Berlin. Auf dem Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerks Berlin-Schöneweide entsteht ein neuer Bauhof für die Internationale Jugendbauhütte Berlin. Mit dem offiziellen Baustart am 17. August 2026 beginnt ein Projekt, das Denkmalschutz, traditionelles Handwerk, Nachwuchsförderung und nachhaltiges Bauen miteinander verbinden soll. Der Standort in Schöneweide besitzt selbst eine große industriegeschichtliche Bedeutung. Das ehemalige Bahnbetriebswerk steht für die Entwicklung der Berliner Eisenbahninfrastruktur im 19. Jahrhundert. Durch das Engagement der Dampflokfreunde Berlin wird die Anlage bis heute für ihre ursprüngliche Funktion genutzt: Historische Dampflokomotiven und Wagen werden dort eingestellt und repariert.
Die Jugendbauhütte arbeitet bereits seit 2020 gemeinsam mit den Dampflokfreunden am Erhalt der historischen Bausubstanz. Der ehemalige Wasserturm ist inzwischen fertiggestellt, weitere Arbeiten laufen an einem früheren Übernachtungs- und einem Dienstgebäude.
Werkstätten für traditionelles Handwerk
Mit dem neuen Bauhof sollen die Voraussetzungen für praktische Denkmalpflege deutlich verbessert werden. Geplant sind unter anderem Holz- und Metallwerkstätten, Restaurierungsbereiche und Räume für Seminare. Junge Freiwillige sollen dort den Umgang mit historischen Baustoffen erlernen und praktische Erfahrungen mit Holz, Stein, Glas und Metall sammeln. Dabei geht es nicht nur um den Erhalt einzelner Gebäude, sondern auch darum, handwerkliches Wissen weiterzugeben, das für die Restaurierung historischer Bausubstanz benötigt wird.
Bauhof selbst wird zum Beispiel für nachhaltiges Bauen
Bemerkenswert ist auch das Konzept des Neubaus. Das Gebäude soll selbst zeigen, wie sich Denkmalschutz und ressourcenschonendes Bauen miteinander verbinden lassen. Vorgesehen sind unter anderem wiederverwendete Fenster aus Rückbauprojekten. Für die Fassade des Erdgeschosses soll Konstruktionsholz aus dem rückgebauten Dachstuhl eines Gebäudes in Berlin-Wedding verwendet werden. Auch Wellblech aus einer Bauteilbörse soll erneut zum Einsatz kommen. Damit wird der Bauhof zu einem praktischen Beispiel für zirkuläres Bauen. Vorhandene Bauteile werden nicht einfach entsorgt, sondern erhalten eine neue Funktion. Das spart Ressourcen und reduziert Abfall.
Schöneweide soll überregionaler Bildungsstandort werden
Die neue Werkstatt ist nicht ausschließlich für die Berliner Jugendbauhütte gedacht. Die vorhandene Infrastruktur mit Unterkünften, Seminarräumen und Werkstätten soll künftig auch für Praxisseminare anderer Jugendbauhütten sowie für internationale Gruppen genutzt werden. Damit könnte sich das ehemalige Bahnbetriebswerk zu einem überregionalen Lern- und Arbeitsort für Denkmalpflege entwickeln. Historische Gebäude, traditionelle Handwerkstechniken und moderne Konzepte nachhaltigen Bauens treffen hier unmittelbar aufeinander.
Denkmalpflege mit Blick auf die Zukunft
Das Projekt zeigt zugleich einen grundsätzlichen Wandel in der Denkmalpflege. Der Erhalt historischer Gebäude wird zunehmend mit Fragen der Nachhaltigkeit verbunden. Reparieren, Weiterverwenden und Wiederaufbereiten vorhandener Bauteile können nicht nur historische Substanz bewahren, sondern auch Ressourcen schonen. In Berlin-Schöneweide entsteht damit mehr als eine Werkstatt: Der neue Bauhof soll ein Ort werden, an dem historische Bausubstanz erhalten, traditionelles Handwerk vermittelt und nachhaltiges Bauen praktisch erprobt wird.
