Sassenberg. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt die Sanierung der historischen Burgmauer von Haus Harkotten in Sassenberg mit 10.000 Euro. Die Förderung soll den Abtrag und den anschließenden Wiederaufbau des Mauerwerks ermöglichen. Damit erhält die denkmalgeschützte Doppelschlossanlage im Kreis Warendorf weitere Unterstützung für den Erhalt ihrer jahrhundertealten Bausubstanz. Die Ursprünge von Haus Harkotten reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Damals ließ Ritter Heinrich III. von Korff eine zweiflügelige Wasserburg errichten. Als der Besitz 1334 unter seinen Nachkommen aufgeteilt wurde, entstanden zwei Familienlinien, deren Geschichte sich bis heute in der außergewöhnlichen Doppelschlossanlage widerspiegelt.
Auf zwei Inseln befinden sich die beiden Schlösser, ergänzt durch historische Wirtschaftsgebäude, Parkanlagen, Wiesen, Waldflächen und eine Kapelle. Das Ensemble dokumentiert damit nicht nur die Entwicklung adeliger Wohnsitze, sondern auch den Wandel westfälischer Architektur über mehrere Jahrhunderte.
Zwei Schlösser, zwei architektonische Epochen
Der östliche Teil der Anlage gelangte an die Familie von Ketteler. Nachdem die mittelalterliche Burg baufällig geworden war, wurde sie Mitte des 18. Jahrhunderts abgebrochen und durch ein barockes Schloss ersetzt. Der nach Plänen von Johann Leonhard Mauritz Gröninger errichtete Bau wurde 1768 fertiggestellt. Auf der westlichen Insel ließ die Familie von Korff zwischen 1804 und 1806 ein klassizistisches Schloss nach Entwürfen des Düsseldorfer Architekten Adolf von Vagedes errichten. Das Gebäude entstand auf den Fundamenten des älteren Burghauses und prägt das historische Erscheinungsbild des Anwesens bis heute.
Auch die Schlosskapelle besitzt besondere kunsthistorische Bedeutung. Neun barocke Ornament- und Wappenscheiben stammen aus dem Jahr 1665. Solche Glasmalereien sind in Westfalen nur noch selten erhalten.
Denkmalpflege mit vielen Einzelprojekten
In den vergangenen Jahren wurden auf Haus Harkotten bereits zahlreiche Sanierungsmaßnahmen umgesetzt. Dazu gehörten Arbeiten an Fundamenten und Kellergeschossen, an Dächern und Fassaden sowie die Restaurierung historischer Fenster und Wandmalereien. Auch die Gutsküche und die Kapelle wurden instand gesetzt. Die nun geförderte Burgmauer ist ein weiterer Baustein dieser langfristigen Erhaltungsarbeit. Der geplante Abtrag und Wiederaufbau soll dazu beitragen, die historische Substanz zu sichern. Die Förderung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wird durch Spenden sowie Mittel der Lotterie GlücksSpirale ermöglicht.
Historisches Erbe bleibt erlebbar
Haus Harkotten ist heute nicht nur ein architektonisches Zeugnis adeliger Geschichte, sondern auch ein Ort für Führungen, Konzerte und weitere öffentliche Veranstaltungen. Die Anlage beteiligt sich regelmäßig am Tag des offenen Denkmals und macht damit die Baugeschichte einem breiteren Publikum zugänglich. Die Förderung zeigt, dass Denkmalpflege häufig aus vielen einzelnen Maßnahmen besteht. Nicht allein die repräsentativen Schlösser, sondern auch Mauern, Nebengebäude und historische Details müssen erhalten werden, damit das Ensemble als Ganzes bestehen bleibt. Für Haus Harkotten ist die Unterstützung ein weiterer Schritt, um die Geschichte der Anlage auch kommenden Generationen zu bewahren.
