Notsicherung des Klenze-Hauses kann beginnen

Foto: Hermann Neumann
Foto: Hermann Neumann

Liebenburg-Heißum. Für das vom Verfall bedrohte Klenze-Haus in Liebenburg-Heißum beginnt die dringend notwendige Notsicherung. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellt dafür 30.000 Euro bereit. Finanziert wird die Unterstützung aus privaten Spenden sowie Erträgen der Lotterie GlücksSpirale. Das historische Herrenhaus steht im Zentrum des kleinen Ortes Heißum in der Gemeinde Liebenburg nördlich von Goslar. Die Förderung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Das Gebäude steht bereits seit 2008 leer und befindet sich nach Angaben der DSD inzwischen in einem dramatisch schlechten Zustand. Mit der Notsicherung soll zunächst verhindert werden, dass weitere Teile der historischen Bausubstanz verloren gehen.

Leerstand setzt dem Fachwerkbau massiv zu

Das sogenannte Klenze-Haus ist ein langgestreckter, zweigeschossiger und verputzter Fachwerkbau. Charakteristisch sind der mittig angeordnete Eingang mit kleiner Freitreppe und der darüberliegende Zwerchhausgiebel. Ein Walmdach mit kleinen Gauben schützt das Gebäude, während hochrechteckige Fenster die Räume belichten. Von der historischen Ausstattung sind unter anderem einige Fenster und die Freitreppe erhalten geblieben. Auch die historische Umfassungsmauer des ehemaligen Gutes ist noch vorhanden. Der jahrelange Leerstand hat dem Gebäude jedoch erheblich zugesetzt.

Ein Herrenhaus mit prominenter Verbindung zur Architekturgeschichte

Seinen Namen verdankt das Gebäude der Familie Klenze. Das Herrenhaus entstand um 1700 auf dem Rittergut Heißum, das den Ringelheimer Grafen von der Decken gehörte. 1792 ging das Anwesen an Gotthelf Friedrich Klenze, der im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel als Hofrat tätig war. Besonders bedeutend wurde das Haus durch seinen Sohn: Franz Karl Leopold von Klenze (1784–1864) verbrachte in Heißum seine Kindheit und Jugend. Der später berühmt gewordene Architekt und Baumeister prägte die Architekturgeschichte des 19. Jahrhunderts maßgeblich. Die Verbindung zu Klenze verleiht dem unscheinbaren Fachwerkbau im Harzvorland damit eine überregionale historische Bedeutung.

Späterer Anbau diente als Waschhaus

Das Herrenhaus blieb im Laufe der Jahrhunderte nicht unverändert. Kurz nach 1900 wurde am Ostgiebel ein zusätzlicher Gebäudeteil errichtet. Ein historischer Plan weist diesen Anbau als Waschhaus aus. Solche Nebengebäude geben Einblicke in die einstige Organisation eines Gutshofes und in den Alltag seiner Bewohner. Gemeinsam mit dem Haupthaus und der erhaltenen Einfriedungsmauer bildet der Bau heute ein seltenes Zeugnis der historischen Gutsstruktur.

Notsicherung ist ein Wettlauf gegen den weiteren Verfall

Die aktuelle Förderung bedeutet zunächst keine umfassende Sanierung des Klenze-Hauses. Im ersten Schritt geht es darum, das akut gefährdete Gebäude überhaupt zu stabilisieren und die vorhandene historische Substanz zu sichern. Gerade bei einem über Jahrhunderte gewachsenen Fachwerkbau ist ein längerer Leerstand problematisch. Schäden an Dach, Fachwerk, Mauerwerk und Innenräumen können sich gegenseitig verstärken. Jede weitere Verzögerung erhöht deshalb das Risiko, dass originale Bauteile unwiederbringlich verloren gehen. Die 30.000 Euro der Deutschen Stiftung Denkmalschutz schaffen nun die Voraussetzung für erste Sicherungsmaßnahmen.

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