Freiburg. In Freiburg-Zähringen hat der Abriss eines historischen Gebäudes begonnen. Betroffen ist das Fachwerkhaus in der Reutebachgasse 13, das bereits seit Jahren als akut abbruchgefährdet galt. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1788 und gehört zu den letzten erhaltenen Zeugnissen des früheren dörflichen Charakters von Zähringen. Besonders umstritten ist der Umgang mit dem Gebäude. Die Arbeitsgemeinschaft Freiburger Stadtbild hatte sich für seine Unterschutzstellung und den vollständigen Erhalt eingesetzt. Nach Untersuchungen wurde das Haus jedoch nicht als Kulturdenkmal eingestuft. Begründet wurde dies unter anderem mit Veränderungen im Inneren.
Für die ARGE ist das schwer nachvollziehbar. Nach ihrer Einschätzung befinden sich Wohnteil und ehemaliger Stall weitgehend in einem bauzeitlichen Zustand. Gerade weil historische Bausubstanz im früheren Ortskern von Zähringen seit Jahrzehnten stark zurückgegangen ist, komme dem Gebäude eine besondere Bedeutung zu. Das Fachwerkhaus soll gemeinsam mit einem dahinterliegenden kleineren Einfamilienhaus verschwinden. Auf dem Grundstück ist ein größeres Neubauvorhaben vorgesehen. Nach Einschätzung der ARGE wäre eine bauliche Entwicklung allerdings auch bei Erhalt des historischen Hauses möglich gewesen.
Mit dem Abriss geht damit nicht einfach ein altes Wohnhaus verloren. Die Reutebachgasse gehörte gemeinsam mit der Zähringerstraße zum historischen Kern des einstigen Straßendorfes. Das Fachwerkhaus stand für eine Zeit, in der Zähringen noch deutlich stärker von Landwirtschaft und kleinteiliger Bebauung geprägt war. Nun setzt der Bagger den Schlussstrich. Was über mehr als zwei Jahrhunderte erhalten blieb, verschwindet innerhalb weniger Tage – und mit ihm ein weiteres sichtbares Stück der historischen Identität Freiburgs.
