Chemnitz. In Chemnitz steht ein markantes Gründerzeithaus vor dem endgültigen Aus. Das denkmalgeschützte Gebäude an der Hartmannstraße 17 soll abgerissen werden, damit Platz für den Ausbau des „Chemnitzer Modells“ entsteht. Der Stadtrat hat den Ankauf und anschließenden Abriss des Hauses mehrheitlich beschlossen. Rund 450.000 Euro kostet die Stadt der Ankauf der Immobilie. Fünf Prozent der Summe übernimmt sie selbst, den restlichen Anteil trägt der Verkehrsverbund Mittelsachsen. Das Gebäude ist inzwischen vollständig geräumt: Mietverträge wurden gekündigt, die letzten Bewohner und Nutzer sind ausgezogen.
Auf dem frei werdenden Grundstück soll eine Haltestelle für die neue Bahnverbindung in Richtung Chemnitz-Center beziehungsweise Limbach-Oberfrohna entstehen. Genau diese Standortentscheidung stieß im Stadtrat auf Kritik. Insbesondere die AfD-Fraktion stellte infrage, warum die Haltestelle nicht rund 50 Meter weiter stadtauswärts gebaut werden könne. Dadurch ließe sich der Abriss des historischen Gebäudes vermeiden. Auch die BSW-Fraktion schloss sich der Kritik an. Letztlich setzte sich jedoch die Mehrheit für Ankauf und Abriss durch. Damit ist das Schicksal des rund 115 Jahre alten Hauses besiegelt.
Bereits im November sollen die Abrissarbeiten beginnen. Bis Februar soll das Gebäude vollständig verschwunden sein. Damit verliert Chemnitz ein stadtbildprägendes Zeugnis seiner Gründerzeit – zugunsten einer neuen Verkehrsinfrastruktur. Der Fall zeigt einmal mehr den Konflikt zwischen Denkmalschutz und moderner Stadtentwicklung: Für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs wird historische Bausubstanz geopfert, obwohl eine alternative Standortlösung zumindest politisch diskutiert wurde.
