Villa Monheim mit Bundespreis ausgezeichnet

Villa vor der Sanierung. Foto: ArthurMcGill/CC BY 3.0
Villa vor der Sanierung. Foto: ArthurMcGill/CC BY 3.0

Aachen. Jahrzehntelang war die Villa Monheim dem Verfall preisgegeben, heute erstrahlt das historische Anwesen wieder in neuem Glanz. Für die aufwendige Restaurierung des schwer geschädigten Baudenkmals in Aachen sind Eigentümerin und Architektin Jenna Prahl und ihr Mann Robert mit dem Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege ausgezeichnet worden. Das Projekt zeigt, wie viel Fachwissen, Ausdauer und handwerkliche Präzision notwendig sind, um historische Bausubstanz vor dem Verlust zu bewahren.

Sommerresidenz eines Aachener Schokoladenfabrikanten

Die Villa Monheim am Muffeter Weg wurde 1873 für den Aachener Schokoladenfabrikanten Leonard Monheim als Sommerresidenz errichtet. Das repräsentative Gebäude entstand in der Gründerzeit und spiegelte den Wohlstand des aufstrebenden Bürgertums wider. Mit seinen historischen Innenräumen, dekorativen Details und der markanten Loggia ist es ein bedeutendes Zeugnis der Aachener Bau- und Wirtschaftsgeschichte.

Später nutzte die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen das Gebäude als Institut für Elektrotechnik. Dabei verschwanden zahlreiche historische Elemente hinter späteren Einbauten und Verkleidungen. Nach dem Ende der Nutzung stand die Villa zwölf Jahre leer. Feuchtigkeit, bauliche Schäden und unsachgemäße Veränderungen gefährdeten zunehmend ihren Bestand.

Verborgene Schätze hinter Tapeten und Linoleum

Als Jenna und Robert Prahl das Gebäude übernahmen, begann eine aufwendige Bestandsaufnahme. Die Architektin und ihr Mann, die bereits zahlreiche historische Gebäude saniert hatten, zogen für das Projekt sogar nach Aachen. Während der Arbeiten kamen wertvolle Details zum Vorschein: historische Wandverzierungen, Gründerzeitfliesen und ursprüngliche Raumstrukturen, die im Laufe der Jahrzehnte überdeckt worden waren.

Besonders eindrucksvoll war die Wiederherstellung der Loggia. Sie war in den 1970er-Jahren zugemauert worden, um zusätzliche Büroräume zu schaffen. Durch ihre Freilegung konnte ein prägendes Element der ursprünglichen Architektur zurückgewonnen werden. Auch die Dienstbotentreppe blieb erhalten – ein unscheinbares Detail, das viel über die Organisation und den Alltag eines großbürgerlichen Haushalts erzählt.

Mehr als 30 Handwerksbetriebe waren an der Sanierung beteiligt. Maurer, Steinmetze, Dachdecker, Tischler, Maler, Fliesenleger, Elektriker und Glaser arbeiteten daran, historische Substanz zu erhalten und notwendige technische Erneuerungen mit dem Charakter des Gebäudes in Einklang zu bringen.

Bundespreis würdigt die aufwendige Denkmalpflege

Am 13. Oktober 2026 wurde die Villa Monheim in Düsseldorf mit dem zweiten Preis des Bundespreises für Handwerk in der Denkmalpflege ausgezeichnet. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und der Zentralverband des Deutschen Handwerks würdigten damit den Mut und die fachliche Qualität, mit denen ein stark geschädigtes Denkmal für die Zukunft gesichert wurde.

Die Auszeichnung ist zugleich eine Anerkennung für die beteiligten Handwerksbetriebe. Gerade bei historischen Gebäuden lassen sich Schäden und frühere Veränderungen nicht immer im Voraus vollständig erkennen. Häufig sind individuelle Lösungen gefragt, die traditionelle Techniken mit modernen Anforderungen verbinden. Die Villa Monheim gilt damit als Beispiel für eine Restaurierung, bei der nicht nur die äußere Erscheinung, sondern auch die historische Vielschichtigkeit des Gebäudes berücksichtigt wurde.

Denkmalpflege endet nicht an der Haustür

Auch der Garten gehört zur Geschichte des Anwesens. Eine rund 150 Jahre alte Blutbuche, die Leonard Monheim pflanzen ließ, prägt das Grundstück. Der Baum ist inzwischen selbst ein Naturdenkmal und wird von einer Pilzerkrankung beeinträchtigt. Seine Pflege ist Teil der weiteren Bemühungen, das historische Gesamtbild zu erhalten.

Die Rettung der Villa Monheim zeigt, dass Denkmalschutz mehr bedeutet als die Bewahrung einer schönen Fassade. Erst die sorgfältige Auseinandersetzung mit der Baugeschichte, die Freilegung verborgener Details und die Zusammenarbeit verschiedener Gewerke machen es möglich, ein historisches Gebäude wieder als Ganzes erlebbar zu machen. Aus einem gefährdeten Leerstand ist so ein Beispiel dafür geworden, wie private Initiative und qualifiziertes Handwerk kulturelles Erbe sichern können.

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