Mit dem rasanten Bevölkerungswachstum Halles ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs auch der Bedarf an einer modernen Infrastruktur – insbesondere in der Wasserversorgung. Bis dahin hatte man das Wasser ungefiltert aus der Saale bezogen, was regelmäßig zu schweren Epidemien führte, zuletzt 1866 während einer verheerenden Cholera-Welle. Als Reaktion darauf wurde 1867/68 das Wasserwerk Beesen errichtet, samt eines ersten Wasserturms im Süden der Stadt.
Rund 50 Jahre später machte die weitere Erschließung des Stadtteils durch neue Industrieansiedlungen und die Wohnsiedlungen des Bauvereins für Kleinwohnungen von 1926/27 einen Neubau notwendig: Der bestehende Wasserdruck genügte den Anforderungen nicht mehr. Gleichzeitig sollte am Lutherplatz auch die Stromversorgung neu organisiert werden – eine städtebauliche Herausforderung, die unter Leitung von Stadtbaurat Wilhelm Jost und seinen Mitarbeitern Wolfgang Bornemann und Feldtkeller architektonisch innovativ gelöst wurde.
Der städtebauliche Plan sah eine großzügige Platzgestaltung vor, in deren Zentrum zwischen 1927 und 1928 ein prägnantes Ensemble aus Backstein entstand: der neue Wasserturm, ein Wasserreservoir und ein Umspannwerk. Die technische Umsetzung übernahm die hallesche Niederlassung der Baufirma Wayss & Freytag AG, die einen Spezialentwurf des Ingenieurs und Direktors Oskar Muy realisierte.
Der neue Wasserturm ist ein eindrucksvoller Betonskelettbau, klar gegliedert in verschiedene Funktionsbereiche. Im rund sieben Meter hohen Eingangsbereich empfängt Besucher ein doppelter Ring aus Betonstützen, in dessen Mitte ein kunstvoll gestalteter, indirekt beleuchteter Brunnen steht. Von dort fällt der Blick durch eine Öffnung in der Decke bis hinauf zum Tropfboden auf 23 Metern Höhe. Eine frei an der Wand geführte Treppe führt über den sogenannten Schaftraum dorthin und eröffnet beim Aufstieg immer wieder beeindruckende Raumeindrücke: schlanke Betonelemente, spiralförmig aufgehängte Leuchten und Licht, das durch schmale Schlitzfenster dramatisch einfällt, schaffen eine beinahe inszenierte Raumwirkung.
Im Tropfboden selbst, der das Kondenswasser sammelt, befindet sich der zentrale Wasserbehälter mit einem Fassungsvermögen von 2.000 Kubikmetern. Im Inneren führt eine eiserne Wendeltreppe durch ein Steigrohr bis in den lichtdurchfluteten Kuppelraum – von dessen äußerem Umgang man eine beeindruckende Aussicht über Halle und die umliegende Landschaft genießt.
Über dem Eingang erinnert ein Goethe-Zitat aus Faust II – »Alles ist aus dem Wasser entsprungen, alles wird durch das Wasser erhalten« – an den antiken Philosophen Thales von Milet und verweist symbolisch auf die lebensspendende Bedeutung des Wassers.
Das Ensemble gilt heute als ein herausragendes Beispiel der expressiven Backsteinarchitektur der 1920er Jahre und ist ein bedeutendes technik- und architekturhistorisches Zeugnis der Stadt Halle.
Denkmal des Quartals
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