ bleibt damit ein Symbol für eine doppelte Krise: marode Infrastruktur und soziale Notlagen, die sich gegenseitig verschärfen – mit potenziell tödlichen Folgen.
