Essen. Was einst als größtes Seniorenheim in Essen galt, ist heute ein Mahnmal des Verfalls – und ein wachsendes Sicherheitsproblem. Seit dem Jahr 2021 steht das ehemalige Pflegeheim an der Minnesängerstraße in Essen-Freisenbruch leer. Das elfstöckige Gebäude verfällt zusehends – und zieht zunehmend Jugendliche sowie Vandalismus an.
Zerstörte Fenster, abgerissene Türen, einsturzgefährdete Fassade: Der Zustand des Hochhauses ist dramatisch. Was bleibt, ist ein Schandfleck inmitten eines Wohngebiets – und ein ständiger Einsatzort für Polizei und Feuerwehr. Die unteren Etagen wirken wie nach einem Angriff: Fensterscheiben sind zerschlagen, Balkontüren aus den Angeln gehängt, Absperrbänder längst entfernt. Anwohner sprechen von „unhaltbaren Zuständen“ – und verlieren zunehmend die Geduld.
„Die Jugendlichen klettern durchs Gebäude und winken von den oberen Etagen“, berichtet SPD-Ratsfrau Michaela Heuser. Immer wieder rücken Einsatzkräfte an, um unbefugte Zutritte oder Brandgefahren zu kontrollieren. Für Anwohner ist das tägliche Realität. Müllberge auf dem Gelände und nächtlicher Lärm sind mittlerweile Teil des Alltags.
Eigentumsverhältnisse bleiben im Dunkeln
Einst betrieben vom Deutschen Roten Kreuz und im Besitz von Vonovia, wurde das Gebäude inzwischen weiterverkauft. Wer der neue Eigentümer ist, bleibt jedoch unter Verweis auf den Datenschutz unklar. Für die Anwohner ist das ein weiterer Grund zur Sorge: Denn solange niemand Verantwortung übernimmt, wird sich am Zustand nichts ändern.
Die Stadt Essen verweist auf gesetzliche Vorgaben: Für Sicherung und Instandhaltung ist der Eigentümer zuständig. Doch das marode Gebäude wurde bereits von der Bauaufsicht und Feuerwehr als Gefahr für die öffentliche Sicherheit eingestuft. Inzwischen prüft die Stadt mögliche Zwangsmaßnahmen.
Was aus dem Hochhaus werden soll, ist offen. Eine Pflegeeinrichtung sei aufgrund gesetzlicher Vorgaben und der Größe nicht mehr realisierbar, heißt es. Doch solange keine Perspektive besteht, bleibt das Gebäude ein trauriges Symbol für städtebauliches Versagen – und ein tägliches Risiko für die Nachbarschaft.
