Wien/Favoriten. Eine historische Lokhalle auf dem ehemaligen Bahnareal in Wien-Favoriten erhält eine neue Nutzung. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) lassen die rund 165 Jahre alte Inventarhalle am Neuen Landgut umfassend sanieren und zu einem Bürogebäude umbauen. Die historische Backsteinfassade bleibt erhalten, während das Innere grundlegend erneuert wird. Bis Ende März 2028 sollen mehr als 3.300 Quadratmeter Bürofläche entstehen.
Vom Eisenbahnwerk zur Arbeitswelt
Die Inventarhalle wurde um 1860 als Werkstätte für die Lokomotiv- und Waggonfertigung errichtet. Das Backsteingebäude gehört damit zu den historischen Zeugnissen der Eisenbahngeschichte Wiens. Über Jahrzehnte war das Areal von der Bahninfrastruktur geprägt; heute entsteht dort ein neues Stadtquartier. Im Zuge der aktuellen Arbeiten wird das Gebäude im Inneren entkernt und generalsaniert. Die charakteristische Backsteinfassade soll dagegen bewahrt werden. Damit verfolgen die ÖBB einen Ansatz, der historische Industriearchitektur mit einer zeitgemäßen Nutzung verbindet. Für die künftigen Büroflächen werden bereits Interessenten gesucht.
Nachhaltigkeit und neue Nutzung
Bei der Sanierung streben die ÖBB eine Gold-Zertifizierung der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI) an. Ein entsprechendes Vorzertifikat wurde Anfang Oktober 2026 auf der Immobilienmesse Expo Real in München überreicht. Die Umgestaltung der Lokhalle ist Teil eines umfassenderen Wandels am Neuen Landgut. Auf dem ehemaligen Bahnareal nahe dem Wiener Hauptbahnhof entstehen Wohnungen, Bildungsangebote, Grünflächen und neue Arbeitsplätze. Insgesamt sind rund 1.500 Wohnungen vorgesehen. Der Bildungscampus und der Walter-Kuhn-Park sind bereits fertiggestellt; weitere Wohnprojekte sollen bis 2028 folgen.
Historische Bausubstanz bleibt Teil des neuen Quartiers
Die Inventarhalle ist nicht das einzige historische Gebäude, das auf dem Areal eine neue Funktion erhält. Auch die benachbarte Gösserhalle wird umgebaut. In dem früheren Lagergebäude der Brauerei Gösser sind Büros im Obergeschoss und Gastronomie im Erdgeschoss geplant. Die beiden Gebäude stehen beispielhaft für den Umgang mit ehemaligen Industrie- und Bahnbauten in wachsenden Städten. Statt die historische Substanz vollständig zu beseitigen, bleiben markante Fassaden erhalten und werden in neue Nutzungskonzepte integriert. So soll die Vergangenheit des Standorts auch im künftigen Stadtbild ablesbar bleiben.
Vom Bahnstandort zum urbanen Stadtquartier
Mit dem Umbau der Inventarhalle verschwindet ein weiteres Stück der ursprünglichen Bahnnutzung – zugleich bleibt ein bauliches Zeugnis dieser Geschichte erhalten. Entscheidend wird sein, ob die Sanierung den Charakter des Gebäudes bewahrt und die historische Architektur nicht lediglich zur Kulisse für moderne Büroflächen macht. Das Neue Landgut zeigt, wie sich innerstädtische Brachflächen verändern: Aus einem ehemaligen Betriebsareal entsteht ein gemischt genutztes Quartier. Die alte Lokhalle erhält dabei eine neue Aufgabe, ohne ihre historische Herkunft vollständig zu verlieren.
