Potsdam. Nach rund drei Jahrzehnten des Leerstands steht der Helmertturm auf dem Potsdamer Telegrafenberg vor seiner wissenschaftlichen Wiedergeburt. Das 1892/93 errichtete Bauwerk wird seit 2023 umfassend saniert und soll künftig wieder für die Satellitenbeobachtung genutzt werden. Die Arbeiten sollen noch 2026 abgeschlossen werden. Der rund 15 Meter hohe Helmertturm war nach dem Ende seiner wissenschaftlichen Nutzung 1993 zunehmend verfallen. Die Stahlkonstruktion war stark korrodiert, das Betreten des Bauwerks wegen Einsturzgefahr nicht mehr möglich. Bei der Sanierung wurde die Konstruktion entrostet, neu beschichtet und mit einer neuen Außenhülle versehen. Auch eine moderne Kuppel wurde installiert.
Die Sanierung des denkmalgeschützten Turms kostet nach aktuellem Stand rund 1,9 Millionen Euro. Hinzu kommen weitere Investitionen in die neue Kuppel und die wissenschaftliche Ausstattung. Der Helmertturm besitzt eine außergewöhnliche wissenschaftsgeschichtliche Bedeutung. Ursprünglich diente er der astronomischen und geodätischen Winkelmessung und markierte einen zentralen Bezugspunkt der preußisch-deutschen Landesvermessung. Später wurde von hier aus auch die Bewegung von Satelliten beobachtet.
Künftig soll auf dem Turm eine hochmoderne Satellite-Laser-Ranging-Station (SLR) entstehen. Mit Laserimpulsen werden dabei Entfernungen zu Satelliten bestimmt. Die neue Anlage arbeitet mit einer deutlich höheren Impulsrate und soll dadurch wesentlich schnellere und präzisere Messungen ermöglichen.
Damit erhält das lange vernachlässigte Bauwerk eine ungewöhnliche Perspektive: Der historische Helmertturm wird nicht lediglich konserviert, sondern erneut zu einem aktiven Forschungsstandort. Das GFZ Potsdam knüpft damit an eine Forschungstradition an, die auf dem Telegrafenberg bereits vor Jahrzehnten begann.
Ein kleines Stück Vergangenheit bleibt allerdings noch offen: Für die Rekonstruktion der historischen Eingangstür werden derzeit weitere Spenden gesucht.
