Der Braunkohleabbau war ein zentraler Motor der wirtschaftlichen Entwicklung und Industrialisierung im heutigen Sachsen-Anhalt. Seit den 1920er Jahren spielte die mitteldeutsche Region dadurch eine bedeutende Rolle im Deutschen Reich – gleichauf mit Industriezentren wie dem Ruhrgebiet oder Schlesien. Auch in der DDR bildete die Braunkohle das Rückgrat der Energie- und Rohstoffversorgung. Mit dem politischen Umbruch 1989 und der nachfolgenden Stilllegung zahlreicher Tagebaue begann eine umfassende Renaturierung, bei der viele Industrieanlagen abgerissen und Geräte verschrottet wurden.
Inmitten dieses Wandels entstand ein einzigartiges Projekt: Nach einer Idee des Bauhauses Dessau wurde der ehemalige Tagebau Golpa-Nord nicht abgetragen, sondern bewusst als Industriedenkmal erhalten und für kulturelle Zwecke umgestaltet. Zwischen 1958 und 1991 in Betrieb, ist Golpa-Nord ein herausragendes Beispiel für den Braunkohlebergbau auf seinem globalen Höhepunkt. Die Verbindung aus abgeschlossener Tagebaulandschaft, originaler Infrastruktur und gewaltigen Maschinen macht diesen Ort in Deutschland einmalig.
Im Zentrum des sogenannten Schwenktagebaus lag der „Drehpunkt“ – eine Halbinsel im heutigen gefluteten Restloch des Tagebaus. Dieser Ort markiert symbolisch den Anfang und das Ende der Kohleförderung – hier steht heute Ferropolis, die „Stadt aus Eisen“.
Die erhaltenen Anlagen aus den 1960er Jahren – etwa die Grubenleitung, das Abspannwerk für die Stromversorgung und die Grubenwerkstatt mit Brückenkran – spiegeln die damalige Technik und Organisation des Tagebaubetriebs wider. Besonders eindrucksvoll ist jedoch die Sammlung von fünf monumentalen Großgeräten, die zwischen 1941 und 1984 gebaut wurden. Dazu gehören ein Raupensäulenschwenkbagger, Eimerkettenbagger, Schaufelradbagger sowie zwei Absetzer. Sie stehen nicht nur für die Ingenieurskunst ihrer Zeit, sondern auch für die internationale Bedeutung des ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbaus.
Zu den bedeutendsten Exponaten zählt der Raupensäulenschwenkbagger 197 ERs 400 aus dem Jahr 1941 – das älteste Gerät der Sammlung, gefertigt in der Maschinenfabrik Magdeburg-Buckau. Ein weiteres Highlight ist der Absetzer 1025 As 1120 auf Schienenfahrwerk, Baujahr 1959, mit einem rundum drehbaren Reparaturkran und besonders langem Ausleger. Das größte Gerät – der zweiteilige Absetzer 1022 A2s 2240 aus dem Jahr 1958 – wiegt 1.980 Tonnen und kann heute von Besuchern betreten werden.
Heute ist Ferropolis mehr als ein Museum: Als Ankerpunkt der Europäischen Route der Industriekultur ist es auch Schauplatz für Festivals, Konzerte und kulturelle Großevents. Die gewaltigen Maschinenkulissen verleihen jeder Veranstaltung ein einzigartiges, industrielles Flair und verbinden Geschichte, Technik und Gegenwart auf eindrucksvolle Weise.
Denkmal des Quartals
Dieses Objekt wurde vom Onlinemagazin rottenplaces.de als „Denkmal des Quartals“ ausgewählt und online sowie im rottenplaces Magazin explizit vorgestellt. Sie möchten dieses Denkmal und die Arbeit der vielen Stiftungen, Organisationen, Vereine, Ehrenamtler usw. unterstützen? Dann finden Sie weitere Informationen zu diesem „Denkmal des Quartals“ über den jeweiligen Link im Artikel.
