Bad Tennstedt. Das ehemalige Hospitalgebäude am historischen Ortsrand von Bad Tennstedt in Thüringen soll Schritt für Schritt wiederhergestellt und künftig öffentlich zugänglich gemacht werden. Für die notwendige Fachwerkinstandsetzung stellt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) 15.000 Euro zur Verfügung. Die Förderung wird durch Spenden sowie Mittel der treuhänderischen Elisabeth und Fritz Thayssen-Stiftung ermöglicht. Das denkmalgeschützte Ensemble besteht aus einem ehemaligen Krankenhausgebäude und einer freistehenden Kapelle. Beide Bauwerke weisen erhebliche Schäden auf. Die aktuelle Förderung soll dazu beitragen, die historische Bausubstanz zu sichern und damit die Grundlage für eine spätere Nutzung zu schaffen.
Aus Hospital soll ein öffentlicher Treffpunkt werden
Für das Gebäude gibt es bereits eine konkrete Zukunftsperspektive. Nach der Sanierung soll der historische Komplex wieder stärker für die Öffentlichkeit geöffnet werden. Geplant sind unter anderem ein Treffpunkt mit einer Ausstellung zur Geschichte des Leprosoriums, ein Besuchercafé sowie ein Blüh- und Kräutergarten. Damit soll aus dem bislang überwiegend abgeschlossenen Denkmal ein Ort werden, an dem Geschichte, Kultur und Begegnung miteinander verbunden werden. Die geplante Nutzung könnte dem Gebäude zugleich eine dauerhafte Perspektive geben. Gerade bei historischen Fachwerkbauten ist eine regelmäßige Nutzung ein wichtiger Bestandteil langfristiger Denkmalerhaltung.
Geschichte reicht bis ins Mittelalter zurück
Die Geschichte des Hospitalstandorts reicht weit zurück. In Bad Tennstedt bestand bereits im Mittelalter eine Badestube, die spätestens 1378 nachweisbar ist. Kapelle und Hospital werden in der Stadtchronik erstmals 1506 als Leprosorium beziehungsweise als Hospital außerhalb der Stadtmauern erwähnt. Der Standort war damit eng mit der Versorgung und Unterbringung kranker und hilfsbedürftiger Menschen verbunden. Im Laufe seiner Geschichte veränderte sich die Nutzung mehrfach. Aus dem Leprosorium wurde ein Siechenhaus, später ein Altersheim. Während der DDR-Zeit diente das Gebäude schließlich als Wohnhaus für mehrere Familien.
Fachwerkbau mit weitgehend erhaltener Grundstruktur
Das ehemalige Hospital präsentiert sich als zweigeschossiger, längsrechteckiger Fachwerkbau. Das Erdgeschoss ist massiv ausgeführt, darüber befindet sich das sichtbare Fachwerk. Abgeschlossen wird der Bau von einem Satteldach mit Betonsteindeckung und mehreren Schleppgauben. Charakteristisch sind die unterschiedlich angeordneten Fenster. Während im Erdgeschoss überwiegend hochrechteckige Sprossen-Doppelfenster zu finden sind, besitzt das Fachwerkobergeschoss kleinere, nahezu quadratische Fenster. Auch die beiden Giebelseiten zeigen die historische Gefachkonstruktion.
Trotz späterer Veränderungen ist die historische Grundstruktur des nach dem Stadtbrand von 1685 wiederaufgebauten Hospitalgebäudes weitgehend erhalten geblieben. Im Erdgeschoss fanden allerdings Mitte des 20. Jahrhunderts Umbau- und Instandhaltungsarbeiten statt.
Stadtbrand von 1685 prägte das heutige Gebäude
Der heutige Bauzustand geht wesentlich auf die Zeit nach dem verheerenden Stadtbrand von 1685 zurück. Damals mussten Kirche und Hospital neu errichtet beziehungsweise wiederaufgebaut werden. Das Gebäude ist damit nicht nur ein Zeugnis der regionalen Baugeschichte. Als ehemaliges Hospital dokumentiert es zugleich die Entwicklung des Gesundheits- und Sozialwesens über mehrere Jahrhunderte. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bezeichnet das Bauwerk deshalb als Zeugnis lokaler und überregionaler Medizingeschichte.
Denkmalpflege bewahrt seltenes Zeugnis der Medizingeschichte
Der Erhalt des ehemaligen Hospitals ist vor diesem historischen Hintergrund besonders bedeutsam. Nur wenige Gebäude können die wechselvolle Entwicklung von mittelalterlicher Krankenversorgung über die Nutzung als Siechenhaus und Altersheim bis hin zur späteren Wohnnutzung derart anschaulich dokumentieren. Die geplante Sanierung soll deshalb nicht nur die Fassade und das Fachwerk bewahren. Entscheidend ist vielmehr, die historische Substanz als Grundlage für eine neue Nutzung zu erhalten. Mit Ausstellung, Café und Garten könnte das ehemalige Hospital künftig selbst zum Vermittlungsort seiner eigenen Geschichte werden.
