Dassow. Der Großbrand von Schloss Johannstorf bei Dassow Anfang März dieses Jahres hat die Denkmallandschaft Mecklenburg-Vorpommerns schwer erschüttert. Das barocke Wasserschloss, eines der letzten seiner Art im Land, erlitt massive Schäden, die zeitweise sogar den vollständigen Verlust des Bauwerks befürchten ließen. Nun gibt es zumindest eine erste gute Nachricht: Dank einer schnellen und entschlossenen Nothilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) konnte das Schloss rechtzeitig vor dem Winter gesichert werden.
Herzstück der Rettungsmaßnahme ist ein stabiles Notdach, das in den vergangenen Tagen fertiggestellt wurde. Es schützt das Gebäude nun vor weiteren witterungsbedingten Schäden. Beim Brand war das Dach vollständig eingestürzt und hatte schwere Zerstörungen im Inneren verursacht. Besonders kritisch: Durch den Verlust der Dach- und Deckenkonstruktionen war die Statik des historischen Bauwerks akut gefährdet.
Die private Deutsche Stiftung Denkmalschutz reagierte unmittelbar nach dem Feuer und sagte für die Notsicherung rund 583.000 Euro zu. Parallel startete sie eine bundesweite Spendenaktion. Inzwischen zeichnet sich ab, dass ein Großteil der Kosten durch Versicherungsleistungen refinanziert werden kann. Die gesammelten Spenden stehen damit für weitere dringend notwendige Sicherungs- und Instandsetzungsarbeiten zur Verfügung.

Die Arbeiten selbst stellten höchste Anforderungen an Planung und Ausführung. Aufgrund der Insellage des Schlosses und des extrem fragilen Zustands nach dem Brand musste besonders behutsam vorgegangen werden. Zunächst wurde das Gebäude stabilisiert und die Brandreste mithilfe eines Krans kontrolliert beräumt. Anschließend errichteten die Fachfirmen ein Gerüst, auf dem das Notdach montiert werden konnte. Dass nun am 4. Dezember 2025 bei einer Baubesprechung symbolisch ein „Dichtfest“ gefeiert wird, gilt als wichtiger Meilenstein für alle Beteiligten.
Ermöglicht wurde die schnelle Rettung durch das enge Zusammenspiel zahlreicher Akteure: der Stadt Dassow, der Unteren Denkmalschutzbehörde, des Landkreises Nordwestmecklenburg, des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege sowie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Stiftungsvorstand Dr. Steffen Skudelny lobte insbesondere die beteiligten Handwerksbetriebe und das Ingenieurbüro Back für die professionelle Umsetzung unter außergewöhnlichen Bedingungen.
Der Fall Johannstorf zeigt eindrücklich, wie entscheidend schnelles Handeln im Katastrophenfall ist. Für die DSD gilt das Projekt als Musterbeispiel für die Wirksamkeit ihres Nothilfefonds, der es ermöglicht, sofort einzugreifen, ohne langwierige Versicherungsabwicklungen abwarten zu müssen. Jeder verlorene Monat hätte die Schäden durch Witterungseinflüsse oder Vandalismus weiter verschärft.
Doch trotz der gelungenen Notsicherung ist die Zukunft von Schloss Johannstorf weiterhin ungewiss. In einem nächsten Schritt müssen die noch erhaltenen historischen Ausstattungen, Vertäfelungen und Bauzier systematisch erfasst und gesichert werden. Langfristig sucht die Gemeinde Dassow nach neuen Eigentümern und tragfähigen Nutzungskonzepten für das schwer gezeichnete Denkmal.
Schloss Johannstorf entstand zwischen 1740 und 1743 und gilt als Hauptwerk des Barock in Mecklenburg-Vorpommern. Der Entwurf stammt von dem schwedisch-deutschen Hofbaumeister Rudolph Matthias Dallin. Das Gebäude ist in seiner äußeren Gestalt bis heute weitgehend unverändert erhalten und zählt zu den letzten Wasserschlössern des Landes. Seit dem 13. Jahrhundert war Johannstorf Stammsitz der mecklenburgischen Linie der Familie von Buchwald. Bekanntheit über Fachkreise hinaus erlangte das Schloss auch als Drehort des vielfach ausgezeichneten Films „Das weiße Band“ in den Jahren 2007 und 2008.
Zusätzliche Mittel für erste Sicherungsarbeiten im Inneren kamen durch einen Spendenaufruf zusammen, für den auch Schauspieler Ulrich Tukur warb. Er hatte das Schloss während der Dreharbeiten noch in seinem ursprünglichen Zustand erlebt. Ob das barocke Ensemble eines Tages wieder vollständig instand gesetzt und einer neuen Nutzung zugeführt werden kann, bleibt offen – doch zumindest ist das Schloss Johannstorf vorerst vor dem endgültigen Verfall bewahrt.
