Windmühle Wardböhmen: Historische Kappe soll zurückkehren

Foto: Radler59/CC BY-SA 4.0
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Wardböhmen. Jahrzehntelang stand die Windmühle im niedersächsischen Wardböhmen ohne Flügel da. Auch ihre marode Mühlenkappe musste vor einigen Jahren abgenommen werden. Nun gibt es weitere Unterstützung für die Rettung des technischen Denkmals: Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellt 50.000 Euro für die Instandsetzung der Kappe bereit. Damit rückt das langfristige Ziel näher, die historische Windmühle wieder als funktionstüchtige Schaumühle erlebbar zu machen.

Ein technisches Denkmal mit langer Geschichte

Die Windmühle steht am westlichen Ortsrand von Wardböhmen, einem Ortsteil der Stadt Bergen im Landkreis Celle. Errichtet wurde der sogenannte Erdholländer in den Jahren 1877 und 1878 durch den Mühlenbauer Behn aus Lehrte. Auftraggeber war der Müller Rabe aus Krelingen. Der Mühlentyp zeichnet sich durch eine ebenerdig stehende Bauweise und eine drehbar gelagerte Kappe aus. Die Flügel reichen vergleichsweise weit nach unten, sodass die Segel vom Boden aus an den Flügelruten befestigt werden konnten. Das markante Gebäude besitzt einen mächtigen, verputzten und schwarz gestrichenen Backsteinachtkant auf einem gemauerten Sockel.

In den 1880er-Jahren übernahm Heinrich Friedrich Otto Röper aus Seppensen den Mühlenbetrieb. Unter seiner Verantwortung erhielt die Anlage eine Windrose, die dafür sorgte, dass sich die Kappe automatisch nach der Windrichtung ausrichtete. Ab den 1920er-Jahren ergänzte ein Motor den Windbetrieb. 1923 entstand dafür eine separate Motormühle, die gemeinsam mit der Windmühle ein bemerkenswertes technikgeschichtliches Ensemble bildet.

Sturm zerstörte den Windantrieb

Ein schwerer Rückschlag ereignete sich 1951: Ein Sturm zerstörte die Flügel und den Windantrieb. Die Mühle verlor damit ihre ursprüngliche Funktion als Windkraftanlage. Der gewerbliche Mahlbetrieb wurde 1975 endgültig eingestellt. Für den Eigenbedarf wurde in Wardböhmen allerdings noch bis 1990 Getreide geschrotet.

Trotz der fehlenden Flügel blieb ein erheblicher Teil der historischen Mühlentechnik im Inneren erhalten. Besonders bemerkenswert ist der Antrieb der Mahlgänge in englischer Bauart. Eine stählerne Königswelle und ein gusseisernes Getriebe übertragen dabei die Kraft im Oberantrieb auf die Mahlgänge. Diese technische Ausstattung verleiht dem Gebäude einen besonderen Stellenwert für die Mühlen- und Wirtschaftsgeschichte der Region. Die Windmühle steht seit dem 13. Juni 1988 unter Denkmalschutz. Auch die Motormühle von 1923 wurde 2023 in die Denkmalliste aufgenommen.

Förderverein kämpft für die Rettung

Um die zunehmend gefährdete historische Bausubstanz zu sichern und eine langfristige Wiederinbetriebnahme vorzubereiten, gründete sich am 15. Mai 2023 der Verein zur Förderung und Erhaltung der Windmühle in Wardböhmen. Die Mitglieder verfolgen das Ziel, die Anlage schrittweise zu sanieren und ihre historische Technik wieder funktionsfähig zu machen.

Noch im Juli 2023 musste die marode Mühlenkappe aus statischen und baulichen Gründen abgenommen und gesichert werden. Seitdem schützt ein provisorisches Notdach den Mühlenturm vor Witterungseinflüssen. Damit war zwar zunächst die Gebäudesubstanz gesichert, doch für eine Wiederherstellung des ursprünglichen Erscheinungsbildes und der technischen Funktion blieb noch viel zu tun.

50.000 Euro für die Wiederherstellung der Kappe

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt das Vorhaben nun mit 50.000 Euro. Die Förderung wird durch private Spenden sowie Erträge der Lotterie GlücksSpirale ermöglicht. Das Geld ist für die Wiederherstellung der Mühlenkappe vorgesehen – einschließlich Flügelwelle und Kammrad. Dabei sollen vorhandene historische Bauteile möglichst weiterverwendet werden.

Zum aktuellen Bauabschnitt gehören außerdem die Instandsetzung der Windrose und des Windrosenbocks, der Austausch schadhafter Fachwerkhölzer sowie eine neue Eindeckung der Kappe. Ziel ist es, möglichst viel historische Substanz zu bewahren und zugleich die Voraussetzungen für eine spätere Wiederinbetriebnahme zu schaffen.

Schritt für Schritt zurück zur Schaumühle

Mit der Wiederherstellung der Kappe ist das Sanierungsprojekt noch nicht abgeschlossen. In weiteren Bauabschnitten sollen unter anderem die Flügel und die Windrose wiederhergestellt sowie das Antriebswerk mit einem Mahlgang und den notwendigen Nebeneinrichtungen rekonstruiert werden. Neben erhaltenen Originalteilen sollen dabei auch historische Bauteile aus anderen Mühlen Verwendung finden.

Langfristig soll in Wardböhmen eine funktionstüchtige Schaumühle entstehen. Besucher sollen dort die historische Technik kennenlernen und nachvollziehen können, wie aus Getreide Mehl wurde. Die Kombination aus Windmühle und Motormühle bietet dafür eine besondere Grundlage: Sie dokumentiert den technischen Wandel vom traditionellen Windbetrieb hin zur motorisierten Getreideverarbeitung.

Die Förderung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist deshalb mehr als eine finanzielle Unterstützung für ein einzelnes Bauteil. Sie ist ein wichtiger Schritt, um ein seltenes technisches Denkmal vor dem Verlust zu bewahren und seine Geschichte künftig wieder erlebbar zu machen.

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