Diskussionsabend zur Ostmoderne in Berlin

Berlin. Wie soll mit den baulichen Zeugnissen der DDR umgegangen werden? Diese Frage steht im Mittelpunkt eines Gesprächsabends in der Mark-Twain-Bibliothek in Berlin-Marzahn. Unter dem Titel „Wie wollen wir leben?“ geht es am 23. März 2026 um den Erhalt von Gebäuden, die von der Geschichte Ostdeutschlands erzählen. Im Zentrum steht der Kulturpalast des VEB Maxhütte Unterwellenborn in Thüringen. Das Gebäude steht bereits seit 1987 unter Denkmalschutz, wird jedoch seit Jahren nicht mehr genutzt und verfällt zunehmend. Damit steht der Bau exemplarisch für die schwierige Frage, wie mit dem baulichen Erbe der DDR umgegangen werden soll.

Der Berliner Verleger und Fotograf Christoph Liepach stellt bei der Veranstaltung seinen Bildband „Max braucht Gesellschaft“ vor. Darin beschäftigt er sich fotografisch mit dem Kulturpalast und seiner besonderen architektonischen und gesellschaftlichen Bedeutung. Liepach stammt aus Thüringen und setzt sich seit Jahren mit der Architektur seiner Heimat auseinander. Sein fotografisches Interesse gilt dabei unter anderem den industriell geprägten Regionen und den Plattenbausiedlungen Ostdeutschlands. Auch Gera-Lusan gehört zu den Orten, die er fotografisch dokumentiert hat. Der Kulturpalast der Maxhütte reiht sich damit in eine fotografische Auseinandersetzung mit einer Architektur ein, die nach der politischen Wende vielfach ihre ursprüngliche Funktion verlor.

Ein Denkmal zwischen Schutz und Verfall

Der Kulturpalast ist ein besonders prägnantes Beispiel für die Widersprüche beim Umgang mit DDR-Bauten. Einerseits besitzt das Gebäude als denkmalgeschütztes Zeugnis der Industrie- und Sozialgeschichte einen besonderen Wert. Andererseits fehlt seit Jahrzehnten eine dauerhafte Nutzung. Damit stellt sich die entscheidende Frage, ob Denkmalschutz allein ausreicht, um solche Gebäude langfristig zu bewahren. Ohne Nutzung, Finanzierung und ein tragfähiges Konzept drohen selbst geschützte Bauwerke dem Verfall preisgegeben zu werden. Der Kulturpalast der Maxhütte steht somit für zahlreiche Gebäude in Ostdeutschland, deren Zukunft ungeklärt ist.

Architektur als Erinnerung an eine vergangene Gesellschaft

Bei der Veranstaltung soll es nicht ausschließlich um den Zustand eines einzelnen Gebäudes gehen. Vielmehr steht die grundsätzliche Wertschätzung des DDR-Bauerbes zur Diskussion. Viele dieser Gebäude waren einst zentrale Orte des gesellschaftlichen Lebens. Kulturhäuser, Klubhäuser, Schulen oder Gemeinschaftseinrichtungen bildeten einen wichtigen Bestandteil des Alltags in der DDR. Mit dem Ende dieses politischen Systems verschwanden vielfach auch ihre ursprünglichen Funktionen. Heute stellt sich die Frage, welche dieser Bauwerke als historische Zeugnisse erhalten bleiben sollten – und wie eine zeitgemäße Nutzung aussehen könnte.

Journalistin Danuta Schmidt moderiert den Abend

Durch den Gesprächsabend führt die Journalistin Danuta Schmidt. Sie verfügt über Erfahrungen aus der Architekturbranche und war über viele Jahre für den MDR-Hörfunk und das RBB-Fernsehen tätig. Gemeinsam mit Christoph Liepach will sie den Blick auf die Bedeutung von Baukultur, Denkmalschutz und gesellschaftlicher Erinnerung richten. Dabei geht es auch um die Frage, welchen Stellenwert Gebäude aus der DDR heute in der öffentlichen Wahrnehmung besitzen.

Kostenlose Veranstaltung in Marzahn

Der Gesprächsabend findet am Montag, 23. März 2026, um 20 Uhr in der Mark-Twain-Bibliothek, Marzahner Promenade 55, Berlin, statt. Der Einlass beginnt um 19.30 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos. Der Förderverein der Stadtbibliothek bittet jedoch am Ausgang um Spenden. Eine vorherige Anmeldung ist telefonisch unter 030 54 704 142 oder per E-Mail möglich.

DDR-Baukultur zwischen Abriss und neuer Wertschätzung

Der Abend macht ein Thema sichtbar, das zunehmend an Bedeutung gewinnt: den Umgang mit dem architektonischen Erbe der DDR. Während einige Bauwerke abgerissen oder grundlegend verändert werden, kämpfen andere um Anerkennung, Sanierung und eine neue Nutzung. Der Kulturpalast der Maxhütte zeigt besonders deutlich, wie schmal der Grat zwischen denkmalgeschütztem Kulturerbe und dauerhaftem Leerstand sein kann. Mit seinem Bildband „Max braucht Gesellschaft“ will Christoph Liepach einen solchen Ort sichtbar machen. Die Veranstaltung in Berlin stellt damit nicht nur die Frage nach dem Schicksal eines einzelnen Kulturpalastes, sondern nach dem zukünftigen Umgang mit einem ganzen Kapitel ostdeutscher Baugeschichte.

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