Karlsruhe. Sie stehen für Leerstand, Verfall und verschwundene Nutzungen – und faszinieren gerade deshalb: Lost Places in Karlsruhe. Das Stadtmuseum widmet den vergessenen und inzwischen teilweise verschwundenen Orten der Fächerstadt derzeit eine eigene Ausstellung. Im Oktober führen zwei Veranstaltungen noch einmal durch diese besondere Seite der Karlsruher Stadtgeschichte.
Fotografien bewahren, was längst verschwunden ist
Im Mittelpunkt der Sonderausstellung „Lost Places in Karlsruhe. Fotografien von Harald Wacker“ stehen Orte, die heute nicht mehr existieren oder inzwischen völlig anders genutzt werden. Der Fotograf hat verlassene Hallen, leerstehende Räume und aufgegebene Einrichtungen dokumentiert und damit Zustände festgehalten, die andernfalls unwiederbringlich verloren wären.
Zu sehen sind unter anderem Aufnahmen des ehemaligen Tullabads, des Ausbesserungswerks der Deutschen Bahn sowie der früheren Seifenfabrik F. Wolff & Sohn. Die Bilder zeigen dabei nicht nur marode Gebäude. Sie erzählen von Arbeitsplätzen, Freizeit, Produktion und dem Alltag früherer Generationen.
Zwischen Rost, Staub und Erinnerung
Gerade die Ästhetik des Verfalls steht bei der Ausstellung im Mittelpunkt. Zerbrochene Fensterscheiben, leere Flure und zurückgelassene Räume werden zu fotografischen Zeitzeugen. Was einst alltäglich war, erscheint aus heutiger Sicht fremd und beinahe surreal.
Ergänzt werden die Fotografien durch historische Objekte aus der Sammlung des Stadtmuseums. Sie stammen aus den ehemaligen Orten oder wurden dort hergestellt. So entsteht eine Verbindung zwischen den Bildern und den Menschen, die diese Gebäude einst mit Leben füllten.
Führung durch die verlorenen Orte Karlsruhes
Am Sonntag, 18. Oktober 2026, um 15 Uhr führt Judith Göhre durch die Sonderausstellung im Stadtmuseum. Dabei geht es um die fotografische Arbeit Harald Wackers und um die Geschichten hinter den verschwundenen Orten.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Führung ist kostenlos beziehungsweise im Eintrittspreis enthalten. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, den Escape-Raum „Der letzte Badetag“ zu besuchen, der sich mit der Geschichte des ehemaligen Tullabads beschäftigt.
Telefonführung nimmt die Industriegeschichte in den Blick
Eine zweite Veranstaltung folgt am Samstag, 31. Oktober, um 13 Uhr. Bei der kostenlosen Telefonführung „Tabak, Malz und Seife“ geht es um ehemalige Produktionsstandorte, an denen einst unter anderem Bier, Tabakwaren und Kosmetik hergestellt wurden. Das barrierefreie Angebot ermöglicht die Teilnahme von zu Hause aus. Eine Anmeldung ist bis zum 30. Oktober erforderlich.
Lost Places sind mehr als verlassene Gebäude
Die Karlsruher Ausstellung zeigt damit eine Seite der Lost-Places-Kultur, die über den bloßen Reiz verfallener Architektur hinausgeht. Jeder aufgegebene Ort erzählt eine Geschichte – und manchmal verschwindet nicht nur ein Gebäude, sondern gleich ein Stück Stadtgedächtnis.
Fotografien können diesen Verlust zwar nicht verhindern. Sie können aber dokumentieren, was einmal da war. In Karlsruhe wird genau daraus eine Ausstellung: aus dem Verfall wird Erinnerung, aus vergessenen Orten wird Stadtgeschichte.
