Ein markantes Industriedenkmal bekommt neues Leben: Der historische Wasserturm am Wiener Nordbahnhof wird bis Mitte 2026 zu einem Café mit Gastgarten umgebaut. Mit dem offiziellen Spatenstich haben ÖBB, Stadt Wien und Bezirk diese Woche den Startschuss für ein Projekt gegeben, das Geschichte, Stadtentwicklung und Gastronomie miteinander verbindet. Der denkmalgeschützte Backsteinturm aus dem späten 19. Jahrhundert soll künftig als kultureller Treffpunkt für das rasant wachsende Nordbahnviertel dienen.
Neue Nutzung für ein altes Wahrzeichen
Der 1890 errichtete Wasserturm war einst Teil der technischen Infrastruktur des Nordbahnhofs. Künftig soll er ein Ort der Begegnung werden. Geplant ist ein Café mit rund 45 Sitzplätzen im Inneren auf etwa 114 Quadratmetern. Im angrenzenden Gastgarten sollen auf rund 200 Quadratmetern weitere 70 Plätze entstehen. Das gastronomische Angebot wird bewusst niederschwellig angelegt – mit Frühstück, kleinen Speisen und Getränken. Ergänzt wird das Konzept durch konsumfreie Bereiche, die den Turm auch ohne Konsumzwang zugänglich machen sollen.
Wer den Betrieb übernehmen wird, steht noch nicht fest. Die Suche nach einem passenden Pächter läuft, das kulinarische Profil soll später in enger Abstimmung mit dem Standort entwickelt werden.
Sanierung unter Denkmalschutz
Die Revitalisierung erfolgt unter strengen denkmalrechtlichen Vorgaben. Die charakteristische Ziegelfassade des Turms bleibt vollständig erhalten. Geplant sind unter anderem eine behutsame Fassadenreinigung, die Sanierung der historischen Fenster sowie eine Unterkellerung, um Platz für Technik- und Versorgungsräume zu schaffen. Generalunternehmer ist die Böhm BiB GmbH, die Baukosten belaufen sich auf rund 2,57 Millionen Euro.
Ein besonderes Augenmerk gilt den vier allegorischen Figuren im oberen Bereich des Turms. Sie stellen die Städte Wien, Brünn, Olmütz und Krakau dar und waren früher ein prägendes Element des Nordbahnhofs. Im Zuge der Sanierung sollen sie wieder sichtbar und zugänglich gemacht werden.
Historischer Anker im neuen Stadtviertel
Der Wasserturm liegt am Rand der sogenannten „Freien Mitte“, einer rund zehn Hektar großen Grünfläche, die das Herz des entstehenden Nordbahnviertels bildet. In dem Stadtentwicklungsgebiet sollen langfristig etwa 22.000 Menschen wohnen und rund 20.000 Arbeitsplätze entstehen. In diesem Umfeld übernimmt der Turm eine besondere Rolle: als identitätsstiftender Ort, der industrielle Vergangenheit und moderne Stadtentwicklung miteinander verbindet.
Für die ÖBB ist das Projekt Teil einer größeren Strategie. Das Unternehmen tritt hier nicht nur als Infrastrukturbetreiber, sondern auch als aktiver Stadtentwickler auf. Durch die getrennte Vergabe von Bauarbeiten und Gastronomiebetrieb sollen sowohl die bauliche Qualität als auch ein langfristig tragfähiges Nutzungskonzept gesichert werden.
Mit dem Umbau des Wasserturms entsteht damit nicht nur ein neues Café, sondern ein sichtbares Zeichen dafür, wie historische Bausubstanz in einer wachsenden Stadt sinnvoll weitergenutzt werden kann.
