Die Westerplatte, eine schmale Halbinsel zwischen Ostsee und Hafenkanal bei Danzig, ist nicht nur geographisch ein markanter Punkt, sondern auch ein geschichtsträchtiger Ort von internationaler Bedeutung. Hier begann mit dem deutschen Angriff am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Heute ist die Westerplatte ein nationales Symbol Polens für Widerstand und Mut.
Die Entstehung der Westerplatte geht auf Sandablagerungen an der ehemaligen Weichselmündung zurück. Durch eine natürliche Umlenkung des Flusses entstand im 19. Jahrhundert ein neues Mündungsdelta, wodurch die heutige Halbinsel entstand. Später wurde der alte Weichselarm zum Hafenkanal ausgebaut, was der Westerplatte ihre heutige Lage zwischen Meer und Binnenwasser bescherte.

Schon im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Westerplatte zu einem beliebten Ostseebad. Danziger Bürgerinnen und Bürger nutzten den langen Strand, den Kurpark und die Heilanstalt. Dampfer, Straßenbahnen und Fähren sorgten für die Anbindung an die Stadt. Diese friedliche Nutzung endete in den 1920er-Jahren mit der politischen Neuordnung Europas nach dem Ersten Weltkrieg.
Militärischer Brennpunkt in der Freien Stadt Danzig
Nach dem Polnisch-Sowjetischen Krieg (1919–1921) kam es zu Spannungen zwischen Polen und der Freien Stadt Danzig. Aufgrund der Verweigerung der Entladung von Kriegsmaterial durch Danziger Hafenarbeiter forderte Polen ein eigenes Munitionsdepot. Der Völkerbund gestand Polen 1924 die Nutzung der Westerplatte zu, was den Danziger Senat empörte. Gegen dessen Widerstand entstand ein militärisch gesichertes Munitionslager auf dem Gelände des ehemaligen Ostseebads.
Trotz klarer Vorgaben zur Truppenstärke auf dem Gelände kam es wiederholt zu Spannungen, etwa bei einem polnisch-britischen Flottenbesuch 1932 oder der illegalen Verstärkung der Garnison 1933. Polen nutzte diese Maßnahmen, um politischen Druck auszuüben – auch als Reaktion auf die zunehmend nationalsozialistisch beeinflusste Politik in Danzig.

Der Angriff am 1. September 1939
Die Westerplatte wurde militärisch ausgebaut, zunächst inoffiziell, später unter Missachtung der Vorgaben des Völkerbunds. Der Höhepunkt ihrer militärischen Bedeutung kam mit dem deutschen Angriff: Am frühen Morgen des 1. September 1939 eröffnete das Schlachtschiff Schleswig-Holstein das Feuer auf die polnische Garnison. Dies markiert den Beginn des Zweiten Weltkriegs.
Trotz massiver Überlegenheit der Angreifer, darunter schwere Schiffsgeschütze, Luftangriffe und Angriffe von Landseite durch die SS-Heimwehr Danzig, verteidigten rund 180 polnische Soldaten die Westerplatte sieben Tage lang. Die Verluste auf polnischer Seite waren vergleichsweise gering, doch die symbolische Wirkung ihrer Standhaftigkeit war enorm. Selbst deutsche Offiziere zollten bei der Kapitulation Respekt – dem Kommandanten Major Henryk Sucharski wurde sogar der Säbel belassen.
Nachkriegsgedenken und heutige Bedeutung
Nach dem Krieg wurde die Verteidigung der Westerplatte zu einem zentralen Symbol des polnischen Widerstands gegen die deutsche Besatzung. 1966 entstand das weithin sichtbare Westerplatte-Denkmal, das an die Verteidiger erinnert. Die Ruinen der Kaserne, ein Museum und zahlreiche Schautafeln informieren heute über die Geschehnisse von 1939. Das Gelände ist eine nationale Gedenkstätte.

Ein sowjetischer T-34-Panzer, der lange Zeit Teil der Ausstellung war, wurde 2007 entfernt – er hatte keine Verbindung zu den Ereignissen von 1939. Lediglich zwei Turmteile erinnern noch an seine einstige Präsenz.
Die Westerplatte ist heute nicht nur ein Ort der Erinnerung, sondern auch Mahnung für die Zukunft – gegen Krieg, für Frieden und internationale Verständigung.
