Jüterbog. Das historische Webhaus in Jüterbog sucht eine Zukunft – und das möglichst mit Inhalt. Wo einst Kinder lachten, Gäste Kaffee tranken und Stoffe gewebt wurden, herrscht heute Stillstand. Das Gebäude an der B101, in dem über Generationen Leben herrschte, ist seit 2022 verwaist. Staub auf den Fenstern, Spinnenweben in den Rahmen, das alte Logo verblasst – nur der Lärm der Bundesstraße erinnert daran, dass die Zeit weitergeht.
Nun hat die Stadt die Reißleine gezogen. Das denkmalgeschützte Gebäude steht offiziell zum Verkauf. Doch nicht der Höchstpreis entscheidet – gesucht wird ein überzeugendes Konzept. Ähnlich wie beim ehemaligen Kino „Schauburg“ will die Stadt das Webhaus für eine öffentlich zugängliche Nutzung gesichert wissen. Die Frist für Bewerbungen läuft bis zum 30. September.
Mindestgebot: 250.000 Euro, Rückübertragungsrecht inklusive
Das Mindestgebot liegt bei 250.000 Euro. Doch wer bieten will, muss mehr liefern: Referenzen, finanzielle Tragfähigkeit und ein konkreter Plan sind Voraussetzung. Die Stadt sichert sich ein Rückübertragungsrecht, falls das vorgestellte Nutzungskonzept nicht umgesetzt wird.
Aktuell dient das Webhaus nur noch als Wahllokal – zuletzt bei der Bürgermeisterwahl, bald erneut zur Stichwahl am 20. Juli. Doch die bauliche Substanz fordert Investitionen. Vor allem das Obergeschoss befindet sich im Rohbauzustand, im Erdgeschoss stehen Maßnahmen bei Brandschutz und Technik an. Eine Kostenschätzung für die nötigen Arbeiten gibt es bislang nicht.
Der Verkauf des Webhauses ist ein Drahtseilakt zwischen Denkmalschutz, öffentlichem Interesse und Wirtschaftlichkeit. Doch ohne neue Nutzung droht dem einst lebendigen Ort der endgültige Verfall.
