Fördermittel für die Rettung des VT 18.16

Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Mittring
Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Mittring

Chemnitz-Kappel. In Chemnitz-Kappel steht ein außergewöhnliches Zeugnis der ostdeutschen Eisenbahngeschichte vor der Sanierung. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellt 30.000 Euro für die Instandsetzung und Sicherung des historischen Triebzugs VT 18.16.03 bereit. Der vierteilige Schnelltriebzug steht auf dem Gelände des heutigen Solaris Technologie- und Gewerbeparks und soll als sichtbares Bindeglied zwischen der industriellen Vergangenheit des Standorts und seiner heutigen Nutzung erhalten bleiben. Die Förderung kommt dem Fahrzeugkörper zugute. Unter anderem müssen Schäden an Fenstern, Blechdach, Lackierung und Fahrzeugboden behoben werden. Auch die Innenverkleidung, technische Installationen und die historische Innenausstattung sind betroffen. Zusätzlich sollen vorhandene Graffiti entfernt werden.

Schnellzug war einst ein Aushängeschild der DDR

Der VT 18.16 gehört zu einer Baureihe, die vor rund 60 Jahren vom damaligen VEB Waggonbau Görlitz entwickelt wurde. Insgesamt entstanden acht Serienzüge des Typs. Die eleganten Schnellverkehrstriebzüge der Bauart „Görlitz“ gehörten seinerzeit zu den hochwertigsten Reisezügen der Deutschen Reichsbahn und galten als internationales Aushängeschild des ostdeutschen Schienenfahrzeugbaus. Der heute in Chemnitz erhaltene Zug ist dabei kein gewöhnliches Exemplar. Der VT 18.16.03 wurde im Mai 1966 in Dienst gestellt und später zu einem sogenannten Jugendklubzug umgebaut. Unter dem Namen „Ernst Thälmann“ wurde der Zug zu einem rollenden Veranstaltungsort.

Vom Schnelltriebzug zum rollenden Jugendklub

Nach seinem Einsatz im regulären Reiseverkehr erhielt der Triebzug eine ungewöhnliche zweite Karriere. Von Mai 1985 bis Dezember 1989 war er Bestandteil des staatlich gelenkten Zentralen Jugendobjekts „Streckenelektrifizierung“. Der Zug war dabei nicht nur stationär im Einsatz. Er begleitete die umfangreichen Elektrifizierungsarbeiten an den Eisenbahn-Hauptstrecken rund um Berlin und wurde damit zu einem mobilen Bestandteil eines bedeutenden Infrastrukturprojekts der DDR. Diese Nutzung macht den VT 18.16.03 zu einem besonderen historischen Dokument. Er steht nicht allein für die Entwicklung des Schienenfahrzeugbaus, sondern erzählt zugleich von Arbeitswelt, Verkehrspolitik und gesellschaftlichen Strukturen der DDR.

1992 kam der Zug nach Chemnitz

Ende 1989 wurde der Triebzug aus seinem bisherigen Einsatz genommen und zunächst in Berlin-Rummelsburg abgestellt. Damit schien seine Zukunft zunächst ungewiss. Im September 1992 erwarb die Solaris Energie- und Umwelt-Beteiligungs-GmbH das Fahrzeug von der Deutschen Reichsbahn. Nach der Besichtigung am Berliner Abstellort wurde der vierteilige Zug noch im selben Jahr auf dem Schienenweg nach Chemnitz überführt, wo seine Aufarbeitung vorgesehen war. Die Überführung steht zugleich im Zusammenhang mit dem tiefgreifenden Wandel des heutigen Solaris-Areals.

Vom Fettchemie-Werk zum Technologiepark

Bis 1991 befanden sich auf dem Gelände in Chemnitz-Kappel die traditionsreichen Fettchemie-Werke. Nach deren Stilllegung wurde das Areal von der Stuttgarter IN-Bau GmbH übernommen. Ab 1992 folgten Abrissarbeiten, die Beseitigung von Umweltaltlasten und die Entwicklung eines neuen Technologie- und Gewerbeparks. Heute ist der Standort unter dem Namen Solaris bekannt. Die Lage direkt an der Bahnstrecke Dresden–Werdau und am Containerbahnhof Kappel bot dafür günstige Voraussetzungen. Schon das frühere Chemnitzer Unternehmen verfügte über eine eigene Anschlussbahn und damit über eine leistungsfähige Schienenanbindung. Der historische Triebzug sollte bewusst in die Umgestaltung des Areals einbezogen werden. Er sollte an die industrielle Vergangenheit erinnern und gleichzeitig Bestandteil des neuen Standorts werden.

Denkmal zwischen Industriegeschichte und Zukunft

Gerade diese Verbindung macht den VT 18.16.03 zu einem ungewöhnlichen Denkmal. Das Fahrzeug steht heute nicht mehr für einen aktiven Eisenbahnbetrieb, sondern für die Geschichte eines Industriestandorts, der sich grundlegend verändert hat. Mit seiner Erhaltung soll ein sichtbares Zeichen dafür bestehen bleiben, dass der Wandel des Areals nicht mit dem vollständigen Verschwinden seiner Vergangenheit einhergehen muss. Der historische Triebzug übernimmt damit eine Art Erinnerungsfunktion innerhalb des modernen Gewerbeparks.

Sanierung soll historischen Zustand sichern

Die nun zugesagte Förderung ist ein wichtiger Schritt, um den Bestand des Fahrzeugs langfristig zu sichern. Im Mittelpunkt stehen zahlreiche Arbeiten an der Karosserie und den erhaltenen Bauteilen. Dabei geht es nicht nur um die äußere Erscheinung: Auch technische Installationen und die historische Innenausstattung gehören zur erhaltenswerten Substanz. Die Beseitigung der Graffiti ist ebenfalls Teil der Maßnahme. Gerade bei einem historischen Fahrzeug können solche Eingriffe die originale Oberfläche beschädigen und den Restaurierungsaufwand zusätzlich erhöhen.

Mit der Sanierung des VT 18.16.03 soll deshalb nicht nur ein außergewöhnlicher Zug erhalten werden. Bewahrt wird zugleich ein Stück sächsischer Industriegeschichte und ein Zeitzeuge des Eisenbahnverkehrs der DDR.

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