Greiz. Die Villa Schütte in Greiz kann einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg zu ihrer denkmalgerechten Sanierung gehen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellt für die Erneuerung des Daches 29.000 Euro bereit. Finanziert wird die Förderung durch private Spenden sowie Mittel der Lotterie GlücksSpirale. Mit dem Zuschuss soll das markante Wohnhaus aus der Zeit des Jugendstils seinem ursprünglichen Erscheinungsbild wieder nähergebracht werden. Im Mittelpunkt steht dabei die denkmalgerechte Neueindeckung des Daches, die einen wichtigen Beitrag zum langfristigen Erhalt des historischen Bauwerks leistet.
Moderne Bitumenschindeln weichen historischen Dachziegeln
Im Zuge der Sanierungsarbeiten wird die heutige Dacheindeckung aus Bitumenschindeln entfernt und durch Dachziegel ersetzt, die sich am historischen Vorbild orientieren. Ursprünglich war das Gebäude mit Tonziegeln gedeckt, während die Türme und Giebelflächen mit Schiefer verkleidet waren. Durch die Rückkehr zu den ursprünglichen Materialien gewinnt die Villa ihr charakteristisches Erscheinungsbild aus den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zurück. Die Maßnahme verbessert nicht nur die Optik des Gebäudes, sondern trägt auch zur denkmalgerechten Erhaltung der historischen Architektur bei.
Jugendstilvilla mit markanter Architektur
Die Villa Schütte entstand in den Jahren 1911 und 1912 nach den Entwürfen des Weimarer Architekten Rudolf Zapfe. Bauherr war der Greizer Kaufmann Hugo Schütte. Das Gebäude gilt als herausragendes Beispiel für den vom Jugendstil geprägten Villenbau jener Zeit. Auffällig ist das große Mansardwalmdach, dessen abgeknickte Dachflächen den Charakter des Hauses prägen. Ergänzt wird die Architektur durch zwei markante Ziertürme. Während der runde Turm an der Südwestseite mit einem Glockendach ausgestattet ist, wurde der ursprünglich offene polygonale Turm auf der Südostseite später um ein weiteres Geschoss ergänzt und überdacht.
Auch die Fassade unterstreicht den hochwertigen Anspruch des Gebäudes. Ein Natursteinsockel bildet die Basis, darüber erhebt sich verputztes Backsteinmauerwerk, das den repräsentativen Charakter der Villa zusätzlich betont.
Historische Innenausstattung nahezu vollständig erhalten
Besonders bemerkenswert ist der außergewöhnlich gut erhaltene Innenraum der Villa. Zahlreiche originale Ausstattungsmerkmale aus der Bauzeit sind bis heute vorhanden. Dazu gehören kunstvoll gestaltete Stuckdecken, hochwertige Holzvertäfelungen, ein historischer Kachelofen sowie zahlreiche Türen mit ihren ursprünglichen Beschlägen. Die zentrale Eingangshalle und das Treppenhaus greifen typische Gestaltungselemente des Jugendstils auf und verleihen dem Gebäude bis heute seinen repräsentativen Charakter. Durch die direkte Sichtachse zum Greizer Schloss besitzt die Villa zudem eine besondere städtebauliche Bedeutung.
Architektur zwischen Jugendstil, Werkbund und Landhaus
Die Villa Schütte verbindet verschiedene architektonische Strömungen des frühen 20. Jahrhunderts. Neben dekorativen Jugendstilelementen finden sich Einflüsse des Deutschen Werkbunds, der Wert auf ehrliche Materialien und funktionale Gestaltung legte. So bleiben Baustoffe wie Holz und Beton bewusst sichtbar und werden nicht verkleidet.
Darüber hinaus weist das Gebäude typische Merkmale eines Landhauses auf. Die freistehende Lage inmitten eines Gartens sowie die ursprünglich vorhandene Terrasse und der Balkon unterstreichen dieses Konzept. Beide Bauteile werden im Rahmen der laufenden Sanierung ebenfalls wiederhergestellt und sollen künftig erneut eine harmonische Verbindung zwischen Haus und Garten schaffen.
Bedeutendes Baudenkmal für das Greizer Stadtbild
Gemeinsam mit den benachbarten Villen aus derselben Bauzeit zählt die Villa Schütte zu den architektonisch wertvollsten Wohnhäusern in Greiz. Die aktuelle Förderung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ist deshalb weit mehr als eine finanzielle Unterstützung für die Dachsanierung. Sie trägt dazu bei, ein bedeutendes Zeugnis der Architekturgeschichte zu bewahren und das historische Stadtbild von Greiz langfristig zu sichern.
